Nachruf für streitbare Frauenrechtlerin Ellen Templin

Am 20.12.2010 verstarb völlig unerwartet Ellen Templin. Wir sind sehr erschüttert. Aber es ist für uns ein Trost, dass eine würdige Beisetzung im "Garten der Frauen" auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg geplant ist, am 25.02.2011 um 11 Uhr.

Ellen Templin
Ellen Templin im Gespräch.
© Foto: Hedwig von Knorre

Wir von TERRE DES FEMMES lernten Ellen Templin im Januar 2010 kennen. Bei einem Treffen der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe "Frauenhandel und Migration" berichtet sie von ihrer Tätigkeit in ihrem Domina-Studio. Wie viele Prostituierte, so war auch Ellen als Kind schwer sexuell missbraucht worden; in ihrem Leben setzte sich dieses negative Lebensmuster in dem destruktiven Dasein einer Prostituierten fort. Stark und erfolgreich als Domina, blieb Ellen dennoch unglücklich. Das sei nichts Besonderes, sagte sie, im Gegenteil - doch ungewöhnlich war ihr Umgang damit: sie trank nicht, nahm keine Drogen und lebte bewusst so gesund als möglich. Sie machte Psychotherapien und bildete sich fort; Psychologie und Politik waren ihre Schwerpunktthemen. Von jeder Partei wusste sie in jedem Jahr jede Position zur Prostitution... mit wissenschaftlicher Gründlichkeit wies sie auf massive Verschlechterungen für Prostituierte hin und wurde scheinbar nie müde, nachdrücklich darauf hinzuweisen. Sie musste sich immer wieder aus resignativen Zuständen dazu aufraffen.

Ihre Motivation war, dass sie glasklar die psychischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge bezüglich Prostitution durchschaute. Im Lauf der Zeit forderte sie alle Stellen auf, die irgendwie mit Prostitution zu tun haben, ihrer Verantwortung für Prostituierte gerecht zu werden. Meist stieß sie auf Ignoranz oder Ablehnung, auch Diskriminierung und plumpe Anmache waren an der Tagesordnung.

Ihr großes Herz, ihre hohe Intelligenz und ein wachsendes Verantwortungsgefühl machten Ellen das Leben zunehmend schwerer: "Mein Lebensziel ist eigentlich, die Prostitution abzuschaffen", sagte sie, "aber das ist ein zu hohes Ziel: wenn ich wenigstens noch erlebe, dass die Kondompflicht eingeführt wird, zum Schutz der Frauen vor den schlimmen Krankheiten...".
Jahrelang hat Ellen Templin in die Rentenversicherung eingezahlt und lebte auf diese ruhige Zeit zu, von der sie noch über 3 Jahre entfernt war, als sie starb. Ellen Templins Todesursache waren Bluthochdruck und insulinpflichtige Diabetes als Folge von Traumatisierungen und Stress.

Wir von TERRE DES FEMMES sind froh, Ellen Templin noch persönlich kennen gelernt zu haben und werden ihr Anliegen weiter tragen: auf die frauenverachtenden Hintergründe der Prostitution hinzuweisen.

 

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