Chronik unserer Arbeit

Die Tchibo-Kampagne der CCC (2004-2007)

Im Jahr 2005 startete die CCC-Kampagne eine Aktion zu Tchibo unter dem Motto "Tchibos "neue Welt" auf wessen Kosten"

Tchibo verkündet: „Jede Woche eine neue Welt“. Damit werden die KundInnen angelockt. Jede Woche eine neue Welt? Nicht für die Näherinnen von Tchibo-Kleidung in Billiglohnländern. Für diese Näherinnen ist jeder Tag die alte Welt:
  • eine Welt gesundheitsschädlicher, menschenunwürdiger Plackerei
  • eine Welt der Unterbezahlung
  • eine Welt von bis zu 90 Arbeitsstunden an sieben Tagen in der Woche,
  • eine Welt der sexuellen Belästigung,
  • eine Welt der totalen Überwachung,
  • eine Welt der Unfreiheit, in der es den Arbeiterinnen nicht erlaubt ist, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

Um gegen diese Arbeitsbedingungen und Zustände zu protestieren, war die CCC-Kampagne zwei Jahre sehr aktiv und erfolgreich.

Zwischen Tchibo und der CCC gibt es mittlerweile die Vereinbarung, sich einmal jährlich auszutauschen. Am 26. Oktober 2007 fand eines dieser Treffen statt, an dem auch der Einkaufsleiter Tchibos zeitweise teilnahm. Die Gesprächspartner zeigten den CCC VertreterInnen die Veränderungen bei Tchibo als Reaktion auf die Kampagne der CCC seit 2004 auf verschiedenen Ebenen auf.

a) Unternehmensintern: Tchibo hat im April 2006 eine neue Abteilung für Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility - CR) aufgebaut, die mittlerweile acht Personen beschäftigt, direkt dem Vorstandsvorsitzenden unterstellt ist und vor allem konzeptionell arbeitet. Der Social Code of Conduct wurde aus Sicht der CCC inzwischen zufrieden stellend überarbeitet. Neben der CR Abteilung gibt es eine neu geschaffene Abteilung "Soziale Qualität", die Teil der sonstigen (Produkt)Qualitätsabteilung ist und die für die Durchführung sozialer Audits und daraus sich ergebender Korrekturmaßnahmen zuständig ist. Die Qualitätsabteilung, der Einkauf und die CR Abteilung entscheiden gemeinsam, wo und unter welchen Bedingungen eingekauft wird. Tchibo ist auch seit 2006 Mitglied bei der Multistakeholder Initiative Social Accountability International (SAI). Die bei SAI akkreditierten Auditconsultings führen Sozialaudits bei Lieferanten durch (von der CCC vielfach kritisiert, da zahlreiche Verstöße gegen Sozialstandards nicht erkannt worden sind.). Zusätzlich kann ein Unternehmen auch sich selber und seine Programme zur Absicherung von Sozialstandards durch SAI überprüfen lassen, was bei Tchibo im Frühjahr 2007 erfolgte.

b) Einkaufspraktiken: 2007 hat Tchibo alle seine Importeure, die über die Hälfte des Einkaufs für Tchibo tätigen, aufgefordert, jeweils einen Verantwortlichen für die Umsetzung von Sozialstandards zu benennen. Laut Aussagen Tchibos wurde die Ernsthaftigkeit des Themas allen Partnern deutlich gemacht. Dahinter steht der neue Ansatz Tchibos im Wettbewerb mit den Konkurrenten, sich durch höhere Qualität und Sozialstandards von anderen abzusetzen. Der Einsatz für Sozialstandards, so der allgemeine Trend, lohnt sich eben auch, weil das Bewusstsein der KonsumentInnen wächst. Deshalb ist Tchibo auch daran interessiert, langfristige Partnerschaften mit Lieferanten aufzubauen, denen dann auch ein stabiles jährliches Auftragsvolumen zugesichert werden kann. Aufgrund der großen Mengen je Artikel hat Tchibo im Gegensatz zu anderen Unternehmen laut eigener Aussage längere Vorlaufszeiten. Die wöchentlich wechselnden Themenwelten werden fast ein Jahr im Voraus geplant, und nach der Planung werden die Verträge mit Lieferanten abgeschlossen. Subcontracting ist im Prinzip per Vertrag ausgeschlossen und ist nur nach schriftlicher Anfrage im Ausnahmefall gestattet. So lautet zumindest die Theorie, die Praxis sieht sicherlich anders aus.

c) Private Public Partnership Projekt zwischen BMZ/GTZ und Tchibo: Die neue Strategie will Tchibo mit 40 Lieferanten in China, Bangladesch und einem weiteren asiatischen Land erproben. Das Projekt ist auf 3 Jahre ausgelegt und beginnt im Dezember 2007. Die CCC hinterfragt allerdings kritisch, warum Steuermittel für die Schulung von Lieferanten eines Privatunternehmens verwendet werden. Zum einen geht es um den Aufbau lokaler Trainingsstrukturen durch die Ausbildung lokaler TrainerInnen, die endlich auch die ArbeiterInnen schulen sollen. Die Kritik der CCC im Fall Basic in Bangladesch bestand bisher darin, dass zwar das Management vor Ort geschult worden ist, die ArbeiterInnen aber nicht. Zum anderen geht es um die Qualifizierung von Lieferanten, insbesondere den Aufbau von "dialogischen Prozessen" (so Tchibo) zwischen Management, Beschäftigten, Gewerkschaften, NGOs und Regierung. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Schritt über die bisher im Rahmen des AVE/GTZ Projektes initiierten "Runden Tische" hinausgehen wird. In Seminaren soll das Thema "Einkaufspraktiken" zwischen Management und den Tchibo Einkäufern behandelt werden.

d) Basic Apparels in Bangladesch: Zwischen dem Management der Fabrik und den ArbeiterInnen bzw. einer Vertreterin, zu der auch wir Kontakt haben, gibt es einen regelmäßigen Austausch im Rahmen eines internen Beschwerdesystems. Dafür wurden an mehreren Stellen in der Fabrik Briefkästen aufgehängt, die monatlich unter Beteiligung aller Parteien geöffnet und die sich darin befindenden Anliegen gemeinsam besprochen werden. Zwar ist dies ein Fortschritt, denn die regelmäßigen Treffen haben zur Folge, dass man überhaupt miteinander redet. Schulungen der ArbeiterInnen sind aber immer noch nicht erfolgt. Auch ein Betriebsrat wurde noch nicht geschaffen, was allerdings aufgrund des Ausnahmezustands in Bangladesch derzeit auch nur schwer möglich ist.

Es gibt also deutliche Verbesserungen und deshalb rufen wir auch nicht mehr auf, Aktionen gegen Tchibo zu unternehmen. Tchibo ist allerdings noch weit davon entfernt, von uns als positives Beispiel genannt zu werden, denn es darf nicht vergessen werden: Das PPP Projekt richtet sich nur an wenige (ca. 5%) ausgewählte Lieferanten.

Die TDF-Kampagne "Mode, Macht und Frauenrechte"

Die Kampagne begann am 25. November 2003 und endete ein Jahr später. Zur einführenden Information wurde der Flyer „Kleider machen Leute! Doch wer macht unsere Kleider?" herausgegeben, der auch eine KundInnenkarte enthält. Gibt eine Kundin eine solche Karte in einem Modegeschäft ab, so signalisiert sie, dass sie mit den Arbeitsbedingungen, unter denen das Unternehmen produzieren lässt, nicht einverstanden ist. Detailliertere Informationen zum Thema gab es im Buch zur Kampagne „Mode, Macht und Frauenrechte“, das bei TDF erschienen ist. Hintergrundinformationen über die Arbeitssituation in der Textil- und Bekleidungsindustrie sollen Frauen anregen, selbst mit Aktionen gegen die Arbeitsbedingungen in der Textilbranche vorzugehen.

Mitte des Jahres 2003 wurde eine Eilaktion gestartet, nachdem 537 ArbeiterInnen von der PT Kahatex Strickfabrik in Bandung, Indonesien, entlassen worden waren. Die ArbeiterInnen waren für die Bezahlung eines Mindestlohns im Mai 2003 in Streik gegangen. Als Mitglied im TrägerInnenkreis der Clean Clothes Campaign (CCC) übte TERRE DES FEMMES mit anderen TrägerInnen in Europa Druck auf die Firmen Tom Tailor, s.Oliver, Olsen, Lerros und H&M aus, die bei Kahatex produzieren lassen oder ließen. Gleichzeitig wandten sich in den USA die „United Students against Sweat Shops“ (USAS) an die Firmen Nike und H&M. Viele Protestbriefe wurden an die Firmen geschickt und lokale Aktionen vor einzelnen Firmen (z. B. vor einem Geschäft von Tom Tailor in Hamburg) durchgeführt. Die Unternehmen H&M, Nike und Tom Tailor unterstützten die Forderungen und setzten sich so für die Wiedereinstellung der ArbeiterInnen ein.

Ergebnis der Eilaktion war, dass alle ehemaligen ArbeiterInnen, die dies wollten, wieder bei der Strickfabrik eingestellt wurden. Es wurde ein langfristiger Arbeitsvertrag ausgehandelt, der den ArbeiterInnen alle ihnen zustehenden Rechte laut indonesischem Gesetz und gemäß der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (Mindestlohn, Organisationsfreiheit, Krankenversicherung, etc.) zugesteht.

Auch die Städtegruppen von TERRE DES FEMMES waren im Rahmen der Kampagne sehr aktiv. Beispielsweise veranstaltete die Städtegruppe Berlin am 8. November 2003 einen ganztägigen Workshop zur konkreten Umsetzung der Kampagne. Die Städtegruppe Köln veranstaltete mit der ESG Köln in einer Kölner Fußgängerzone die Aktion „Etikettenschwindel“. Dabei wurde ein riesiges Etikett platziert, auf dem Informationen zu den Herstellungsbedingungen der Textile zu lesen waren. Auch staatliche Organisationen beteiligten sich an der Kampagne. So organisierte die Gleichstellungsstelle in Rellingen in Zusammenarbeit mit Gisela Burckhardt einen Kleidermarkt und spendete der Kampagne „Mode, Macht und Frauenrechte“ den Erlös von rund 1700 Euro.

Um neue Rechercheergebnisse über die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Modebranche und Möglichkeiten der Verbesserung zu eruieren, fand vom 27. bis 29. Februar 2004 in der evangelischen Akademie Meißen ein Workshop unter dem Titel „Kann denn Mode Sünde sein?“ statt. Konkret wurde diskutiert, wie das Instrument der öffentlichen Auftragsverteilung von Kommunen und Städten genutzt werden kann, um die Produktionsbedingungen von Bekleidung zu verbessern. Es wurden konkrete Handlungsvorschläge erarbeitet.

Vor kurzem wurde in Zusammenarbeit mit der CCC eine Kampagne zu Tchibos „neuer Welt“ gestartet. Tchibo setzt seine Lieferanten unter enorm hohen Druck, indem sie nur die billigsten Lieferanten wählen. Somit müssen die Arbeiterinnen für immer weniger Geld immer mehr produzieren. Mit der Kampagne werden die Käuferinnen aufgefordert, kritische Fragen an Tchibo zu richten, die Kundinnenkarte der CCC abzugeben und Protestpostkarten an Tchibo zu senden, um so Druck auf den Konzern auszuüben, dafür zu sorgen, dass seine Produkte unter „sauberen“ Bedingungen produziert werden.

Sozial verträglicher Einkauf durch die Kommunen - Clean Clothes Community - was ist das?


Welche/r Polizistin, welcher Feuerwehrmann, welche Krankenhausangestellte weiss schon, wo und unter welchen Bedingungen ihre Dienstkleidung hergestellt worden ist? In den kommunalen Behörden sind die Angestellten oft schimmerlos, bei wem ihre Lieferanten produzieren lassen. Im Beschaffungswesen der Kommunen gibt es bisher, wenn überhaupt, nur Auflagen zur Einhaltung ökologischer Kriterien (z.B. Verbot der Verwendung von Tropenhölzern). Soziale Kriterien, nämlich die Einhaltung von sozialen Mindeststandards bei der Herstellung von Produkten wie Kleidung, gibt es bisher nur vereinzelt in Deutschland.

Das soll anders werden. Bisher hat TDF ausführlich über die Arbeitsrechtsverletzungen in der Bekleidungsindustrie in den Billiglohnländern berichtet – und über die Bemühungen, Druck auf die Unternehmen in Deutschland auszuüben, damit ihre Zulieferer die sozialen Mindeststandards einhalten. Wir haben uns bemüht, Aufklärung unter uns Konsumentinnen zu betreiben – mit einigem Erfolg. Nun suchen wir Unterstützerinnen, die das Thema in ihrer Kommune ansprechen wollen. Denn: Es handelt sich um beträchtliche Summen, die die Kommunen für Dienstkleidung ausgeben, in Hamburg sind es über 4 Mio Euro pro Jahr.

Auch Dienst-/Schutzkleidung (Uniformen für Polizei, Feuerwehr, Müllangestellte, Verkehrsbetriebe, Krankenhäuser, Gartenamt etc.) der Behörden wird unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt, wenn solche Kleidungsstücke in Osteuropa und Asien gefertigt werden. Die Unternehmen in Deutschland vergeben die Aufträge an Produzenten in diesen Ländern. Oft reichen diese die Aufträge oder Teile der Aufträge an kleinere Firmen in ihrem Land weiter. Arbeitsrechtsverletzungen (Verbot von Vereinigungen wie Gewerkschaften, gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen, Zahlung nicht einmal eines Mindestlohns, unbezahlte Überstunden, etc.) gibt es in allen Billiglohnländern und bei der Herstellung aller Waren, ganz gleich ob es sich um Dienstkleidung oder modische Alltagsprodukte handelt.

Wenn die Kommunen einen Beschluss fassen, dass sie zukünftig nur noch sozial verträglich hergestellte Kleidung einkaufen werden, leisten sie damit einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung, wozu sich die Bundesregierung mit der lokalen Agenda 21 auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 verpflichtet hat. Welche Gemeinde/Stadt will sich schon vorwerfen lassen, dass die Dienstkleidung ihrer Angestellten unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen von Frauen und unter Verletzung von international anerkannten Sozialstandards, wie sie die Internationale Arbeitsorgansiation (ILO) festgelegt hat, hergestellt wurde?

Positive Beispiele

In Deutschland stehen wir zwar noch am Anfang, aber immerhin gibt es schon erste Kommunen, die mutig vorangehen. Weiter ist man schon in Frankreich und Belgien. Im Folgenden sind einige positive Beispiele aufgeführt.

  • In Nordrhein-Westfalen hat die Stadt Düsseldorf ein Projekt ins Leben gerufen (am Beispiel der Ausstattung der Feuerwehr), wonach bei Ausschreibungen/Beschaffungen von Arbeitskleidung soziale Mindeststandards nach dem internationalen Arbeitsrecht eingehalten werden müssen. Die Anbieter müssen eine Selbstverpflichtung zur Einhaltung von Sozialstandards unterschreiben.
  • In München hat der Stadtrat im Juli 2002 den Beschluss gefasst, dass künftig keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit mehr eingekauft werden.
  • In Hamburg haben Bürgermeister und Staatsrat sich positiv zu dem Thema geäussert und einen Brief an alle Lieferanten mit der Bitte um Auskunft zu den von ihnen zugrunde gelegten Sozialstandards geschrieben. Nach den Rückmeldungen sollen weitere Schritte geplant werden.

 

Im Ausland gibt es folgende Initiativen:

  • Im Dezember 2000 wurde eine Resolution im Stadtparlament Amsterdams verabschiedet, wonach zukünftig die Einhaltung sozialer Mindeststandards berücksichtigt werden soll. (In Amsterdam hat eine Studie der holländischen CCC ermittelt, dass jährlich 2 Mio Euro für Uniformen von der Stadtverwaltung ausgegeben werden. Die Uniformen werden hauptsächlich in Osteuropa und Nordafrika hergestellt, wobei die Stadt ihre Zulieferer nicht auf die Berücksichtigung sozialer Kriterien verpflichtete.)
  • In Flandern (Belgien) haben sich 51 Städte zu sozial verträglichem Einkauf verpflichtet.
  • In Frankreich haben über 250 Städte und Gemeinden eine Resolution zu sozial verträglichem Einkauf verabschiedet.
  • In den USA und Kanada haben zahlreiche Städte und Kommunen eine sogenannte „No sweat policy“ verabschiedet.

 

Vorschläge zum Vorgehen

Wenn Sie sich in Ihrer Kommune dafür einsetzen wollen, dass auch dort beim Einkauf darauf geachtet wird, dass Arbeitsschutzkleidung (Uniformen, Sportkleidung, etc. inkl. Schutzhandschuhe) und Textilien (Handtücher, Gardinen, Bett- und Tischwäsche, etc), unter Beachtung sozialer Mindeststandards hergestellt werden, dann geht es im Prinzip um zwei Schritte:

  1. Verabschiedung eines Beschlusses der Stadt/Kommunalverwaltung oder einer einzelnen Behörde (wie die Feuerwehr in Düsseldorf), zukünftig sozial verträglich hergestellte Dienstkleidung einzukaufen
  2. Erarbeitung von Umsetzungsschritten gemeinsam mit den kommunalen Angestellten


So könnten Sie vorgehen:

  • Bündnispartner/innen suchen (z.B. lokale Agenda 21 Beauftragte und Gruppen, Gleichstellungsbeauftragte, andere Frauenorganisationen, Eine Welt Läden, Kirchliche Gruppen, Dritte Welt Gruppen, Parteien, Gewerkschaften: IG Metall und ver.di (beide Mitglied in der CCC), Verbaucherverbände, lokale Presse)
  • Kontakt zu Verantwortlichen in der Verwaltung Ihrer Kommune herstellen und versuchen, einzelne für das Thema zu gewinnen. Manchmal gibt es schon Ratsbeschlüsse zu ähnlichen Themen wie Verbot von Tropenholz, auf die man sich beziehen kann.
  • Hintergrundinformationen zum Einkauf von Textilien durch Ihre Kommune über die Verwaltung oder die PolitikerInnen erheben lassen (wieviel gibt die Stadt für Textilien/Bekleidung aus? Wo lassen die Lieferanten produzieren?)
  • Über ihre MitstreiterInnen in der Verwaltung oder Politik einen Vorschlag für eine Beschlussvorlage des Stadtrats einbringen. (Vorlagen gibt es hierfür, können über TDF angefordert werden). In der Regel wird der Stadt- oder Gemeinderat vor der Verabschiedung eines Beschlusses ein paar Vorstellungen über dessen Umsetzung entwickeln wollen. So kann z.B. ein Schreiben an alle Geschäftspartner aufgesetzt werden, in dem der Stadtratsbeschluss mitgeteilt und die Anforderungen bei zukünftigen Ausschreibungen erläutert werden. Hierzu gibt es schon Beispiele aus München und Düsseldorf.

 

Die häufigsten Fragen der kommunalen Angestellten

Preis: „Die Kommunen sind eh schon so arm. Bei einer sozial verträglichen Produktion wird der Preis so hoch, dass wir ihn nicht bezahlen können“.

Die Lohnkosten an Bekleidungsstücken machen nur einen Anteil von 0,5-1% am Endprodukt aus, d.h. sie spielen für den Endpreis kaum eine Rolle. Es wurde deshalb bisher die Erfahrung gemacht, dass der Preis bei sozial verträglich hergestellten Produkten nicht unbedingt steigt.

Rechtliche Situation: „Wir haben eine Vergabeordnung, da spielen soziale Belange keine Rolle. Wenn wir die einführen, kann das womöglich zu Klagen führen.“

Es sind zu dieser Frage schon mehrere Rechtsgutachten erstellt worden, die alle zu dem Ergebnis kommen, dass diese Frage nicht abschliessend geklärt ist. Ausschlaggebend ist im Prinzip die Wahrung des Wettbewerbs nach EU Richtlinien. Eine Ausschreibung muss also so erfolgen, dass kein Bieter diskriminiert wird, d.h. dass auch Bieter aus anderen europäischen Ländern sich um den Auftrag bewerben können.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Firmen klagen würden, denn dann würden die oft katastrophalen Arbeitsbedingungen, unter denen ihre Zulieferer produzieren und von denen diese Unternehmen profitieren, bekannt. Aus keinem der oben genannten Länder und Beispiele gab es bisher Klagen.

Kontrolle: Wie kann die Sozialverträglichkeit sichergestellt werden? Gibt es Zertifizierungen von Produkten und wer bezahlt sie?

Die Einhaltung von Sozialstandards sollte als ein Prozess verstanden werden. Es braucht eine gewisse Zeit, bis die Zulieferer auch wirklich alle Mindestsozialstandards in ihren Fabriken umsetzen. Wenn man das Thema in die Kommune einbringt, kann man die Umsetzung nicht von heute auf morgen verlangen. Es gibt folgende abgestufte Möglichkeiten, wie die Einhaltung von Sozialstandards geprüft werden kann:

  • Eigenverpflichtung durch den Bieter
  • interne Prüfungen (Audits) der Unternehmen (Unternehmen legen eigene jährliche Prüfberichte vor)
  • unabhängige, externe Prüfungen unter Einbeziehung von zivilgesellschaftlichen Organisationen


Ein wichtiger positiver Indikator ist dann gegeben, wenn beim Zulieferer eine unabhängige Gewerkschaft vorhanden ist. In sehr vielen Fällen gibt es die nicht und dann werden meistens auch andere Mindestsozialstandards nicht eingehalten.

Es gibt bisher keine Sozial- Labels oder Zertifizierung von sozial verträglich hergestellten Produkten (abgesehen von Produkten des Fairen Handels). Es gibt aber Zertifizierungen von Produzenten durch sogenannte Audit Consultings, deren Vorgehen allerdings von der CCC kritisiert wird (siehe Heft 4/2003 Artikel von Andrea Tivig). In Holland haben sich Unternehmen zur „Fair Wear Foundation“(FWF) zusammengetan, womit sie sich zur Einhaltung von sozialen Mindeststandards bei ihren Zulieferern verpflichten. Die Mitgliedschaft eines Unternehmens in der FWF garantiert die Einhaltung von Sozialstandards. Eine ähnliche Stiftung ist für Europa insgesamt geplant.

Wichtig: Nicht Ihre Kommune ist für die interne wie externe Prüfung und die damit verbundenen Kosten zuständig, sondern das Unternehmen selbst! Insbesondere die kleinen und mittelgroßen Firmen behaupten schnell, dass sie die Kosten nicht tragen können, doch Kontrollen sind nun mal notwendig. Firmen können vielleicht über ihre Verbände in diesem Punkt Unterstützung erhalten.

Eine ausführliche Beschreibung zum Vorgehen und Unterlagen aus anderen Städten können hier direkt als PDF-Dokument auf den PC heruntergeladen werden (Sozial verträglicher Einkauf durch die Kommunen - Anleitung zum Vorgehen für lokale Gruppen und Interessierte, 37 Kb). Wir würden uns freuen, wenn Einzelne oder Städtegruppen von TDF Lust hätten, ihre Kommune zu einer Clean Clothes Community zu machen.

Gisela Burckhardt