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Mädchen durch Bildung stärken – weltweit!

Vor Kurzem hat uns die Meldung über die Entführung von fast 300 nigerianischen Mädchen durch die islamistische Sekte Boko Haram erschüttert. An der Grenze zu Nigeria, im Norden Kameruns haben wir den Bau einer Mädchenschule unterstützt und erfahren nun, dass auch dort die Schülerinnen in Gefahr sind. Umso wichtiger ist es, unser Engagement in dieser Region fortzusetzen – mit Ihrer Hilfe!

Die Schule ist Teil unserer Projektarbeit in Nordkamerun, die wir unter das Leitmotiv Selbstbestimmung durch Bildung – Mädchenbildung stärken gestellt haben. Ein Schulbesuch ist in dieser Region oft die einzige Möglichkeit, um die Mädchen vor (Zwangs-) Verheiratung zu bewahren und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, allerdings gehen weltweit 39 Millionen der elf- bis 15-jährigen Mädchen nicht zur Schule. Geschlechtsspezifische Gewalt, wie z.b. Vergewaltigungen, sexuelle Übergriffe sowie weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsverheiratung und frühe Schwangerschaft, ist dabei die häufigste Ursache für einen vorzeitigen Schulabbruch.

Dies bestätigt auch unsere Kooperationspartnerin in Sierra Leone, die Organisation Amazonian Initiative Movement (AIM), die vor allem gegen weibliche Genitalverstümmelung aktiv ist. Zusammen mit uns bietet AIM ein Mädchenschutzhaus an, in dem Mädchen Zuflucht finden können, die von weiblicher Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und häuslicher Gewalt betroffen bzw. bedroht sind. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass die Mädchen in ihrer Obhut ihrem Schulbesuch fortsetzen können.

Mädchen haben ein Recht auf die freie Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Bildung ermöglicht ihnen ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben. Wo immer ihnen diese Rechte abgesprochen werden, brauchen sie unsere Solidarität. Unsere Arbeit kann nur langfristig gelingen.

Bitte unterstützen Sie unsere Projektarbeit mit Ihrer Spende!

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Interview mit der Projektkoordinatorin von AIM Veronika Kirschner

Foto: © Veronika KirschnerFoto: © Veronika KirschnerAm 10.11.2013 feierte die Organisation AIM ("Amazonian Initiative Movement“) in Sierra Leone zehnjähriges Jubiläum. AIM schützt Mädchen vor Genitalverstümmelung, indem die MitarbeiterInnen Aufklärung betreiben und den Mädchen ein sicheres Haus zur Verfügung stellen - ein sogenanntes Mädchenschutzhaus. Ehemalige Beschneiderinnen finden neue Arbeit als Köchinnen. Zahlreiche Freiwillige engagieren sich heute bei AIM. Eine von ihnen ist Veronika Kirschner, die als ehrenamtliche Projektkoordinatorin das Bindeglied zwischen AIM und TERRE DES FEMMES bildet.

TERRE DES FEMMES: Liebe Veronika, stell dich bitte kurz vor.

Veronika Kirschner: Ich lebe in Bielefeld, wo ich seit einem guten Jahr für den entwicklungspolitischen Verein Welthaus Bielefeld arbeite. Ich bin dort zuständig für die Vorbereitung und Betreuung von jungen Freiwilligen, die für ein Jahr in Ländern des Globalen Südens ein freiwilliges soziales Jahr, eine Art Praktikum, machen. Von der Ausbildung her bin ich Politologin. Ich war selbst bereits im Ausland tätig und habe mich dann aber entschieden, lieber im ‚Entwicklungsland Deutschland‘ zu arbeiten. Privat lese ich sehr gerne und liebe es draußen, im Wald, in den Bergen, im Wasser unterwegs zu sein. Außerdem würde ich mich als politisch aktive Person bezeichnen. U.a. setze ich mich seit meiner Schulzeit für Frauenrechte ein und bin seit knapp 10 Jahren Mitglied bei TDF.

TERRE DES FEMMES: Wir kam es zu der Entscheidung wieder in Deutschland arbeiten zu wollen?

Veronika Kirschner: Ich denke, dass hier ein Umdenken nötig ist. Wir versuchen mit unseren Freiwilligen ein Verständnis für globale Zusammenhänge und Machtverhältnisse zu schaffen und Menschen für die eigene Positionierung und damit verbundene Privilegien zu sensibilisieren. Die Teilnahme an unserem Programm, vor allem die Lebens- und Arbeitserfahrung in den Ländern des Globalen Südens, soll unsere jungen Freiwilligen stärken, sich aktiv für ein gerechteres Miteinander zu engagieren.
 
TERRE DES FEMMES: Vor zehn Jahren wurde AIM in Sierra Leone gegründet. Was hat sich seit dieser Zeit getan?

Veronika Kirschner: AIM konnte sehr viel erreichen. Ich bin immer wieder beeindruckt von der unermüdlichen Energie und Kraft der Mitarbeitenden von AIM. Es ist nicht einfach sich als NGO in Sierra Leone durchzuschlagen und schon gar nicht, wenn man sich einem so heiklen, sensiblen Thema widmet. Beschneidung von Frauen ist eigentlich bis heute ein Tabuthema – auch wenn AIM maßgeblich dazu beiträgt, dass sich das immer mehr ändert. Mit ihren Kampagnen und Projekten konnten sie bis heute sehr viele Menschen erreichen und zu einem Umdenken bewegen.

TERRE DES FEMMES: Kein leichtes Unterfangen! Wie haben sie das erreicht?

Veronika Kirschner: Menschen davon zu überzeugen einen Jahrhunderte alten Brauch abzulegen ist ein schwieriges Unterfangen und braucht einen langen Atem. Daher ist der Ansatz von AIM auch so nachhaltig  - es nützt nichts, den Menschen mit Verboten und erhobenen Zeigefinger gegenüberzutreten. Eine gute Vernetzung, persönliche Kontakte und viele, langwierige Gespräche mit allen beteiligten AkteurInnen sind hier zielführender. Das ist manchmal schwer zu akzeptieren, angesichts des Leids, das viele Mädchen bis heute durchleben müssen, aber notwendig, um die Menschen wirklich zu erreichen. Es gibt immer mehr, die AIM auch als ehrenamtliche AktivistInnen unterstützen und hinter den Forderungen der Organisation stehen, die die Angebote von AIM nutzen, wie das Schutzhaus und die sich öffentlich gegen die Praxis aussprechen – ein vor ein paar Jahren undenkbares Verhalten! Auch die Mitarbeitenden von AIM hatten am Anfang ernsthafte, teilweise sogar lebensbedrohliche Übergriffe zu erdulden von Menschen, die ihre Tradition in Gefahr sahen. Die Tatsache, dass AIM heute zu traditionellen, politischen und auch religiösen bedeutenden Persönlichkeiten beste Kontakte pflegt und auch sonst eine sehr angesehene Organisation ist, zeigt, wie weit sie in den 10 Jahren gekommen sind.

TERRE DES FEMMES: Seit wann unterstützt du diese wichtigen Entwicklungen und wie arbeitest du mit Rugiatu Turay zusammen?

Veronika Kirschner: Rugiatu Turay. Foto ©: Dörte RompelRugiatu Turay.
Foto ©: Dörte Rompel
Ich habe die Organisation im Rahmen eines Praktikums, das ich über das ASA-Programm dort 2007 gemacht habe, erstmals kennengelernt. Schon damals war ich tief beeindruckt und konnte eine Menge lernen. AIM hatte bereits länger die Idee, ein Schutzhaus für Mädchen zu bauen, die vor geschlechterspezifischer Gewalt, v.a. FGM, geschützt werden müssen. Viele der Mädchen waren zu dem Zeitpunkt bei Rugiatu Turay privat untergebracht, doch das Haus konnte der Anfrage lang nicht mehr gerecht werden. Es fehlte allerdings die Finanzierung und so schlugen wir vor, das Projekt bei TDF einzureichen. Der Antrag wurde 2008 positiv beschieden und seither fungiere ich als ehrenamtliche Projektkoordinatorin zwischen AIM und TDF. Ich besuche AIM regelmäßig ca. alle zwei Jahre und stehe in regelmäßigen Email-und Telefonkontakt, v.a. mit Rugiatu Turay. Wir arbeiten auf einer sehr freundschaftlichen und angenehmen Basis zusammen. Rugiatu kommt auch regelmäßig nach Deutschland und so sehen wir uns eigentlich einmal pro Jahr, was einen vertrauten Umgang ermöglicht. Ich versuche hier zu einer Öffentlichkeit für das Projekt und die Arbeit von AIM beizutragen, in dem ich Vorträge halte und Aktionen mitmache und Anfragen von interessierten Personen beantworte. Ich bin außerdem in der Arbeitsgruppe FGM von TDF aktiv, wo wir uns auch regelmäßig über die Projektkooperation mit AIM austauschen.

TERRE DES FEMMES: Spannend! Was motiviert dich, auch weiterhin persönlich für Mädchen- und Frauenrechte einzustehen?

Veronika Kirschner: Zum einen ist es natürlich der persönliche Kontakt nach Sierra Leone, die Bekanntschaft mit all den AktivistInnen, die mich nachhaltig beeindruckt haben und mich immer weiter motivieren, das Projekt zu unterstützen. Zum anderen sind es der noch immer global existierende Sexismus und die patriarchale Gesellschaftsordnung, in der wir alle leben, die mich zu weiterem Aktivismus antreiben. Überall auf dieser Welt werden Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert und ausgeschlossen. Das versuche ich weiter mit zu ändern. Ich werde erst aufhören, wenn es keine Rolle mehr spielt, welches Geschlecht ich habe.

TERRE DES FEMMES: Und welche Pläne gibt es für die Zukunft des Amazonian Initiative Movements?

Veronika Kirschner: Wie immer, viele! An Ideen mangelt es nie! Das Schutzhaus boomt und immer mehr Mädchen wenden sich schutzsuchend an AIM. Es ist das erste seiner Art. Es gibt also daneben eigentlich kaum Angebote für Mädchen, die sich FGM verweigern wollen. Daher wird überlegt, das Schutzhaus auszubauen. Auch werden die Mädchen, sollte eine Rückkehr in die Familie nicht möglich sein, begleitet, bis sie auf eigenen Beinen stehen können. Es sollen ihnen eine Ausbildung oder ein Studium ermöglicht werden. Die ersten drei Mädchen sind schon dabei. AIM möchte die Mädchen zu Multiplikatorinnen und Vorbildern für andere junge Menschen in Sierra Leone befähigen. Die Menschen sollen erkennen, dass auch unbeschnittene Frauen ihr Leben gut und verlässlich meistern können, dass sie eine Familie gründen und für diese Sorge tragen können. Außerdem ist seit längerem geplant, auf dem großzügigen Land, das die Gemeinde AIM für den Bau des Schutzhauses zur Verfügung gestellt hat, eine Grundschule mit einem kleinen Bildungszentrum zu erbauen.

TERRE DES FEMMES: Gibt es konkrete Vorstellungen, wie das Bildungszentrum aufgebaut sein könnte?

Veronika Kirschner: AIM versucht schon länger auch auf der Bildungsebene Einfluss zu nehmen und in Lehrpläne die Aufklärung über FGM und die Konsequenzen zu integrieren. An einer eigenen Schule hätten sie da mehr Spielraum und mit einem solchen Zentrum, die Möglichkeit eigene Veranstaltungen anzubieten. Außerdem will AIM eine weitere Schule bauen in einer sehr entlegenen Gegend, wo die Gemeinden seit ewigen Zeiten vergebens auf Bemühungen seitens der Regierung warten. Viele Kinder gehen wegen der langen Entfernungen von bis zu 5 Meilen gar nicht erst zur Schule. Vor allem für Mädchen ist das auch gefährlich, weil immer wieder Übergriffe passieren. Und auch auf politischer Ebene ist AIM aktiv – sie betreiben Lobbyarbeit bis in Ministerien und versuchen immer mehr politische Entscheidungsträger_innen von ihren Forderungen zu überzeugen und in Verantwortung zu nehmen.

TERRE DES FEMMES: Wie können diese Ziele denn von Deutschland aus unterstützt werden?

Veronika Kirschner: Hier kann hauptsächlich Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising betrieben werden. Die kleine NGO muss sich selbst tragen, d.h. die Mitarbeitenden entsprechend entlohnen und die Büroinfrastruktur aufrecht erhalten. Zudem braucht es die nötige Finanzierung für alle diese vielversprechenden Projekte. Die Mädchen im Schutzhaus sind auf die Versorgung durch AIM angewiesen, wenn sie ihre Familie verlassen. Diese zu gewährleisten ist die geteilte Verantwortung von uns, TDF und AIM. Es hilft ungemein, wenn möglichst viele und verschiedene Menschen die Forderungen und Aktivitäten von AIM bekannter machen, zum Beispiel indem sie bei Veranstaltungen für AIM werben. InteressentInnen dürfen sich jederzeit gerne an mich oder an Rugiatu Turay direkt wenden.

TERRE DES FEMMES: Danke für das Interview!