Ghana

Vorkommen

Weibliche Genitalverstümmelung wird in Ghana vor allem im Nordosten des Landes praktiziert. Dort praktizieren die Kussasi, Frafra, Kassena, Nankanne, Bussauri, Moshie, Manprusie, Kantansi, Walas, Sissala, Grunshie, Dargati und Lobi, während im Süden vor allem Migranten aus Mali, Togo, Niger und Burkina Faso die Anzahl der Betroffenen bestimmen. In den letzten Jahren hat sich die Einstellung zu FGM (= Female Genital Mutilation = weibliche Genitalverstümmelung) durch die Kampagnen von AktivistInnen so geändert, dass eine weitere Senkung der Betroffenenquote in Aussicht steht.

Zahlen

Betroffene: 4% der Frauen
Befürworter: 2% der Frauen
Beschneidungsalter: über 80% werden vor ihrem vierten Geburtstag genitalverstümmelt
Ca. 80% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen - Wanzams vorgenommen

Betroffen

Weibliche Genitalverstümmelung wird in Ghana zusehend unpopulärer. Selbst die religiöse Verpflichtung, die zu einem der stärksten Einflüsse bei der Fortsetzung dieser Praxis gehört, wird nur von 10% der Muslime und 5% der Christen gesehen. (Tatsächlich schreibt keine Religion FGM vor, nur manche Auslegungen oder eine fahrlässige Informationsweitergabe vermitteln den Gläubigen diesen Eindruck.)

In der Region Upper West mit der höchsten FGM-Quote sind 60% der Frauen zwischen 45 und 49 betroffen, aber von den Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren sind es schon viel weniger, nämlich 16%.

Formen

In Ghana werden zwar verhältnismäßig wenige Frauen genitalverstümmelt, diese erleben aber die heftigsten Formen dieser Menschenrechtsverletzung: 17% werden die sichtbaren Teile des Genitals abgeschnitten und die Wunde bis auf ein kleines Loch vernäht. Dies nennt man „Infibulation“ oder Typ III nach er Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation. Eine Exzision, also den ganz ähnlichen Eingriff nur ohne Vernähen und ggf. mit dem Erhalt der äußeren Labien, ist die am stärksten verbreitete Form der weiblichen Genitalverstümmelung. Sie wurde bei 68% der Mädchen und Frauen angewandt. Und bei 8% wird eine Klitroidektomie durchgeführt, die dem Typ I der WHO entspricht. Hier werden Klitoris und/oder Klitorisvorhaut weggeschnitten.

Begründungsmuster

In Ghana sind die gleichen Vorurteile und Aberglauben für den Fortbestand von FGM verantwortlich wie in vielen anderen afrikanischen Ländern. Die Gefahr, die angeblich von der Klitoris ausgeht, muss gebannt werden. Das Mädchen soll jungfräulich, die Frau soll treu sein. Reinheit von Geist und Körper ist mit einer Klitoris nicht möglich. Und angeblich hilft FGM sogar noch dabei, viele gesunde Kinder zu gebären. Diese Überzeugungen führen zu einem massiven sozialen Druck, da die Unversehrtheit einer Frau ja – nach Überzeugung mancher GhanaerInnen – nicht nur ihr selbst sondern auch ihrem Umfeld schaden könne.

Gesetzliche Lage

Die ghanaische Verfassung enthält einen Absatz (39), der impliziert, dass weibliche Genitalverstümmelung (genauso wie andere traditionelle Praktiken) schädlich sein und als Verletzung der körperlichen Unversehrtheit gelten kann. 1989 erlies der damalige Präsident Ghanas eine Erklärung in der über die negativen Folgen von FGM und anderen Traditionen aufgeklärt wurde und 1994 wurde das Gesetz gegen FGM in Ghana verabschiedet. Demnach droht einer an einer Genitalverstümmelung beteiligten Person eine Haftstrafe von drei oder mehr Jahren. Allerdings sind nur Exzision, Infibulation und „andere Verstümmelungen“ explizit strafbar. Ob die Klitoridektomie, bei der zwar Klitoris und/oder Klitorisvorhaut oft ohne Betäubung weggeschnitten werden, die aber dennoch milder ist als die explizit genannten Formen, ebenfalls bestraft wird, ist wohl vom Ermessen der RichterInnen abhängig. Seit 1994 gab es sieben Verhaftungen und mindestens zwei Verurteilungen. Bei einem achtjährigen Mädchen wurden Eltern und Beschneiderin verurteilt, eine andere Beschneiderin ging für die Verstümmelung von drei Mädchen für drei Jahre ins Gefängnis.

Tendenzen und Attitüde

Da der Anteil der FGM - Betroffenen mit 4% der Gesamtbevölkerung recht gering ist und die statistischen Erhebungen zur Befürwortung von FGM üblicherweise aufs ganze Land berechnet werden, kann man kaum fundierte Aussagen zu der Entwicklung in den einzelnen Ethnien machen. Immerhin geht die Gesamtzahl der Betroffenen zurück und von den wohlhabenden Familien befürwortet nur noch 1% die Fortsetzung von FGM.

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