Ghana

© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Ghana.© UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Ghana.Vorkommen

Ghana hat mit 4% die viert niedrigste FGM/C-Rate in ganz Afrika. Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C - Female Genital Mutilation/Cutting) wird vor allem im Nordosten des Landes praktiziert. Dort liegt die Beschneidungsquote bei 10-25%. Im Rest des Landes unter 10%. Im Norden praktizieren die Kussasi, Frafra, Kassena, Nankanne, Bussauri, Moshie, Manprusie, Kantansi, Walas, Sissala, Grunshie, Dargati und Lobi, während im Süden vor allem Migranten aus Mali, Togo, Niger und Burkina Faso die Anzahl der Betroffenen bestimmen.

Weibliche Genitalverstümmelung wird in Ghana zunehmend unpopulärer. Selbst die religiöse Verpflichtung, die zu einem der stärksten Einflüsse bei der Fortsetzung dieser Praktik gehört, wird nur von 12% der Muslime und 5% der Römisch-Katholischen gesehen.

 

Zahlen

Betroffene: 1% der Mädchen (0-14 Jahre) 4% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 2% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 83% von FGM/C finden vor Vollendung des 4. Lebensjahres statt, 5% zwischen dem 5. und 9., 1% zwischen dem 10. und 14. und nochmal 3% nach dem 15.
84% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen vorgenommen

Formen

In Ghana wird mit 68% Typ II (Exzision) von FGM/C am häufigsten praktiziert. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. Bei 8% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ I (Klitoridektomie) vollzogen. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. 17% der Beschneidungen sind eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht.

Begründungsmuster

In Ghana sind die gleichen Vorurteile und Aberglauben für den Fortbestand von FGM/C verantwortlich wie in vielen anderen afrikanischen Ländern. Die Gefahr, die angeblich von der Klitoris ausgeht, müsse gebannt werden. Das Mädchen soll jungfräulich, die Frau soll treu sein. Reinheit von Geist und Körper sei mit einer Klitoris nicht möglich. Diese Überzeugungen führen zu einem sozialen Druck, da die Unversehrtheit einer Frau nicht nur ihr selbst sondern auch ihrem Umfeld schaden könne.

Gesetzliche Lage

Die ghanaische Verfassung enthält einen Absatz (39), der impliziert, dass weibliche Genitalverstümmelung (genauso wie andere traditionelle Praktiken) schädlich sei und als Verletzung der körperlichen Unversehrtheit gelten kann. 1989 erlies der damalige Präsident Ghanas eine Erklärung, in der über die negativen Folgen von FGM/C und anderen Traditionen aufgeklärt wurde. 1994 wurde das Gesetz gegen FGM/C in Ghana verabschiedet und 2007 in die Verfassung aufgenommen. Demnach droht einer an einer Genitalverstümmelung beteiligten Person eine Haftstrafe von drei oder mehr Jahren. Seit 1994 gab es sieben Verhaftungen und mindestens zwei Verurteilungen.

Haltung und Tendenzen

Da der Anteil der FGM/C - Betroffenen mit 4% der Gesamtbevölkerung recht gering ist und die statistischen Erhebungen zur Befürwortung von FGM/C üblicherweise aufs ganze Land berechnet werden, kann man kaum fundierte Aussagen zu der Entwicklung in den einzelnen Ethnien machen. Immerhin geht die Gesamtzahl der Betroffenen zurück und 93% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) sind der Meinung, dass FGM/C stoppen muss.

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Stand 09/2016


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