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Tschad

UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Tschad.UNICEF Data: Monitoring the Situation of Children and Women. 2013. Country Profile: Tschad.Vorkommen

In Tschad sind 44% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C - Female Genital Mutilation/Cutting) betroffen. Dabei variiert im multiethnischen Staat Tschad die Häufigkeit und Form von weiblicher Genitalverstümmelung je nach Volksgruppe und Region. In Batha, Guéra, Salamat, Ouaddaï und Wadi Fira sind 92% der Frauen genitalverstümmelt, in BET, Kenem und Lac haben dies nur etwa 4% erleben müssen. Die höchste Prävalenzrate von FGM einer Ethnie liegt bei 92%, die niedrigste bei 1%. Unter den MuslimInnen ist die Beschneidungsrate 56%, bei den Römisch-Katholischen bei 41%, anderen christlichen Religionen bei 26%, den AnimistInnen 7% bei und unter den keiner Religionen Angehörigen bei 11%.

 

Zahlen

Betroffene: 44% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Befürworterinnen: 49% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre)
Beschneidungsalter: 14 % der Genitalverstümmelungen fanden vor dem 4. Lebensjahr statt, 57% zwischen dem 5. und 9., 23% zwischen dem 10. und 14. und nochmals 1% nach dem 15.

91% der Eingriffe werden von traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt

Formen

Im Tschad wird mit 81% Typ II (Exzision) von FGM/C am häufigsten praktiziert. Hierbei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und der inneren Schamlippen mit oder ohne Beschneidung der äußeren Lippen teilweise oder vollständig entfernt. Bei 9% der beschnittenen Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) wurde Typ I (Klitoridektomie) vollzogen. Dabei wird der äußerlich sichtbare Teil der Klitoris und/ oder die Klitorisvorhaut teilweise oder vollständig entfernt. 8% der Genitalverstümmelungen sind eine Infibulation (Typ III). Das heißt, das gesamte äußerlich sichtbare Genital wird herausgeschnitten und die offene Wunde bis auf ein kleines Loch zugenäht.

Begründungsmuster

31% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) denken FGM/C sei für die soziale Anerkennung und Akzeptanz unabdingbar. Nur 5% glauben, dass FGM/C den Körper und den Geist von Mädchen reinigen würde und 8% denken, dass ohne das Herausschneiden der Genitalien ihre Heiratschancen schlechter stünden. 7% sind überzeugt, dass die Praktik Jungfräulichkeit bewahrt. 52% und damit über die Hälfte sehen keine Vorteile in einer Genitalverstümmelung. 23% glauben, dass ihre Religion FGM/C vorschreibt.

Gesetzliche Lage

Im Jahr 2003 wurde im Tschad ein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung eingeführt. Es richtet sich gegen alle Formen von geschlechtsbasierter Gewalt gegen Frauen und schließt darin auch FGM/C ein. Die Schwachstelle des Gesetzes ist, dass es kein festgelegtes Strafmaß für die Beschneidung von weiblichen Genitalien gibt. Sowohl Eltern als auch Beschneiderinnen können wegen Körperverletzungen angezeigt werden – aber eine Differenzierung zwischen einzelnen Formen gibt es nicht. Neben der Formulierung des Gesetzes wurden Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit durchgeführt.

Haltung und Tendenzen

Im Tschad nahm die Zahl von Mädchen und Frauen (15-49 Jahre), an welchen FGM/C praktiziert wurde kaum ab. Die Befürwortungsrate sank jedoch von 49% (im Jahr 2004) auf 38% (im Jahre 2010). Zudem sind 36% der Mädchen und Frauen (15-49 Jahre) und 49% der Jungen und Männer (15-49 Jahre) der Meinung, dass FGM/C stoppen muss.

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Stand 09/2016

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