Appell an PolitikerInnen: „Wir brauchen mehr Projekte mit Männern!“

CHANGE Mediator Muhammed Lamin Jadama spricht beim Advocacy Meeting am 04.02.21: Warum brauchen wir mehr Männer in Projekten gegen FGM/C und CEFM? © TERRES DES FEMMES

Mit welchen Herausforderungen werden die CHANGE Mediatoren in ihrem Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation/Cutting – FGM/C) und Kinder-, Früh- und Zwangsverheiratung (Child, Early and Forced Marriage – CEFM) konfrontiert? Und wie kann die EU sie und communitybasierte Organisationen noch besser im Kampf gegen FGM/C und CEFM unterstützen? Diese wichtigen Fragen waren Thema beim Advocacy Meeting von „Men Standing Up for Gender Equality“. Die Teilnehmenden trafen hierzu am 4. Februar 2021 anlässlich des Internationalen Tages „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“ digital zusammen, um sich über das Projekt und weitere Präventionsstrategien auszutauschen.



Mehrere Mitglieder des Europäischen Parlamentes und der EU-Kommission nahmen teil. Moderiert wurde das Advocacy Meeting von der Schirmherrin des Projekts, Dr. Pierette Herzberger-Fofana MdEP (Grüne/EFA), stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM). Zusammen mit Chrysoula Zacharopoulou MdEP begrüßte sie die GästInnen und betonte, wie wichtig es sei, dass Themen wie FGM/C und CEFM ins Zentrum der politischen Agenda der EU gerückt werden.

Nach einer kurzen Videobotschaft von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und einer Vorstellung des Projektes durch die Koordinatorin Gwladys Awo (Lessan e.V.), waren die CHANGE Mediatoren an der Reihe: In sechs Botschaften forderten sie die anwesenden PolitikerInnen dazu auf, Projekte wie „Men Standing Up for Gender Equality“ auch weiterhin und noch stärker zu unterstützen. „Es gibt sehr viele Männer wie uns, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen wollen.“ Mit dieser Aussage betonte Muhammed Lamin Jadama (TERRE DES FEMMES), dass Männer insgesamt immer noch viel zu selten in Projekte gegen geschlechtsspezifische Gewalt eingebunden werden. Er ist davon überzeugt: Wenn Männer gemeinsam mit Frauen Themen wie FGM/C und CEFM angehen, ist ein nachhaltiger Wandel möglich. Dazu sei es auch wichtig, mehr Präventionsangebote anzubieten, die sich besonders an junge Menschen richten, ergänzte Raf Olayinka Awolola (TERRES DES FEMMES): „Nur, wenn wir schon mit unseren Kindern über FGM/C und CEFM und die negativen Konsequenzen sprechen, kann sich etwas ändern.“ Auch die Herausforderungen von Frauen und Mädchen, die aufgrund von FGM/C und CEFM Asyl in Europa beantragen, beschäftigten die Männer. Yonas Gebreslasie (Lessan e.V.) wies auf die Probleme hin, die es bei der Beratung von Betroffenen nach wie vor gibt. Ibrahima Tely Diallo (FEA) fügte hinzu, dass deshalb ein größerer Fokus auf die Ausbildung von Fachkräften, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten, gelegt werden müsse. Zusätzlich sei die finanzielle Unterstützung von communitybasierten Organisationen durch die EU besonders wichtig, betonte Adama Seck (FEA).

Im Anschluss berichteten verschiedene VertreterInnen der EU über ihr derzeitiges Engagement gegen FGM/C und CEFM und weitere Vorhaben zur Bekämpfung dieser schädlichen Praktiken. Als Policy Officer der Gender Equality Unit der EU-Kommission sprach Christa Jakobsson beispielsweise über eine geplante Strategie für Kinderrechte, die auch eine Schulung von Fachkräften zu geschlechtsspezifischer Gewalt beinhalten soll. Die teilnehmenden PolitikerInnen dankten den CHANGE Mediatoren sehr für ihren Einsatz: Es sei toll, Stimmen aus den betroffenen Communitys zu hören und insbesondere zu sehen, dass sich so viele Männer gegen FGM/C und CEFM einsetzen.

Wir hoffen sehr, dass die teilnehmenden PolitikerInnen ihre Position auch in Zukunft nutzen, um den von FGM/C und CEFM betroffenen Frauen und Mädchen in ganz Europa Gehör zu verschaffen und die Arbeit der MultiplikatorInnen weiter zu unterstützen.

Stand: 03/2021