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Auftakttreffen des Arbeitskreises „Prävention und Intervention in Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung und Früh-/Zwangsverheiratung in Berlin“ – für einen koordinierten und effektiven Mädchenschutz

Below the German text you will find the English version"

Am 19. Januar 2021 fand das erste Treffen des temporären Arbeitskreises zur Prävention und Intervention bei Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung (female genital mutilation – FGM) und Früh-/Zwangsverheiratung (early and forced marriage – EFM) in Berlin statt. TERRE DES FEMMES hat diesen Arbeitskreis im Rahmen des EU-Projekts „CHAIN“ initiiert. Ziel des Arbeitskreises ist es, gemeinsam mit relevanten Stakeholdern in Berlin Interventionsketten für FGM-/EFM-Fälle zu entwickeln und zu verabschieden. Diese Interventionsketten werden dann im Rahmen einer nationalen Konferenz vorgestellt und können so von anderen Bundesländern adaptiert werden. Durch die Interventionsketten soll ein koordinierter, effektiver Schutz von bedrohten Mädchen gewährleistet werden.

Ziel des Auftakttreffens war der Austausch von Informationen über den Bedarf, bestehende Angebote und Lücken und Herausforderungen bei der Identifizierung von und Intervention in Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung und Früh-/Zwangsverheiratung in Berlin. Die Ergebnisse bilden die Basis für einen ersten Entwurf der Interventionsketten.

Die Veranstaltung fand aufgrund der aktuellen Situation online statt. Teilgenommen haben neben den TDF-Referentinnen Charlotte Weil und Carolin Pranz VertreterInnen des Jugendamts, der Polizei, von Fachberatungsstellen und Frauenzufluchtswohnungen, der Berliner Koordinierungsstelle FGM_C,  der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, der schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren, eine auf FGM spezialisierte juristische Referentin sowie Vertreterinnen der betroffenen Communitys.

Kontextanalyse: Bedürfnisse, Angebote und Lücken

Neben einer allgemeinen Einführung in die Themen FGM und EFM haben die Community Trainerinnen Fatou Mandiang Diatta und Isatou Barry die Situation der Communitys in Berlin im Hinblick auf FGM/EFM sowie Bedürfnisse und Schwierigkeiten für von FGM/EFM betroffene und bedrohte Mädchen und Frauen vorgestellt und Lücken im Hilfesystem identifiziert. Anhand eines Fallbeispiels wurde schließlich eine Kontextanalyse vorgenommen, welche Schritte in einem Verdachtsfall eingeleitet werden können/müssen, welche Akteure und Angebote es gibt und was fehlt.

So waren sich alle einig, dass bei der Entwicklung einer Interventionskette ein interdisziplinärer, rechtebasierter Ansatz verfolgt werden muss, der die Themen FGM/EFM kultursensibel behandelt. Dabei ist es wichtig, die Eltern miteinzubeziehen – hierfür bedarf es jedoch geschulte KulturmittlerInnen.

Verschiedene Schritte wie das Einbinden von Fachberatungsstellen, des Jugendamts und auch der Polizei wurden diskutiert und überlegt, wie die Zusammenarbeit besser gestaltet werden kann.

Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen sowohl der Communitys als auch der unterschiedlichen Stakeholder, dass es häufig an Vertrauen in die Institutionen Jugendamt und Polizei mangelt. Hier müssen die Kommunikation und Information über die verschiedenen Arbeitsbereiche der Institutionen sowohl in den Communitys als auch bspw. unter pädagogischen Fachkräften verbessert werden.

Bei der gesamten Diskussion wurde deutlich, dass ein effektives Fallmanagement nur in Zusammenarbeit mit den betroffenen Communitys gewährleistet werden kann.

Des Weiteren wurden bereits bestehende Handlungsanweisungen vorgestellt und diskutiert. Diese finden in der Praxis jedoch oft keine Anwendung. Es reicht also nicht, diese schriftlich zu verankern, sondern bedarf der zusätzlichen Schulung der relevanten Fachkräfte. Hier setzt TERRE DES FEMMES ebenfalls an und wird ab dem Sommer 2021, nach der Verabschiedung der Interventionsketten, Fortbildungen für Fachkräfte aus dem sozialen, pädagogischen und Gesundheitssektor anbieten, die von den Community TrainerInnen durchgeführt werden. So soll sichergestellt werden, dass die relevanten Berufsgruppen die Interventionsketten nicht nur kennen, sondern auch in der Lage sind, diese in Fällen von weiblicher Genitalverstümmelung oder Früh-/Zwangsverheiratung umzusetzen und so Mädchen effektiv zu schützen.

Das Treffen war ein gelungener Auftakt mit einem sehr fruchtbaren Austausch und TDF bedankt sich bei allen TeilnehmerInnen für die wertvollen Inputs! Das nächste Treffen des Arbeitskreises findet voraussichtlich im März 2021 statt.

 

Stand: 1/2021


Kick-off meeting of the working group "Prevention and intervention in cases of female genital mutilation and early/forced marriage in Berlin" - for a coordinated and effective protection of girls

On 19th of January 2021, the first meeting of the temporary working group on prevention and intervention in cases of female genital mutilation (FGM) and early and forced marriage (EFM) took place in Berlin. TERRE DES FEMMES initiated this working group within the framework of the EU project "CHAIN". The aim of the working group is to develop and adopt intervention chains for FGM/EFM cases together with relevant stakeholders in Berlin. These intervention chains will then be presented at a national conference and can thus be adapted by other federal states. The intervention chains are intended to ensure coordinated, effective protection of girls at risk.

The goal of the kick-off meeting was to share information about needs, existing services, gaps and challenges in identifying and intervening in cases of female genital mutilation and early/forced marriage in Berlin. The results form the basis for a first draft of the intervention chains.

The event took place online due to the current situation. In addition to the TDF speakers Charlotte Weil and Carolin Pranz, representatives of the Youth Welfare Office, the police, specialized counseling centers and women's shelters, the Berlin FGM_C Coordination Office, the Senate Department for Health, Care and Equality, the school psychology and inclusive education counselling and support centres, a legal expert specializing in FGM, and representatives of the affected communities participated.

Context analysis: needs, propositions and gaps

In addition to a general introduction to the topics of FGM and EFM, the Community Trainers Fatou Mandiang Diatta and Isatou Barry presented the situation of the communities in Berlin with regard to FGM/EFM as well as needs and difficulties for girls and women affected and threatened by FGM/EFM and identified gaps in the support system. Finally, based on a case study, a context analysis was carried out, which steps can/must be taken in a suspected case, which actors and offers exist and what is missing.

Thus, everyone agreed that an interdisciplinary, rights -based approach must be taken in developing an intervention chain that addresses the issues of FGM/EFM in a culturally sensitive manner. In doing so, it is important to involve parents - but this requires trained cultural mediators.

Various steps, such as involving specialized counselling centres, the youth welfare office and also the police, were discussed and considered as to how cooperation can be better organized.

At the same time, the experiences of both the communities and the various stakeholders show that there is often a lack of trust in the institutions of the youth welfare office and the police. Here, communication and information about the different areas of work done by the institutions must be improved, both in the communities and, for example, among pedagogical specialists.

During the entire discussion, it became clear that effective case management can only be ensured in cooperation with the affected communities.

Furthermore, already existing instructions for action were presented and discussed. However, these are often not applied in practice. It is therefore not enough to put them in writing, but additional training of the relevant professionals is required. This is also where TERRE DES FEMMES comes in. After the adoption of the intervention chain, from the summer of 2021, TDF will offer training for professionals from the social, educational and health sectors, which will be conducted by Community Trainers. This is to ensure that the relevant professional groups are not only aware of the intervention chains but are also able to implement them in cases of female genital mutilation or early/forced marriage and thus effectively protect girls.

The meeting was a successful start with a very productive exchange and TDF would like to thank all participants for the valuable inputs! The next meeting of the working group is expected to take place in July 2021.

Status: 08/21