Podiumsdiskussion „breaking blades – Breaking the Silence“

Dr. Lisa Masumbuku und Antje Pohsegger auf dem Podium © TERRE DES FEMMES 2019Dr. Lisa Masumbuku und Antje Pohsegger auf dem Podium © TERRE DES FEMMES 2019Am 14.11.2019 lud TERRE DES FEMMES zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung breaking blades ein. Auf dem Panel saßen neben Dr. Idah Nabateregga, Referentin zu weiblicher Genitalverstümmelung bei TERRE DES FEMMES, die CHANGE Agents Sekou Kaba und Binta Fatty, Regisseurin Ulrike Zimmermann und Dr. Lissa Masumbuku, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Die Moderation übernahm Antje Pohsegger, Fotografin und Initiatorin der Ausstellung.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erläuterte Dr. Nabateregga zunächst noch einmal für alle Anwesenden, was genau unter weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) zu verstehen ist. Im Anschluss stellte sie die Arbeit von TERRE DES FEMMES auf diesem Gebiet und insbesondere das Konzept des Let’s CHANGE Projektes vor.

v.l.n.r. Sekou Kaba, Ulrike Zimmermann, Dr. Idah Nabateregga und Binta Fatty. © TERRE DES FEMMES 2019v.l.n.r. Sekou Kaba, Ulrike Zimmermann, Dr. Idah Nabateregga und Binta Fatty. © TERRE DES FEMMES 2019Sekou Kaba, Aktivist und CHANGE Agent im Projekt Let’s CHANGE, berichtete von seinen Erfahrungen in der Community-Arbeit und der Haltung, die viele Männer innerhalb der Communities gegenüber FGM haben. „Sie wissen nicht viel darüber“, sagt er, „vor allem nicht über die physischen und psychischen Folgen. Wenn Sie es einmal wissen, sagen sie ‚Das ist nicht gut. Ich bin dagegen‘. Deshalb ist Aufklärung so wichtig.“

CHANGE Agent Binta Fatty ist selbst Betroffene. Sie teilte ihre Erfahrungen mit FGM und Zwangsheirat und erzählte von ihrem Werdegang seither. „Von da wo ich herkomme, kannte ich es nicht anders.“, berichtet sie. Zu erfahren, dass es sich bei Frühverheiratungen und Beschneidungen um Gewalt gegen Frauen handelt, habe sie dazu bewogen, sich dagegen einzusetzen. Auf die Frage hin, welche Erfahrungen sie in der Community-Arbeit bislang gemacht hätte und welche Herausforderungen ihr bislang begegnet seien, betonte Frau Fatty wie schwierig es sei, das Gespräch mit anderen Betroffenen zu eröffnen. Es erfordere eine immense Vertrauensbasis, um sich jemandem derart zu offenbaren.

Dr. Lissa Masumbuku ist plastische Chirurgin. Sie kam erstmals auf einer Fachtagung, durch einen Vortrag von Dr. Dan mon O’Dey mit dem Thema weibliche Genitalverstümmelung in Berührung. Dr. O’Dey ist Vorreiter auf dem Gebiet der rekonstruktiven Chirurgie nach weiblicher Genitalverstümmelung. „Ich saß da und bekam Gänsehaut.“, sagt Dr. Masumbuku zu diesem Erlebnis. Inzwischen operiert sie selbst Betroffene, die den Wunsch nach einer Rekonstruktion äußern und hat in der Vergangenheit, in Kooperation mit der Desert Flower Foundation, solche Operationen auch schon in Kenia durchgeführt. Auch Sie kann bestätigen, dass Betroffene oft lange brauchen, ehe sie sich ein Herz fassen und um Unterstützung bitten beziehungsweise bei einer Ärztin vorstellig werden.

 v.l.n.r. Ulrike Zimmermann, Dr. Idah Nabateregga und Binta Fatty. © TERRE DES FEMMES 2019 v.l.n.r. Ulrike Zimmermann, Dr. Idah Nabateregga und Binta Fatty. © TERRE DES FEMMES 2019Ulrike Zimmermann, Regisseurin des Films „Vulva 3.0“ verarbeitet in ihrem Werk ihre eigene Auseinandersetzung mit den Themen weibliche Genitalverstümmelung und ästhetische Vulva-Chirurgie. Sie war im Rahmen eines anderen Filmprojekts zufällig mit FGM-Betroffenen in Kontakt gekommen. Sie habe im Anschluss an Interviews mit erfolgreichen Businessfrauen im Irak erfahren, dass viele von ihnen beschnitten worden waren und erschrak über ihre eigene Reaktion auf diese Information.

Der Film Vulva 3.0 begleite sie in ihrem Lernprozess. Auf die Frage, wie die Medien Thematiken wie FGM behandeln würden erklärte Zimmermann, dass dort ein klares Interesse an einer reißerischen Auseinandersetzung bestünde. Das gäbe die besseren Schlagzeilen. Genau das aber sei kontraproduktiv.

„Was man wirklich verstehen muss, ist, dass die Beschneidung eigentlich immer 'aus Liebe' geschieht. Die Eltern wollen für ihr Kind in der Regel nur das Beste“, betont Dr. Nabateregga abschließend.

TERRE DES FEMMES dankt allen Anwesenden für einen spannenden Abend.

 

Stand: 11/2019