Netzwerke und Verbände

Um gegen weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland und weltweit vorzugehen, bündeln Vereine und Organisationen ihre Kräfte und stärken sich gegenseitig: Selbsthilfegruppen schützen AktivistInnen vor Pauschalisierung, AktivistInnen informieren die Öffentlichkeit über aktuelle Lobbyziele und werben um Unterstützung, politisch arbeitende Verbände setzen sich für bessere Forschung und die Schließung von Versorgungslücken ein und WissenschaftlerInnen evaluieren die Situation der Betroffenen und Gefährdeten sowie nötige Maßnahmen zum Schutz. Regelmäßige Treffen und fortwährende Diskussionen stellen sicher, dass Synergieeffekte genutzt und gemeinsame Standards eingehalten werden.

Hier möchten wir kurz die wichtigsten Netzwerke und Verbände für die Arbeit von TERRE DES FEMMES zu weiblicher Genitalverstümmelung vorstellen:

Netzwerk INTEGRA

Im deutschlandweiten Netzwerk Integra finden die ExpertInnen aus fast 30 Organisationen, die effektiv, nachhaltig und konstruktiv gegen weibliche Genitalverstümmelung vorgehen, zusammen. In drei Treffen pro Jahr werden gemeinsame Stellungnahmen verabschiedet, politische Ziele festgelegt, Arbeitsgruppen gebildet und Praxiserfahrung ausgetauscht.

Bei größeren Projekten werden üblicherweise Kooperationen angeboten, so dass alle Organisationen von den Vorbereitungen und Planungen profitieren können.

Die Einführung des Gesetztes gegen weibliche Genitalverstümmelung (§226a StGB), die Aufnahme der vier Formen von FGM in den Diagnose- und Krankenkassenabrechnungscode (ICD 10 DE) und die Gründung der Bund-Länder-NRO-Gruppe sind Beispiele für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit von INTEGRA.

Bund-Länder-NRO-Gruppe

Die Bund-Länder-NRO-Arbeitsgruppe bringt VertreterInnen relevanter Ministerien, Landtage und Regierungsorgane mit den ExpertInnen aus dem nichtstaatlichen Sektor an einen Tisch um gemeinsam Lösungen zum Thema „weibliche Genitalverstümmelung in Deutschland“ zu finden. Der Schutz gefährdeter Mädchen und die Unterstützung betroffener Frauen sind gleichermaßen Ziel der Gruppe. Um eine schnelle und konzentrierte Kommunikation zu sichern, hat das Netzwerk INTEGRA entschieden, eine Delegation zu schicken statt mit über 20 Personen an der Gruppe teilzunehmen. Zu dieser Delegation gehört seit ihrer Gründung im Juni 2014 auch TERRE DES FEMMES. Die Aufgabe der Delegation ist es, die Anliegen der anderen Organisationen entsprechend der EU-Vorgaben zur Abschaffung weiblicher Genitalverstümmelung zusammenzufassen und die StaatsvertreterInnen von ihren Forderungen zu überzeugen.

Die Bund-Länder-NRO-Arbeitsgruppe hat bereits entschieden, durch eine bundesweite Studie Versorgungslücken und Präventionsdefizite zu evaluieren und diese im Anschluss zu schließen.

EIGE

Das Europäische Institut für Geschlechtergerechtigkeit ist eine Institution der EU mit Sitz in Vilnius. Das Institut erforscht unter anderem die Verbreitung weiblicher Genitalverstümmelung in den europäischen Mitgliedsstaaten und spricht konkrete Handlungsempfehlungen an Regierungen und EU-ParlamentarierInnen aus. TERRE DES FEMMES wurde um Unterstützung zur Einschätzung der Situation in Deutschland und Bereitstellung relevanter Daten für den ersten europäischen Report zum Thema gebeten. Weiterhin wurde TERRE DES FEMMES aufgrund der seit 1998 jährlich berechneten Dunkelziffer der Gefährdeten und Betroffenen ersucht, den vorläufigen Vorschlag zur einheitlichen europäischen Dunkelzifferberechnung zu kommentieren und auf Machbarkeit zu prüfen.

Sowohl durch EIGE als auch durch andere europäische Netzwerke und das EU-geförderte internationale Projekt CHANGE, sind wir mit vielen einflussreichen Organisationen, die politisch und wissenschaftlich zu FGM in den EU-Mitgliedsstaaten arbeiten gut vernetzt.

Stop FGM Middle East and Asia

Das Netzwerk Stop SGM Middle East and Asia gründete sich auf der gleichnamigen Konferenz von „Stop FGM Middle East“ zu der TERRE DES FEMMES aufgrund der Aktivitäten zu weiblicher Genitalverstümmelung in Indonesien eingeladen war. Das Netzwerk besteht aus fast 20 Organisationen und ExpertInnen aus den FGM-Verbreitungsländern des Mittleren Ostens und Südostasiens, die für eine Anerkennung der weiblichen Genitalverstümmelung in ihrer Heimat und die Aufmerksamkeit der weltweiten Öffentlichkeit kämpfen. Durch Studien, Aktionen, Kampagnen und Lobbyarbeit werden die Landesregierungen, Frauenverbände, die Weltgesundheitsorganisation und die Vereinten Nationen auf die Anliegen der Netzwerkmitglieder aufmerksam gemacht und dieser Effekt durch internationale Zusammenarbeit verstärkt. TERRE DES FEMMES hat z.B. gemeinsam mit Kalyanamitra aus Jakarta eingesetzliches Verbot weiblicher Genitalverstümmelung in Indonesien gefordert und deutsche PolitikerInnen sensibilisert und aktiviert.