Das CHANGE-Projekt – Mädchen in Europa vor Genitalverstümmelung schützen!

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) wird international als Menschenrechtsverletzung und Kindesmisshandlung bewertet. Das EU-Parlament schätzt, dass bis zu 180.000 Mädchen und junge Frauen jedes Jahr dem Risiko ausgesetzt sind, in einem Land der EU oder im Urlaub im Herkunftsland ihrer Eltern Genitalverstümmelung zu erleiden. TERRE DES FEMMES und internationale Partnerorganisationen haben im EU-geförderten Projekt CHANGE von 2013-2015 gezeigt, wie die Mädchen durch Communitybasierte Arbeit geschützt werden können.

Wissen ist der Schlüssel zur Verhaltensänderung

Der Schlüssel zur Überwindung dieser Gewalt an Mädchen und Frauen ist Wissen: Aufklärung, das Verstehen und Erkennen von aufgezwungenen, falschen Ritualen. Vielen Frauen ist nicht bewusst, dass ihre gesundheitlichen Probleme im späteren Leben auf FGM zurückzuführen sind. Komplikationen können sein: Tetanus, Urinstau, Geschwüre im Genitalbereich und Verletzung am angrenzenden Gewebe. Außerdem kann der Blutverlust zum Tode führen. Langfristig haben viele Frauen Probleme bei der Menstruation, berichten von schmerzhaftem Sex, haben ernsthafte Komplikationen bei der Geburt. Psychologische Traumata und Unfruchtbarkeit, sowie HIV/Aids können weitere Folgen sein.

Die Partnerorganisationen bestimmten zunächst die relevanten Diskussionsfelder, um dann die MultiplikatorInnen zu schulen und in ihrem Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung zu stärken. Foto © TERRE DES FEMMESDie Partnerorganisationen bestimmten zunächst die relevanten Diskussionsfelder, um dann die MultiplikatorInnen zu schulen und in ihrem Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung zu stärken.
Foto © TERRE DES FEMMES

Neben den medizinischen Faktoren wurde auch Aufklärung über FGM im religiösen Kontext, über Mädchenrechte, Sexualität, Gesetze, soziale Faktoren und viele weitere Gesichtspunkte geleistet. In Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden haben die Partnerorganisationen einflussreiche Frauen und Männer afrikanischer Communities zu MultiplikatorInnen, sogenannte CHANGE-Agents ausgebildet. Insgesamt sind es 50 Personen die im zweiten Halbjahr 2014 ca. 150 Aktivitäten gegen weibliche Genitalverstümmelung konzipiert und durchgeführt haben. Sie haben in ihren Communities mit Aktionen informiert, so dass der Dialog angeregt und die Praktik aufgegeben wird. Nach den zwei Jahren Training und Öffentlichkeitsarbeit gelten viele Change Agents selbst als ExpertInnen in ihren Communities und werden z.B. angerufen um Meinungsverschiedenheiten zu FGM zu klären, Eltern davon zu überzeugen, ihre Töchter unversehrt zu lassen oder auch um relevante Berufsgruppen wir ÄrztInnen und Hebammen auf die weibliche Genitalverstummelung und Präventionsmöglichkeiten aufmerksam machen.

Gemeinsam gegen FGM

Die CHANGE-Agents sind Frauen und Männer zwischen 19 and 76 Jahren, die in den vier Partnerländern leben. Sie stammen ursprünglich aus ost- und westafrikanischen Ländern, wo FGM besonders stark verbreitet ist. Die Vielfalt der Agents ermöglicht es, ein breites gesellschaftliches Spektrum innerhalb ihrer Communities zu erreichen: Von Krankenschwestern bis JuristInnen sind unterschiedlichste Berufsgruppen vertreten. Einige sind selbst Betroffene von FGM. Weil ein Dialog zwischen den Geschlechtern eine wichtige Voraussetzung für Wandel ist, werden sowohl Männer als auch Frauen ausgebildet.

Gemeinsam ist den CHANGE-Agents bei aller Vielfalt der Wunsch nach Aufgabe der vorherrschenden Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung in ihrer Gemeinde und ihrem Herkunftsland.

Seit vielen Jahren arbeiten die ProjektpartnerInnen aus Holland, England, Schweden und Deutschland schon gegen weibliche Genitalverstümmelung. Im Change Projekt wurden Erfahrungswerte gebündelt und erfolgreiche Strategien ausgetauscht. Foto: © TERRE DESFEMMESSeit vielen Jahren arbeiten die ProjektpartnerInnen aus Holland, England, Schweden und Deutschland schon gegen weibliche Genitalverstümmelung. Im Change Projekt wurden Erfahrungswerte gebündelt und erfolgreiche Strategien ausgetauscht.
Foto: © TERRE DES FEMMES


„Ich möchte dazu beitragen, dass es aufhört“

Einer der CHANGE-Agents aus Hamburg ist Omar Ouédraogo. Er wurde 1994 in Burkina Faso geboren, lebt seit 2010 in Deutschland und ist ehrenamtlicher Gesundheitsbotschafter der AIDS-Hilfe in Hamburg sowie Mitglied bei der Kinderhilfsorganisation ABED. Schon in Burkina Faso war Omar Quédraogo in dem Projekt Komki Ipala gegen weibliche Genitalverstümmelung aktiv. „Es wird Zeit nicht mehr alles hinzunehmen und mit aller Kraft schlechte Praktiken zu bekämpfen. Diese Macht, was zu verändern, können wir nur mit dem Wissen ausüben, welches uns das Change-Projekt vermittelt. Die Überzeugung, dass ich mehr erreichen kann, da ich auch aus Afrika komme und dagegen bin, motiviert mich. Alle Menschen müssen verstehen, dass weibliche Genitalverstümmelung sehr schlimm ist. Ich möchte dazu beitragen, dass es aufhört.“, sagt Omar.

 

Weitere Informationen zum Projekt:

 

Learn more on our official project website: www.change-agent.eu (english)