Ereignisse aus dem Jahr 2020

Auch die Arbeit von TERRE DES FEMMES e.V. (TDF) und unseren internationalen Partnerorganisationen war 2020 stark von den Herausforderungen rund um die Corona-Pandemie geprägt. Sahen sich unsere Projektpartnerinnen in ihrem Kampf für Frauenrechte schon vor der Ausbreitung des Corona-Virus oft widrigen Umständen ausgesetzt, hat die Pandemie diese Situation noch deutlich verschärft.

Frauen und Mädchen sind in der der Krise weltweit härter und langfristiger betroffen – bestehende Ungleichheitsverhältnisse werden durch die Pandemie verstärkt. Sexualisierte und häusliche Gewalt sind weiter angestiegen, Frauen und Mädchen haben häufig einen eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung und sehen sich vor allem mit der Last zusätzlicher Care-Arbeit im Lockdown konfrontiert. Gehen wir nicht aktiv gegen diese Entwicklungen vor, lässt sich wohl auch für die Zukunft kein positiveres Bild zeichnen.

Für TDF heißt das: unser Handeln und unsere Unterstützung für Frauen- und Mädchenrechte weltweit sind jetzt wichtiger denn je!

Aus diesem Grund sind wir froh, auf unsere Projektpartnerinnen vor Ort zählen zu können: zum Beispiel bietet das BHUMIKA Women’s Collective (BHUMIKA) in Indien rechtliche und psychologische Beratung für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen nun auch über digitale Kanäle an. Die TDF-Partnerorganisation Association Bangr Noom (ABN) in Burkina Faso setzte sich 2020 u.a. für die Einrichtung von Dorfkomitees zum Schutz von Mädchen ein, die unter der Zunahme von geschlechtsspezifischer Gewalt leiden. Und unsere Partnerorganisation Association d’Appui aux Filles de M’lay, Huva et Ldama (AAFMHL) in Kamerun entschied, die Risikolage vor Ort nicht länger hinzunehmen und sich selbst um die medizinische Aufklärung und Ausstattung der Bevölkerung im Projektgebiet Extrême Nord mit Schutzausrüstung zu kümmern.

Dienstreisen

IZ-Referentin Birgitta Hahn im Gespräch mit den MIRIAM-Projektleiterinnen Hilda Saldaña (links) und Yolanda Acuña Urbina (rechts) Foto: © TERRE DES FEMMESIZ-Referentin Birgitta Hahn im Gespräch mit den MIRIAM-Projektleiterinnen Hilda Saldaña (links) und Yolanda Acuña Urbina (rechts) Foto: © TERRE DES FEMMESAnfang Februar 2020 reiste IZ-Referentin Birgitta Hahn nach Nicaragua, um sich über die aktuelle Lage und das laufende Projekt der TDF-Partnerorganisation Asociación Proyecto MIRIAM (MIRIAM) zu informieren. Im Fokus stand v.a. die politische Entwicklung Nicaraguas. Außerdem führte Hahn Interviews mit Projektteilnehmerinnen, um Erkenntnisse über die Wirkungen des Projekts zu gewinnen.

Die politische Lage in Nicaragua ist und bleibt für die organisierte Zivilgesellschaft, aber auch für Frauen und Mädchen im Allgemeinen, schwierig. Regierungskritische Medien wurden mittlerweile alle geschlossen und im ganzen Land zeigt sich eine starke Polarisierung. Gegenüber Frauen ist ein deutlicher Gewaltanstieg zu verzeichnen und die Regierung schränkt viele Menschenrechtsorganisationen in ihrer Arbeit ein. Einer frauenrechtlichen NGO wurde sogar ein extra für Schulungen vorgesehenes neues Gebäude durch eine aufgehetzte Gemeinde zerstört. Die Berufsbildung von MIRIAM ist von der Krise besonders betroffen, da Frauen nun aufgrund zunehmender wirtschaftlicher Not die Existenzsicherung ihrer Familien in den Vordergrund stellen und weniger Zeit und Mittel für den Bildungserwerb haben. Trotz der Krise kann das Projekt aber nachhaltige Ergebnisse erzielen. Für MIRIAM ist die Arbeit durch Einschränkungen der Regierung schwieriger geworden, die Mitarbeiterinnen lassen sich davon jedoch nicht entmutigen und stehen Frauen in Not unverändert zur Seite. Weiterhin erhalten gewaltbetroffene Frauen Rechts- und psychologische Beratung und werden auf ihrem Weg durch die Instanzen begleitet. MIRIAM bemüht sich zudem intensiv darum, Frauen durch Berufsbildung und Begleitung bei der Integration in den Arbeitsmarkt zu befähigen, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und sich finanziell unabhängig von ihren Partnern zu machen.

 

Neues aus der Projektarbeit und zum Umgang mit COVID-19

Afrika

Burkina Faso

Die Situation in dem westafrikanischen Land bleibt angespannt, da sich Burkina Faso bereits vor der Verbreitung des Corona-Virus in einer humanitären Krise befunden hatte. Das Leben ist dort immer wieder von Gewalt, Vertreibung und Hungersnöten, ausgelöst v.a. von Terrorakten, geprägt. Besonders in den nördlichen und östlichen Regionen haben bewaffnete Gruppen im vergangenen Jahr Dörfer verwüstet und über 840.000 Personen vertrieben – im März 2020 machten Frauen und Kinder 84 Prozent der Vertriebenen aus. Durch die Schließung von Märkten zur Eindämmung der Pandemie wurde der Zugang zu Grundversorgungsmitteln wie Wasser, Nahrung und Sanitärprodukten eingeschränkt, tägliche Einnahmequellen brachen zusammen. Nach Angaben von Oxfam sind über eine Million Frauen und Mädchen infolge der Pandemie und des politischen Konflikts verstärkt von sexualisierter Gewalt, Hunger und Wassermangel betroffen. Frauen berichten vermehrt von nächtlichen Übergriffen und sexueller Ausbeutung. TDF leistete Unterstützung in dieser schwierigen Situation, so dass unsere Partnerorganisation Association Bangr Nooma (ABN) Dorfkomitees zum Schutz von bedrohten Mädchen einrichten konnte.

Aufklärungsveranstaltungen sollen helfen die Situation für Mädchen und Frauen in Burkina Faso zu verbessern. Foto: © TERRE DES FEMMESAufklärungsveranstaltungen sollen helfen die Situation für Mädchen und Frauen in Burkina Faso zu verbessern. Foto: © TERRE DES FEMMESEine 2020 erschienene Studie von PLAN International, UCL – Centre for Gender and Disaster und UNFPA zur Krisensituation in der Sahelzone legt die prekäre Situation von Mädchen in Burkina Faso und Mali offen: ihr Alltag ist von Gewalt und eingeschränkter Entscheidungsfreiheit geprägt. Die TDF-Partnerorganisationen in Burkina Faso und Mali reagieren auf diesen Notstand und setzten sich 2020 u.a. mithilfe von Schutzhäusern, Beratung und Aufklärung für gewaltbetroffene Mädchen und Frauen in der Sahelzone ein.

Kamerun

Auch Kamerun hat die Pandemie nicht verschont. Es gilt sogar als eines der am stärksten von Corona betroffenen Länder in Afrika. Die Ausbreitung des Virus verschlimmert die ohnehin schwere Krise im anglophonen Teil des Landes. Laut UNHCR sind 737.000 Menschen auf der Flucht. Auch die terroristischen Raubzüge, Entführungen und Ermordungen der in der Grenzregion zu Nigeria operierenden Boko Haram setzen der Bevölkerung immer wieder zu. Reiseverbote verhinderten UN-Flüge sowie die Verteilung von Hygiene-Paketen und Wasser. Die TDF-Partnerorganisation Association d’Appui aux Filles de M’lay, Huva et Ldama (AAFMHL) konnte gemeinsam mit der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft in Leipzig bei der medizinischen Aufklärung und Versorgung der Bevölkerung mit Schutz- und Hygiene-Paketen finanziell unterstützt werden.

Hygiene Pakete unterstützen rund 40 Familien während der Pandemie in Kamerun. Foto: ©AAFMHLHygiene Pakete unterstützen rund 40 Familien während der Pandemie in Kamerun. Foto: ©AAFMHLRund 40 Familien bzw. bis zu 250 Personen vor Ort erhielten Schutzmasken, Handwaschanlagen (Eimer zur Wasseraufbewahrung mit daran angebrachten Wasserhähnen), Seife und Waschmittel. Die Familien nahmen die Hygiene-Pakete bereits kurz nach dem Bekanntwerden der ersten COVID-19-Fälle im Land an sich, so dass Ansteckungen wirksam verhindert werden konnten.

 

Zugang zur Berufsausbildung: Computeratelier an der Berufsschule CETIC. Foto: © AAFMHLZugang zur Berufsausbildung: Computeratelier an der Berufsschule CETIC. Foto: © AAFMHL

Gute Nachrichten gab es zudem aus der Berufsschule CETIC (Collège d’Enseignement Technique, Industriel et Commercial) in Makandai: die Einrichtung des lang ersehnten Computer-Raums an der Schule wurde im März 2020 fertiggestellt! Am CETIC starten jährlich bis zu 250 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren ihre vierjährige Berufsausbildung zur ElektrikerIn, MaurerIn oder Bürofachkraft - davon sind ca. 55 Prozent Mädchen, im Ausbildungszweig Bürofach sind es sogar rund 80 Prozent.

 

Eine TDF-Schulstipendiatin des CETIC. Foto: ©AAFMHLEine TDF-Schulstipendiatin des CETIC. Foto: ©AAFMHLEtliche TDF-StipendiatInnen besuchen nach ihrem Mittelschulabschluss das CETIC. Neben den BerufsschülerInnen sollen jährlich 15 bis 20 sozial oder finanziell benachteiligte Mädchen aus dem Projektgebiet Extrême Nord, die am Schulstipendien-Programm von TDF und ihrer Partnerorganisation AAFMHL teilnehmen und nicht das CETIC besuchen, grundlegende PC-Kenntnisse außerhalb der regulären Unterrichtszeiten erlernen. Zudem werden Sommerkurse für jährlich 10 bis 30 minderjährige Mütter angeboten, damit sie ihre Qualifikation und folglich Chancen auf einen Arbeitsplatz verbessern und so die Abhängigkeit von männlichen Versorgern verringern oder sogar ganz eigenständig den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreiten können. Durch den neuen Computer-Raum wird so die Zukunft weiblicher!

 

Mali

2012 stellte ein Militärputsch die ohnehin brüchige Gesellschaftsordnung in Mali auf den Kopf. Seitdem gibt es kaum Rechtssicherheit oder klare Zuständigkeiten. In den letzten drei Jahren hat sich die Lage durch Instabilität und bewaffnete Konflikte weiter verschlechtert. Die Corona-Krise wirkt verschärfend: die Gesundheitsversorgung und Infrastruktur in dem westafrikanischen Land sind unzureichend, Schutzmaßnahmen können entsprechend nicht oder nicht systematisch umgesetzt werden, zudem wird der Norden immer wieder von terroristischer Gewalt erschüttert.

Im August 2020 wurde Ex-Präsident Keïta zum Rücktritt gezwungen. Die Putschisten bildeten eine Übergangsregierung und sicherten Neuwahlen innerhalb von achtzehn Monaten sowie die konsequente Umsetzung des Friedenvertrags von 2015 zu. Unter anderem wurde die Taskforce „Takuba“ geschaffen, welcher auch europäische Partner angehören, mit dem Zweck der Bekämpfung dschihadistisch-extremistischer Gruppen im Land (vor allem in der Grenzregion zwischen Mali, Burkina-Faso und Niger).

Mit Blick auf die Gleichberechtigung der Geschlechter steht die Übergangsregierung stark in der Kritik: 84 Prozent der Regierungsmitglieder sind Männer, obwohl 2015 beschlossen worden war, alle öffentlichen Ämter zu mindestens 30 Prozent mit Frauen zu besetzen.

Trotz der monatelang angespannten Lage im Kontext von fragiler Staatlichkeit und Pandemie brachten die MitarbeiterInnen der TDF-Partnerorganisation Association pour le Progrès et la Défense des Droits des Femmes (APDF) und der Association Malienne pour le Dévelopment Durable (AMDD), das von TDF und Häuser der Hoffnung (HdH) unterstützte Kooperationsprojekt „Denw Ka Hakè Sabatili – Expertinnenprogramm für gesundheitliche und menschenrechtliche Aufklärung an Schulen“, 2020 entscheidend voran. Ziel des Projekts ist die Aufklärung über Gesundheit und Menschenrechte an Schulen, sowie langfristig die Verhinderung von Praktiken wie weiblicher Genitalverstümmelung und Frühehen. Theaterstücke und Workshops sollen helfen, Gewalt zu verhindern und SchülerInnen für die Thematik zu sensibilisieren. Im Rahmen von über 20 Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen führten SchülerInnen diese bereits an ihren Schulen und auf öffentlichen Plätzen in ihren Dörfern auf. Das Projekt soll auf vier weitere Schulen und mobile Aufklärung in kleineren Gruppen ausgedehnt werden, um trotz der vorherrschenden Gesundheits- und Sicherheitslage, möglichst viele Menschen über geschlechtsspezifische Gewalt und deren Verhinderung zu informieren. Außerdem sollen die sozialen Netzwerke intensiver genutzt werden, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

 
Sierra Leone

AIM klärt über Corona auf, um die Pandemie in Sierra Leone weiter einzudämmen. Foto: © AIMAIM klärt über Corona auf, um die Pandemie in Sierra Leone weiter einzudämmen. Foto: © AIMIn Sierra Leone wurde schon vor der Registrierung erster Corona-Fälle der Notstand ausgerufen und Ausgangssperren verhängt. Zu sehr war das Land durch vergangene Gesundheitskrisen wie den Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 gezeichnet. Gleichzeitig fürchtete die Regierung zusätzliche, sich an Corona anschließende Katastrophen, z.B. ausgelöst durch die im Sommer beginnende Regenzeit.

Für die Mädchen im Schutzhaus der TDF-Partnerorganisation Amazonian Initiative Movement (AIM) bedeutete dies, von ihren Außenkontakten abgeschottet zu sein und nicht mehr zur Schule gehen zu können. Nichtsdestotrotz arbeiteten sie fleißig mit der Sozialarbeiterin im Schutzhaus daran, den Schulstoff bewältigt zu kriegen, um ihre Schulabschlüsse nicht in Gefahr zu bringen. Bislang mit großem Erfolg: die Schülerinnen wurden alle in ihre jeweils höheren Klassen versetzt. In den letzten Monaten waren insgesamt 12 Mädchen, die vor FGM oder häuslicher Gewalt von zu Hause geflohen waren, im Mädchenschutzhaus in Lunsar untergebracht. 10 weitere junge Frauen lebten in dieser Zeit in geschützten Unterkünften in Freetown oder Port Loko, um an schulischen Abschlussprüfungen teilnehmen zu können.

Auch brachte AIM das Projekt zur Gründung und Ausbildung von School Clubs für Geschlechtergerechtigkeit und Prävention von weiblicher Genitalverstümmelung vor Schließung der Schulen erfolgreich zu Ende: die TeilnehmerInnen im Alter von 7-15 Jahren setzen sich mit Hilfe ihrer Lehrkräfte mit Themen wie FGM, Frühehen, Teenager-Schwangerschaften und geschlechtsspezifischer Gewalt auseinander. Mit großer Wirkung! Die SchülerInnen sind sich einig, dass Initiationsrituale künftig keine Beschneidung mehr enthalten dürfen. Dieses Wissen tragen sie zurück in ihre Klassen, Freundeskreise und Gemeinden. Sie werden zu MultiplikatorInnen für Frauenrechte. Manche Clubs organisieren Radiosendungen, um auch jenseits ihrer Gemeinden über FGM aufzuklären. Andere entwickeln Theaterstücke, die die Risiken und Folgen von FGM emotional greifbar machen. Wieder andere veranstalten ganze Kampagnen gegen FGM.

Eine für AIM und TDF sehr positive Neuigkeit ist, dass mit Beginn des kurzen Lockdowns im Februar 2020 auch das traditionelle Initiationsritual am Übergang zum Erwachsenenalter, welches u.a. FGM vorsieht, teilweise unterbunden wurde. Mittlerweile ist jedoch leider davon auszugehen, dass das Verbot nicht mehr besteht. In Sierra Leone, wie auch in vielen anderen Ländern, hat die geschlechtsspezifische Gewalt gegen Mädchen und Frauen während der Pandemie stark zugenommen, vor allem die Häufigkeit von Vergewaltigungen. Wie sich die Situation in den nächsten Monaten weiter entwickeln wird, ist schwierig abzuschätzen. TDF wird die Lage genau verfolgen.

 
Ruanda

Zwar unterhält TDF keine Projektkooperation in Ruanda, doch waren wir 2018 an der Einführung des ersten komplett in Frauenhand produzierten Kaffees Angelique’s Finest aus Ruanda auf dem deutschen Markt beteiligt. Im Januar 2020 kam die Namensgeberin Angelique Karekezi zu Besuch in die Bundesgeschäftsstelle von TDF. Sie ist die Geschäftsführerin von Rwashoscco, dem Dach-Unternehmen, welches für die Röstung, Verpackung und den Export des Kaffees zuständig ist. Dank ihr konnte TDF einen interessanten Einblick in das Konzept und die Produktion von Angelique’s Finest gewinnen und freut sich, den Kaffee auch weiterhin tatkräftig zu unterstützen. Den Kaffee erhalten Sie übrigens auch bei uns im Online-Shop!

 

Zentralamerika

Nicaragua

Trotz der weltweiten Zunahme der Fallzahlen wurde die Krise in Nicaragua ignoriert, die Regierung redete sie klein – teilweise wurden MitarbeiterInnen aus dem Gesundheitswesen entlassen, da sie sich den Anweisungen der Regierung widersetzten, so zu tun, als gäbe es keine Toten durch COVID-19. Nicaragua gilt als das ärmste Land Mittelamerikas, die wichtigste Einnahmequelle, der Tourismus, ist seit den politischen Unruhen 2018 versiegt, die Pandemie verstärkt diese Entwicklung weiter. Die Regierung schützt die Bevölkerung nicht. Die TDF-Partnerorganisation Asociación Proyecto MIRIAM (MIRIAM) in Nicaragua ist deswegen selbst aktiv geworden: schon sehr früh hat das Team in Kooperation mit den Teilnehmerinnen des Schneiderei-Ausbildungskurses Masken hergestellt und an die Frauen, die die Angebote von MIRIAM in Anspruch nehmen, verteilt. Weiter setzt MIRIAM Alles daran, ihr Beratungs- und Kursangebot fortzusetzen, wenn auch unter veränderten Bedingungen. In den Ausbildungskursen wird der Mindestabstand eingehalten, einige Module werden digital, z.B. über das Handy, angeboten. Auch die Rechtsberatung gewaltbetroffener Frauen geht weiter – nun oft per Videotelefonie.

Nicaragua: Corona Nothilfen für Projektteilnehmerinnen von MIRIAM. Foto:  © Asociación Proyecto MIRIAMNicaragua: Corona Nothilfen für Projektteilnehmerinnen von MIRIAM. Foto: © Asociación Proyecto MIRIAMZur schnellen Nothilfe verteilte MIRIAM zudem Eimer mit Wasserhähnen und Seifen an die Projektteilnehmerinnen, welche nicht ausreichend oder nicht regelmäßig fließend Wasser zu Hause bzw. gar keinen Zugang zu Wasseranschlüssen haben. Diese Aktion wurde auf kreative Art mit der Aufklärung zum Thema Schutz vor häuslicher Gewalt verbunden – auf allen Eimern wurden entsprechende Aufkleber angebracht.

Eine tolle Neuigkeit für die frauenrechtliche Arbeit in Nicaragua ist, dass MIRIAM seit Juli 2020 ein neues, vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziell unterstütztes, Projekt in den Städten Managua und Estelí umsetzt. Es soll gewaltbetroffene oder anderweitig benachteiligte Frauen beim Aufbau eines nachhaltig selbstbestimmten Lebens ohne Gewalt unterstützen. Dafür ist die Stärkung der Kapazitäten frauenrechtlicher Organisationen, an die sich diese Frauen wenden, entscheidend. MIRIAM hat als Vorsitzende des Netzwerks gegen Gewalt an Frauen für ganz Nord-Nicaragua mit Blick auf dieses Ziel eine Schlüsselfunktion inne. Das Projekt hat eine Laufzeit von 2,5 Jahren und bietet den Teilnehmerinnen u.a. erstmals Spezialisierungsmodule im Anschluss an ihre Berufsausbildung sowie ein neues Mentorinnen-Programm.

 

Asien

Afghanistan

Auch Afghanistan machte die Corona-Pandemie stark zu schaffen: nach rund vier Jahrzehnten mit Konflikten und Krisen ist das Gesundheitssystem extrem geschwächt, in sehr vielen Fällen mangelt es an Personal und Schutzausrüstung. Eine Studie von August 2020 legte nahe, dass sich 270-mal mehr Menschen in dem zentralasiatischen Land angesteckt haben, als bislang angenommen.

Bildung ist das A und O: ein Englisch-Kurs im Frauenbildungszentrum in Shahrak. Foto: © Neswan Social AssociationBildung ist das A und O: ein Englisch-Kurs im Frauenbildungszentrum in Shahrak. Foto: © Neswan Social AssociationGleichzeitig erleidet die Bevölkerung in regelmäßigen Abständen schwere Angriffe seitens islamistischer Gruppierungen: eine besonders grausame Tat ereignete sich am 15. Mai 2020 - die Taliban griffen die Entbindungsstation des Dasht-e-Barshi Krankenhauses in West-Kabul an, bei dem viele Mütter und Neugeborene getötet wurden. Die Mehrzahl der Opfer gehörte der schiitischen Hazara-Community an. In der afghanischen Hauptstadt Kabul ereignete sich zudem ein Anschlag, bei dem Dutzende SchülerInnen ums Leben kamen. Die betroffenen Familien waren ebenfalls in der Mehrzahl Hazara. Als drittgrößte ethnische Gruppe Afghanistans sind die Hazara immer wieder das Ziel von Anschlägen der Terrormiliz des sogenannten “Islamischen Staates“. Die deutsche Gesellschaft für bedrohte Völker fordert seit langem mehr Schutz für religiöse Minderheiten in Afghanistan. Auch die Hazara selbst verlangen dies von ihrer Regierung.

Gleichzeitig haben Hazara-Frauen in der Post-Taliban Ära, trotz systematischer Diskriminierung und Angriffen, sehr viele Errungenschaften erzielt. Sie haben es geschafft, mit traditionellen Tabus zu brechen, und dadurch wichtige Fortschritte für Frauen auf den Weg gebracht. Heute sind Hazara-Frauen in vielen Lebensbereichen öffentlich vertreten. So sind die erste Leiterin des Frauenministeriums, die erste Leiterin der Menschenrechtskommission, die erste Gouverneurin einer Provinz und die erste Bürgermeisterin Afghanistans Hazara-Frauen.

Obwohl Ende 2020 in Doha der innerafghanische Dialog startete, bei dem die Taliban und eine Delegation der afghanischen Regierung über Frieden in Afghanistan verhandeln, hat die Gewalt im Land seitdem nicht nachgelassen. Die TDF-Partnerorganisation Neswan Social Association (Neswan) macht sich vor diesem Hintergrund weiter für die Mädchen und Frauen in der Stadt Shahrak stark. Shahrak liegt im Westen Afghanistans und ist Siedlungsgebiet der Hazara-Minderheit. Neswan verfügt über ein Frauenzentrum, in dem Alphabetisierungskurse angeboten und Englisch- sowie Computer-Kenntnisse vermittelt werden. Auch einkommensschaffende Tätigkeiten (z.B. Handyreparatur, Schneidern, Handarbeiten etc.) können dort erlernt werden. Produktvermarktung und -Vertrieb werden ebenfalls gefördert. Zusätzlich erfahren Frauen und Mädchen bei Neswan, welche Rechte sie haben und einfordern können. Neswan bietet Frauen einen der wenigen Orte des vertraulichen Austauschs – gerade für Frauen, die Hilfe benötigen, z.B. wegen häuslicher Gewalt. Frauen finden im Bildungszentrum von Neswan einen geschützten Raum, der in Pandemie-Zeiten ganz besonders wichtig ist.

 

Indien

Die Zahl der Corona-Toten in Indien stieg Anfang Oktober 2020 auf über 100.000, was es zu dem Land mit der weltweit dritthöchsten Sterberate im Zusammenhang mit COVID-19 Erkrankungen machte.

Auch hier treffen die Krise und Lockdown-Maßnahmen Frauen und Mädchen besonders hart: während internationale und regionale Organisationen sowie zahlreiche Regierungen weltweit das Problem des rapiden Anstiegs von häuslicher Gewalt im Zuge der Corona-Krise nicht nur erkannt haben, sondern auch konkret dagegen vorgegangen sind, ist Indien, das nach einer Studie der Thomson-Reuters-Stiftung als weltweit gefährlichstes Land für Frauen eingestuft wird, von derartigen Schritten weit entfernt. Indische Nothilfe-Hotlines verzeichnen seit dem Ausbruch von COVID-19 zwar rückläufige Tendenzen, dies lässt aber keineswegs die Schlussfolgerung zu, dass es weniger Gewaltfälle gäbe. Ganz im Gegenteil, viel wahrscheinlich ist, dass gewaltbetroffene Frauen stärker überwacht werden, sich nicht trauen, Anrufe zu tätigen, oder ihnen die Benutzung des Telefons schlichtweg untersagt wird.

BHUMIKA- Frauen setzen zusammen mit der örtlichen Polizei vor der Frauenberatungsstelle in Karimnagar ein Zeichen gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen. Foto: © Patricia MaagBHUMIKA- Frauen setzen zusammen mit der örtlichen Polizei vor der Frauenberatungsstelle in Karimnagar ein Zeichen gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen. Foto: © Patricia MaagTDF unterstützt seit 2016 das BHUMIKA Women’s Collective (BHUMIKA) in Indien, die u. a. drei an Polizeistationen angegliederte Beratungsstellen zur rechtlichen und psychologischen Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen betreiben – in Städten oder Stadtteilen, in denen die Gewaltrate gegen Mädchen und Frauen besonders alarmierend ist. BHUMIKA bietet mittlerweile, wo möglich, auch präsenzlose, z.B. digitale Beratung an.

 

Beendete Projekte

2020 trennte sich TDF von drei zum Teil langjährigen Partnerorganisationen. Die Entscheidung dazu war alles andere als leicht! Begrenzte Ressourcen und die Notwendigkeit, angesichts zunehmend antifeministischer, nationalistisch-konservativer, oft auch fundamentalistischer Strömungen weltweit einen neuen Schwerpunkt – die temporäre Förderung bedrohter Menschenrechtsaktivistinnen – aufzubauen, standen dahinter. Alle Partnerorganisationen wurden rechtzeitig darüber informiert, um gezielt alternative FörderpartnerInnen gewinnen zu können. Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit und sind stolz auf die Ergebnisse, auf die wir gemeinsam zurückschauen können!

Bulgarien

10 Jahre lang hat TDF die pädagogische Arbeit der Roma-Union mit Mädchen im Projekt FLORIKA in Burgas, Bulgarien, gefördert. Diese Förderung erreichte Mädchen, die besonders gefährdet sind, Opfer von Menschenhandel zu werden. TDF war wichtig, einen Beitrag zu leisten, der verhindert, dass Mädchen in die Zwangsprostitution gelangen. Insgesamt nahmen über 400 Mädchen an den Programmen teil.

Für TDF war die jahrelange Partnerschaft mit der Roma-Union in Burgas lehrreich. Wir erfuhren bei den Besuchen vor Ort, mit welchen Schwierigkeiten die Roma-Minderheit in Bulgarien zu kämpfen hat und wie schwer es ist, persönliche und gemeinschaftliche Perspektiven zu entwickeln, die aus der Misere hinausführen. Mit großer Hochachtung erlebten wir das Engagement der MitarbeiterInnen, die für das Viertel, für die Familien und besonders die Mädchen brennen und sich mit Herzblut für sie einsetzen. Es wurde uns deutlich, weshalb Menschenhändler mit ihren falschen Versprechen ein leichtes Spiel haben, Frauen und Mädchen zu locken.

Wir danken allen SpenderInnen und UnterstützerInnen für ihre Solidarität, die die Arbeit im Projekt FLORIKA über viele Jahre ermöglicht haben und dadurch zahlreiche Mädchen so gestärkt haben, dass sie nicht Opfer von Menschenhandel geworden sind und realisiert haben, dass sie ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben haben.

Die Arbeit des Projekts wird fortgeführt durch die NRO STOP dem Frauenhandel in München.

 

Israel/Palästina

Die Kooperative Lakia Women’s Association (Lakia) in der Negev-Wüste in Israel/Palästina wurde 1996 als erste beduinische NRO in Israel anerkannt und ist eine der wenigen, die die Eigeninitiative beduinischer Frauen und Mädchen im Ort Lakia und den umliegenden illegalisierten Siedlungen unterstützt. Die Beduinen gehören zu den ärmsten und am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen im Land. Das Zentrum für Beduinenstudien beschreibt die sozialen und psychischen Folgen dieser Politik mit Verelendung und Verslummung in einzelnen Stadtvierteln. Parallel zur wachsenden Arbeitslosigkeit (bis 60 Prozent bei Männern, rund 85 Prozent bei Frauen), damit zusammenhängender Verzweiflung, Apathie, Drogenkonsum und Kriminalität, ist auch die Feindseligkeit gegenüber dem Staat gestiegen.

Zudem leiden die Frauen unter der stark patriarchal geprägten beduinischen Gesellschaft – ihr Alltag ist oft von häuslicher Gewalt, fehlender Schul- oder Ausbildung und sozialer Abhängigkeit geprägt. Lakia setzt sich für die Bildung und das Empowerment von beduinischen Frauen und Mädchen ein. TDF zeigte sich immer wieder beeindruckt, wie scheinbar kleine, aber konsequent umgesetzte Maßnahmen eine große und nachhaltige Wirkung erzielen. Die beduinische Gesellschaft, insbesondere die dortige Geschlechterhierarchie, hat sich bereits gewandelt – nicht zuletzt, da die Frauen von Lakia seit vielen Jahren „drangeblieben“ sind und nicht aufgegeben haben. Wir danken allen mutigen Frauen von Lakia für die ausgesprochen engagierte, konstruktive und wirkungsvolle Zusammenarbeit der letzten 17 Jahre!

 

Türkei

YAKA-KOOP in Van, Türkei, ist eine unabhängige Frauenorganisation sowie eine Frauenberatungs- und Koordinationsstelle für Frauen. Gegründet wurde sie 2002 von 25 Frauen und ist die erste Frauenorganisation in Van (Ost-Türkei). Zielgruppe sind Frauen und Mädchen, die von Früh- und Zwangsverheiratung oder anderer geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen oder bedroht sind und in ökonomischer Abhängigkeit leben.

Die Hauptaufgaben von YAKA-KOOP liegen daher in der Aufklärungsarbeit zu Frauenrechten, Gewaltschutz, Familienplanung und Sexualität, in der Rechts-und psychologischen Beratung zu Früh- und Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der Ehre, in der rechtlichen Unterstützung bei Gerichtsverfahren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt und in Bildungsangeboten für Frauen und Mädchen.

In der 5-jährigen Kooperation mit TDF von 2015-2020 konnten zahlreiche gemeinsame Ziele verwirklicht werden, v.a. im Bereich der Verhinderung von Früh- und Zwangsehen und der Ahndung von Verbrechen im Namen der Ehre.

Besonderer Dank gilt den mutigen Frauen von YAKA-KOOP, insbesondere den Gründerinnen Gülmay Gümüshan und Sengül Dagtekin, die aus unserer Erfahrung buchstäblich ihr letztes Hemd für alle Frauen und Mädchen in Not gegeben haben.

Wir hoffen, dass sie auch in Zukunft finanzielle Unterstützung erfahren können und weitere KooperationspartnerInnen finden, denn ohne ihre Arbeit wäre die Frauenschutzsituation in Van eine andere.

 

Entwicklungspolitische Bildungsarbeit

Trotz einer zeitlichen Verschiebung aufgrund des Corona-Lockdowns konnte TDF von Ende September bis Ende November 2020 erfolgreich die Foto- und Infoausstellung „¡Ni una menos! – Weg aus der Gewalt“ über häusliche und sexualisierte Gewalt in Nicaragua und Deutschland präsentieren. Unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln fand die Vernissage am 24. September 2020 im Frauenzentrum Affidamento in Berlin-Neukölln mit rund 60 Gästen statt. Weitere 60 Interessierte besuchten die Ausstellung im Nachgang. Die ausgestellten Fotografien der nicaraguanischen Fotokünstlerin und feministischen Aktivistin Itzel Chavarría (Künstlername Lucero) zeigten Frauen, die die Angebote der TDF-Partnerorganisation MIRIAM in Managua und Estelí in Anspruch nehmen, um den Ausstieg aus der Gewalt zu schaffen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Ein kleiner Teil der Ausstellung zeigte die frauenrechtlichen Proteste rund um die politische Krise in Nicaragua seit April 2018. Dabei waren auch Aufnahmen des Fotografen Jorge Mejía Peralta zu sehen.

Ab 2021 wird die Ausstellung deutschlandweit verliehen. Wir bedanken uns herzlich beim Frauenhaus Affidamento für die Erlaubnis, ihre Räumlichkeiten zu nutzen, und beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, welches die Ausstellung im Rahmen eines Projekts zur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit finanziell unterstützt hat.

Eine besonders spannende Neuigkeit ist, dass TDF seit November 2020 ein frauenrechtliches, international ausgerichtetes Kartenspiel in Kooperation mit externen ExpertInnen entwickelt. Dabei steht die Auseinandersetzung mit den Themen Menschenrechte der Frau, Gleichberechtigung und Gewaltprävention im Vordergrund. Das Spiel soll über diese Themen informieren, sensibilisieren und zu eigenem entwicklungspolitischen Engagement anregen. Es wird in der ersten Jahreshälfte 2021 erscheinen und mit einer öffentlichen Veranstaltung in Umlauf gebracht werden. Menschen ab 15 Jahren aufwärts – mit oder ohne frauenrechtliche Vorkenntnisse – dürfen sich auf temporeiche Spielabende freuen!

 

Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising

Menschenrechtspreis für Rugiatu Turay / Sierra Leone

Preisträgerin Rugiatu Neneh Turay ist live aus Sierra Leone zugeschaltet. Foto: © Stadt EsslingenPreisträgerin Rugiatu Neneh Turay ist live aus Sierra Leone zugeschaltet. Foto: © Stadt EsslingenAm 24. Oktober 2020 wurde Rugiatu Turay, Gründerin und Leiterin der TDF-Partnerorganisation AIM in Sierra Leone, der Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen am Neckar verliehen. Rugiatu wurde für ihren langjährigen und unermüdlichen Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in Sierra Leone ausgezeichnet. Corona-bedingt konnte Rugiatu nicht nach Deutschland reisen, um den Preis persönlich entgegen zu nehmen, aber sie war bei der Preisverleihung online zugeschaltet. 100 Gäste verfolgten die bewegende Veranstaltung in Präsenz und weitere Hunderte den Live-Stream an ihren Bildschirmen.

Beryl Magoko, Regisseurin und Autorin des Dokumentarfilms „In Search“ über FGM in Kenia, gab in ihrer Laudatio einen Einblick in die Arbeit der 2003 von Rugiatu gegründeten Organisation AIM. Diese hat die Aufklärung über Frauenrechtsverletzungen, allen voran FGM, und deren Abschaffung zum Ziel – ein unerlässliches Ziel in einem Land, in dem immer noch 86 Prozent alle Frauen und Mädchen über 15 Jahre von dieser schweren Menschenrechtsverletzung betroffen sind und kein Gesetz sie davor schützt.

Besonders im Fokus stand das von AIM und TDF 2012 gemeinsam errichtete Schutzhaus, in dem Mädchen unterkommen, die von zu Hause fliehen, um einer Zwangsverstümmelung zu entgehen. Gewürdigt wurde zudem AIM’s neuester Ansatz des „ritual without cutting“, einem alternativen Initiationsritual am Übergang vom Mädchen- zum Frausein, bei dem alle traditionellen Zeremonie-Elemente beibehalten werden – außer FGM.

Rugiatu betonte in ihrer Rede, dass es letztlich nicht darum gehe, Traditionen oder afrikanische Identitäten zu verraten oder zu zerstören, sondern allein um die Frage, welche Welt und Zukunft sich Menschen in ihrem Land für Frauen und Mädchen wünschten. Sie selbst habe die Vision eines selbstbestimmten Lebens für Frauen und Mädchen, welches ihnen ermögliche, ihre Rechte durchzusetzen, die Gesellschaft mitzugestalten und Führungspositionen zu übernehmen.

 

Beeindruckende Spendenaktion für Sierra Leone

Die Abschlussklasse FSPM1 für angehende ErzieherInnen des Elisabeth-Lüders-Berufskollegs in Hamm hat trotz Corona alle Register gezogen und 2020 (erneut) eine beeindruckende Spendenaktion für das Mädchenschutzhaus der TDF-Partnerorganisation AIM in Sierra Leone auf die Beine gestellt. Wir danken allen OrganisatorInnen und den großzügigen SpenderInnen aus Hamm von ganzem Herzen!

Das Elisabeth-Lüders-Berufskolleg unterstützt das Mädchenschutzhaus in Sierra bereits seit 2016. In der Vergangenheit hat die Abschlussklasse zusammen mit ihrer Lehrkraft jedes Jahr einen Sponsorenlauf auf dem Schulgelände veranstaltet. Dieser war 2020 Pandemie-bedingt nicht möglich. Also ließen sich die SchülerInnen kurzerhand Kreatives für die Adventszeit einfallen.

Dazu gehörten der Verkauf von handgefertigten Tonarbeiten und die Organisation einer Tombola. Auch im Lehrerkollegium und Radio wurde zu freiwilligen Geldspenden aufgerufen.

Mit der stolzen Spendensumme von fast 9.500 Euro können den Mädchen im Schutzhaus nun lang ersehnte Fahrräder zur Verfügung gestellt werden. Diese sollen den oft sehr beschwerlichen Schulweg verkürzen. Fahrräder lassen ihnen auch mehr Zeit für Hausaufgaben und Freizeit am Nachmittag. Die restlichen Spenden kommen dem Unterhalt des Schutzhauses zugute.

 

TDF wachsam und aktiv gegen Angriffe auf Frauenrechte

Mit dem Aufschwung rechtspopulistischer Parteien erfahren die Diskriminierung von Frauen und Mädchen, die Rückbesinnung auf traditionelle Rollenbilder oder deren Verherrlichung sowie die Toleranz gegenüber geschlechtsspezifischer Gewalt neuen Aufwind. Während die Europäische Union die letzten Jahrzehnte kontinuierlich an ihren Geschlechter- und Gleichstellungspolitiken gearbeitet hat, und mit ihrer Gender-Mainstreaming Strategie mitunter als Vorreiterin in diesen Bereichen galt, hat sich in den letzten Jahren in ganz Europa eine Gegenbewegung formiert. Radikal rechte Parteien und Bewegungen konnten sich jüngst in zahlreichen europäischen Ländern, auch in Deutschland, profilieren. Europaweit versuchen rechtspopulistische Bewegungen, gegen Gender-Politiken und sexuelle Selbstbestimmung zu mobilisieren. Bereits hart erkämpfte Rechte, wie sexuelle Selbstbestimmung, werden in Frage gestellt und beschnitten. TDF beobachtet dieses beunruhigende Phänomen und wird mit ihrer Informations- und Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland und den Partnerländern, dieser Bewegung entgegenwirken. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, gerade in Zeiten zunehmender Krisen und gesundheitlicher Herausforderungen. Eines steht aber fest: TDF wird sich weiter unbeirrt für eine Welt einsetzen, in der Mädchen und Frauen gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei leben können.