„Ein Ehrenmord wäre nie in Frage gekommen“ – Die Geschichte von Adnan*

Für jugendliche Frauen ist die Auseinandersetzung mit ihren Rechten besonders wichtig. Foto: © YAKA-KOOPFür jugendliche Frauen ist die Auseinandersetzung mit ihren Rechten besonders wichtig. Foto: © YAKA-KOOP

Adnan sitzt gebeugt auf seinem Stuhl. Er wendet den Kopf zur Seite und schluckt. Seine Augen röten sich, eine Träne tropft zu Boden. Wir schweigen. Interviewpause. Zu schwer wiegt für den 42-Jährigen die Erinnerung, zu schmerzhaft drängt sich das Ohnmachtsgefühl wieder an die Oberfläche. Adnan wirkt gebrochen und ist doch ein Kämpfer. Seine Tochter wurde 2016 von einem Mann, der sich als „traditioneller Heiler“ ausgab und der Familie Gesundheit für ihr Kind versprach, vergewaltigt. Adnan hätte nie von dieser Tat erfahren, wenn sie nicht bei einer gynäkologischen Untersuchung ans Licht gekommen wäre. Heute ringt er mithilfe von YAKA-KOOP, der TDF-Partnerorganisation in der Türkei, um Gerechtigkeit für seine Tochter und die Rückkehr in ein normales Leben.

 

Adnan lebt im ostanatolischen Van. Er ist neunfacher Familienvater. Sein ältestes Kind ist 24 Jahre alt, sein jüngstes gerade mal dreieinhalb. Drei seiner Kinder sind geistig behindert, so auch Nesrin, die gerade 16 geworden ist. Nesrin leidet seit ihrer Kindheit an einem Mangel an weißen Blutkörperchen. Regelmäßig blutet sie aus Nase und Vagina. Ihre Eltern suchen seit Jahren ärztlichen Rat, ohne Erfolg. Der einzige Lichtblick: die Blutungen können im Krankenhaus gestoppt werden, wenn sie zu stark werden. Eine dauerhafte Besserung oder gar Heilung scheinen aber nicht in Aussicht. Adnan ist verzweifelt, probiert alternative Heilmethoden aus und stößt schließlich auf die Zeitungsanzeige eines „traditionellen Heilers“, der Behandlungserfolg in über 90 Prozent der Fälle verspricht.

 

*Alle Namen wurden geändert.

 

 

Stand: 08/2018