Projekt „Selbstbestimmung durch Bildung“ bei den Mafa in Nordkamerun - Projektreise von Godula Kosack nach Kamerun - Februar/März 2018

TDF-Vorstandsfrau Godula Kosack im Büro der AAFMHL. Foto: © Jürgen Kunze.TDF-Vorstandsfrau Godula Kosack im Büro der AAFMHL.
Foto: © Jürgen Kunze.
TERRE DES FEMMES-Vorstandsfrau Godula Kosack bereiste im Frühjahr den Norden Kameruns, um unsere Partnerorganisation AAFMHL zu besuchen, die dort tätigen Frauen zu unterstützen und sich einen Eindruck von der aktuellen Lage zu verschaffen.

"Wenn es nach den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gegangen wäre, hätte ich diese Reise in das Projektgebiet in Nordkamerun nicht antreten dürfen. Denn die Gegend wird durch die Terror-Miliz Boko Haram heimgesucht. Brandschatzungen, Morde und Entführungen haben nur 30 Kilometer von meinem Domizil auch während der Zeit meines Aufenthaltes stattgefunden.

Als Ethnologin bin ich seit 1985 in dem Projektgebiet tätig, und seit 2012 unterstützt TDF das Projekt „Selbstbestimmung durch Bildung“. Mädchen, die sonst keine Möglichkeit haben, in die Schule zu gehen oder eine Ausbildung zu machen, bekommen ein Stipendium.

Erster Projektbesuch nach fünf Jahren

Fluechtlingskinder. Foto:© Jürgen Kunze.Flüchtlingskinder. Foto: © Jürgen Kunze.Mein letzter Besuch im Projektgebiet, dem Mafa-Land in Nordkamerun, war im Jahre 2013. Damals begannen die Übergriffe der Terrormiliz Boko Haram von Nigeria auf Kameruner Gebiet überzugehen. Von der Entführung einer französischen Familie aus dem Waza-Park etwa 140 km nordöstlich vom Projektgebiet, erfuhr ich aus der Zeitung im Flugzeug. Dennoch plante ich für das Jahr 2014 eine weitere Projektreise. Die musste aber dann storniert werden. Mittlerweile hatte Boko Haram den gesamten Norden Nordkameruns unsicher gemacht. Entführungen, Brandschatzungen, Vertreibungen der Bevölkerung wurden immer häufiger. Boko Haram strebte danach, den gesamten südlichen Tschadseeraum zu einem islamischen Gottesstaat zu machen. Zu ihrer Ideologie gehört auch die Ablehnung westlicher Bildung, zumal der von Frauen. Es kam in Nordkamerun zu Übergriffen auf Schulen, andere Schulen wurden aus Angst geschlossen. Die Schulen, in die die vom Projekt unterstützten Mädchen gehen, liegen in den Mandara-Bergen. Die Boko Haram Milizen, die in der Regel von fahrenden Mofas aus mit Maschinengewehren schossen oder Brandbomben warfen, gelangten dorthin  nicht so ohne Weiteres. Es kam zu weiteren Entführungen von EuropäerInnen, und alle im Norden Kameruns lebenden Europäer wurden dringend aufgefordert, den Norden des Landes zu verlassen. Um mich selbst und unsere ProjektpartnerInnen, die ja die Mädchenbildung fördern und damit einen Angriffsgrund liefern, nicht in Gefahr zu bringen, konnte ich fortan die Ereignisse nur aus der Ferne verfolgen.

Obwohl das Projektgebiet nicht unmittelbar von Boko Haram-Kämpfern angegriffen wurde, war die Bevölkerung insofern betroffen, als Flüchtlinge sowohl aus Nigeria, als auch aus dem nördlichen Kamerun in den Bergen Schutz suchten. Sie waren um ihr nacktes Leben gelaufen. Ganze Familien wurden von ortsansässigen Familien aufgenommen. Die ohnehin knappe Hirse musste gestreckt werden.

 

Notwendigkeit einer Projektreise

EFA Schülerinnen. Foto: © Jürgen Kunze.EFA Schülerinnen. Foto: © Jürgen Kunze.Fünf Jahre lang hatte ich keine Gelegenheit, mit unseren ProjektpartnerInnen und auch mit den geförderten Schülerinnen persönlich zu sprechen. Zwar hatte ich telefonisch und per E-Mail regelmäßigen Kontakt, aber das ersetzt nicht den direkten Austausch. Es ist sehr wichtig, den ProjektpartnerInnen zu vermitteln, was TDF von ihnen für eine gelungene Projektunterstützung braucht. So habe ich betont, dass für die Spendenwerbung Informationen nötig sind, die über die Projektabrechnung hinaus gehen. Mögliche SpenderInnen wollen wissen, wer von dem Projekt begünstigt wird und welche Erfolge erzielt werden können. Wer sind diese Mädchen, deren Eltern nicht in der Lage sind, die Kosten für den Schulbesuch aufzubringen, was motiviert sie, in die Schule zu gehen, und welche Zukunftsvisionen haben sie. In knappen E-Mails und kurzen Telefongesprächen mit den Projektverantwortlichen können wir zwar unsere Anliegen vorbringen, aber nicht ausführlich erklären. Auch ist es wichtig, durch meine Gegenwart vor Ort zu verdeutlichen, wie sehr uns der Erfolg des Projektes am Herzen liegt. Umgekehrt kann das Projekt in Deutschland ganz anders beworben werden, wenn eigene Erlebnisse und Erfahrungen mit den ProjektpartnerInnen in die Berichte einfließen können. Aus diesen beiden Gründen war eine Reise in das Projektgebiet dringend erforderlich.

 

 

Voraussetzungen für die Projektreise

Rundhäuser als Unterkunft für Flüchtlinge. Foto: © Jürgen KunzeRundhäuser als Unterkunft für Flüchtlinge. Foto: © Jürgen KunzeFür den Norden Kameruns gilt immer noch eine dringende Reisewarnung vom Auswärtigen Amt. Aber ich fragte unsere Freunde in Nordkamerun, ob sie eine Reise befürworten würden. Im Dorf Guzda lebt ein Parlamentsabgeordneter, für den – nach mehreren Entführungen ranghoher Politiker – besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten, solange er sich im Norden aufhält. Unter seinem Schutz, so bestätigte das auch die lokale Sicherheitsbehörde, könnte ichmich kurzfristig im Dorf aufhalten. Ich fand das Haus, in dem ich seit 1985 lebe, wenn ich mich für Forschungszwecke oder für die Projektarbeit dort aufhalte, im bestmöglichen Zustand vor.Auf dem Hof leben seit 2015 in zwei kleinen Rundhäusern zwei Flüchtlingsfamilien, aber das relativ große rechteckige Haus wurde für mich erhalten. Fünf Jahre lang wurde nach jedem der vehementen tropischen Regengüsse kontrolliert, was der Sturm angerichtet hat und die notwendigen Reparaturen vorgenommen. Regelmäßig mussten die Balken gegen Termiten geschützt werden. Fünf Jahre lang wurde das Haus folglich gepflegt, immer in der Hoffnung, dass ich wieder das Dorf besuchen käme. Ich wurde also von all unseren Freunden erwartet – und das Wiedersehen war bewegend. Auch mein Lebenspartner, der mich begleitete und die Projektreise bildlich dokumentierte, wurde herzlich aufgenommen.

Die Route:

Route im Projektgebiet - Für eine größere Ansicht bitte klicken.

 

Programm der Projektreise

Treffen mit Arbeitsminister in Yaoundé

Berufsfachschule CETIC. Foto: © Jürgen KunzeBerufsfachschule CETIC. Foto: © Jürgen KunzeAm 20.2.2018 hatte ich ein Gespräch mit dem Arbeitsminister der Republik Kamerun, Zacharie Perevet. Er ist Mafa und kommt aus Makandai, wo sich die Berufsfachschule für Technik und Handel CETIC (Collège d'Enseignement Technique et Commercial) befindet, die die von TDF geförderten Mädchen besuchen. Er hat in den letzten Jahren privat Mittel für den Bau von Klassenräumen zur Verfügung gestellt. Ich erläuterte die Zielsetzung des TDF-Kooperationsprojekts und die Art und Weise, wie in Deutschland Spenden eingeworben und an die Partnerorganisation weitergeleitet werden. Auch fand ich ein offenes Ohr für meine Besorgnis über die hohe Arbeitslosigkeit der jungen Leute im Norden.

 

 

Besuch der Landwirtschaftsschule in Mazai

Landwirtschaftsschule EFA. Foto: © Jürgen KunzeLandwirtschaftsschule EFA. Foto: © Jürgen KunzeAm 23.2.2018 besichtigte ich das stattliche Gebäude der Landwirtschaftsschule EFA (Ecole Familiale Agricole) in Mazai, das im Jahre 2014 mit Finanzierungsmitteln des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Spenden von TDF errichtet worden war. EFA bietet jungen Menschen mit bäuerlichem Hintergrund, die keine Gelegenheit hatten, regulär die Schule zu absolvieren, eine alternative Ausbildung. Zurzeit besuchen 39 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren die Landwirtschaftsschule. Nach drei Jahren erhalten sie ein Diplom. Auf dieser Grundlage bauen sie sich ein kleines Unternehmen zu Hause auf oder gehen zu einer weiterführenden Landwirtschaftsschule.

Das Gebäude hat keinen Strom, daher kann die zusätzlich vorgesehene Informatikausbildung nicht stattfinden. Es wird nach einer Geberorganisation gesucht, um eine solarbetriebene Stromversorgung einzurichten, wie sie sich andernorts im Norden Kameruns bereits bewährt hat.

 

Versammlung der TDF-Partnerorganisation und der Eltern der unterstützten Schülerinnen in M’lay

Elternversammlung. Foto: © Jürgen KunzeElternversammlung. Foto: © Jürgen KunzeIn der Grundschule von M’lay fand am 24.2.2018 eine Vereins- und Elternversammlung statt. Der Klassenraum war voll: schätzungsweise 50 Frauen und Männer drückten sich in die engen Schulbänke. Endlich hatte ich Gelegenheit, zu erklären, wie in Deutschland für das Projekt geworben wird, dass nämlich das Geld, das den Mädchen den Schulbesuch ermöglicht, nicht einfach „da“ ist oder von einer Bank abgehoben werden kann, sondern durch Spenden eingeworben werden muss. Dafür ist es wichtig, so erläuterte ich, Informationen über die Hintergründe der Lage der Mädchen in Nordkamerun zu bekommen, und zu verstehen, welche Bedeutung es hat, diesen Mädchen die Gelegenheit zum Schulbesuch zu geben. Uns und die SpenderInnen interessieren also ihre soziale Situation, Motivation und Leistung, die wir in Form von Berichten brauchen. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation AAFMHL unverzichtbar. Diese sieht so aus, dass die AAFMHL in regem Austausch mit uns steht, Vereinsversammlungen abhält und die Mittel sorgfältig abrechnet. Denn wir sind sowohl den SpenderInnen als auch dem deutschen Finanzamt gegenüber rechenschaftspflichtig. Unregelmäßigkeiten können die Gemeinnützigkeit des Vereins und damit das Projekt als Ganzes gefährden. Meine Ausführungen wurden mit Interesse verfolgt.

Zitate von der Versammlung

Frauen aus M'lay tanzen. Foto: © Jürgen KunzeFrauen aus M'lay tanzen. Foto: © Jürgen KunzeDie Anwesenden wurden um Stellungnahmen gebeten. Ich zitiere vier Frauen und einen Mann:

  1. Frau: „Ich sehe die Notwendigkeit des Projekts. Seit bereits drei Jahren hat mein Mann keine Kraft mehr, um in die Stadt zu gehen, dort Säcke zu schleppen und Geld zu verdienen. Dass der Verein sich meiner Tochter angenommen hat, hat mir sehr geholfen. Ich sehe die Wohltat dieses Vereins, und ich drücke Ihnen hiermit meine große Dankbarkeit aus.“
  2. Frau (siehe Foto): „Ich habe zwei Nichten, die sind Waisen. Sehen Sie mich an, ich bin schon alt. Auch mein Mann ist alt. Wir wären nicht in der Lage, diese Mädchen in die Schule gehen zu lassen, denn uns fehlt das Geld. Ehe es den Verein gab, ist die Älteste fortgegangen, um zu heiraten. Jetzt kann wenigstens die Jüngere in die Schule gehen. Ich bin wirklich sehr glücklich über dieses Projekt, das unserer Familie hilft.“
  3. Frau: „Ich bin Witwe. Mein Mann ist schon lange verstorben. Ich habe sieben Kinder zu versorgen. Der Verein hat die Bedürftigkeit meiner Kinder erkannt und ist mir zu Hilfe gekommen. Zwei meiner Töchter können jetzt weiterhin die Schule besuchen. Was würden meine Töchter ohne diesen Verein jetzt tun? Dieser Verein ist weder unser Vater noch unsere Mutter. Aber Ihr kommt einfach, um uns mit der Schule zu helfen. Mir fehlen die Worte um auszudrücken, wie groß meine Freude darüber ist.“
  4. Frau: „Ich bedanke mich. Ich habe sechs Kinder, die ich allein versorgen muss. Da hat kein einziges die Chance in die Schule zu gehen. Meine Tochter heißt Kudadi Hele. Dank Euch geht sie jetzt in die zweite Klasse in Makandai (Berufsfachschule). Und ich sehe, dass meine Tochter mit den Studien vorankommt. Ich werde hinter meiner Tochter her sein und ihr sagen, was Sie uns berichtet haben, damit sie sich weiter bemüht. Ich zähle auf Sie!“

Ein Mann: Es gab früher keine Mädchen aus unseren Dörfern, die die Schule bis zum Abitur besucht hätten und zur Universität gegangen wären. Wirklich, das hat es hier in der Gegend noch nicht gegeben! Durch das Projekt haben wir jetzt eine Tochter an der Universität, andere Töchter gehen schon in die letzte Klasse. Dafür sage ich Ihnen ‚Danke!‘, danke für die Unterstützung, die Sie uns zukommen lassen.“

Das Zusammentreffen wurde mit einer Kalebasse Hirsebier besiegelt und mit Tanz gefeiert, zu dem die Frauen trommelten und sangen.

 

 

Treffen mit projektgeförderten Schülerinnen in Guzda

Schülerinnenversammlung. Foto: © Jürgen KunzeSchülerinnenversammlung. Foto: © Jürgen KunzeAm 25.2.2018 kamen die projektgeförderten Mädchen zu uns nach Guzda. Sie setzten sich auf Baumstämme im Hof unseres Hauses. Die Zeit reichte nicht aus, um einzelne Interviews zu führen. Ich erläuterte auch ihnen, wie die Mittel für ihr Schulgeld eingeworben werden, und warum wir dafür ihre Mitarbeit in Form von Motivations- und Ergebnisberichten am Jahresende brauchen. Die Frage, was sie selber für Wünsche haben, beantwortete eine Schülerin damit, dass es ein Problem sei, dass sie zu Hause keinen Strom hätten und deshalb nach Anbruch der Dunkelheit (im Sommer wie Winter gegen 18 h bis 18:30 h) keine Hausaufgaben mehr machen könnten. Da die Mädchen nach der Schule in der Regel im Haus und im Sommer auf dem Feld arbeiten müssen, kommen sie kaum dazu, etwas für die Schule zu tun. Wir versprachen, dieses Problem zu überdenken. Vorstellbar ist, sie mit Solarenergie betriebenen Lampen auszurüsten, die es vor Ort zu kaufen gibt.

Aus den Bergdörfern Huva und M’lay waren Frauen gekommen und schenkten uns zum Dank für unser Engagement Erdnüsse, Sesam, Eier und ein Huhn.

 

Besuch des Büros der TDF-Partnerorganisation in Mokolo

Am 27.2.2018 besuchte ich das im Jahr 2017 neu eingerichtete Vereinsbüro unserer Partnerorganisation AAFMHL, das jeweils zur Hälfte aus Mitteln der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft (DAFRIG) Leipzig und von TDF finanziert worden war. Mokolo ist die Kreisstadt, zu der die Dörfer M’lay, Huva und Ldama gehören, aus denen die geförderten Mädchen kommen. Der Projektkoordinator Daniel Paoulai, die Schatzmeisterin Jacqueline Paoulai und die Honorarkraft Jacqueline Kalaza zeigten mir die Räume (ein Arbeitszimmer und eine Abstellkammer).

Das Büro verfügt mit einem Schreibtisch, drei Stühlen, einem Laptop, einem Drucker/Scanner und einem Spannungsregler über eine Grundausstattung. Der in Mokolo wohnhafte  technische Berater Ayanga Raphael führte uns vor, dass der Internetanschluss funktioniert. Ich rief die TDF-und DAFRIG-Webseiten auf und zeigte die Projektinformationen, die jeweils online stehen. Wir besprachen die Notwendigkeit weiterer Anschaffungen.

Besuch der Berufsfachschule CETIC für Technik und Handel in Makandai                                  

CETIC Schülerinnen in Uniform. Foto: © Jürgen KunzeCETIC Schülerinnen in Uniform. Foto: © Jürgen KunzeAm 26.2.2018 besuchte ich die Berufs- und Handelsfachschule in Makandai. Dorthin gehen die 18 aktuell von TDF unterstützten Schülerinnen. Der Direktor der Schule war krankheitsbedingt nicht anwesend. Aber zwei Lehrkräfte führten uns durch die Örtlichkeiten und gaben bereitwillig auf alle Fragen Auskunft.

Die Schule wurde seit 2013 um mehrere Gebäude erweitert. Sie verfügt regelmäßig über Strom und auch einige Computer, ist im Ganzen aber mit nur wenigen Lernmitteln ausgestattet.

Die Ausbildung dauert vier Jahre und wird in drei Fächern angeboten:

  • Elektrohandwerk: 42 Schüler (alle männl.),
  • Maurerhandwerk: 63 Schüler (alle männl.),
  • Bürowesen (Employé du service comptable): 110 Schüler (15 männl. und 95 weibl.)

Die insgesamt 215 SchülerInnen werden von 13 Lehrkräften unterrichtet: sechs ausgebildete Lehrer und sieben Hilfskräfte. Außerdem gibt es drei Verwaltungskräfte. Allerdings sind nicht alle Angestellten Vollzeitkräfte.

Alle von TDF geförderten Mädchen besuchen also den dritten und größten Ausbildungszweig Bürowesen. Ihr Ziel ist, im Anschluss an die Schule an einer weiterführenden Bildungsmaßnahme teilzunehmen, entweder das technische Gymnasium in Mokolo zu besuchen oder eine Bürolehre zu machen.

Überfälle durch Boko Haram in der Nähe des Projektgebiets

Während meines Aufenthaltes im Norden Kameruns gab es erneut Überfälle durch die Boko Haram Miliz. Die Nachricht von der Entführung von 110 Schülerinnen aus Dapchi in Nordnigeria drang bis in das Dorf Guzda vor, in dem ich mein Haus habe. Ferner wurden auf Kameruner Seite drei Dörfer und ein Stadtteil von Moskota, etwa 30 km nördlich von Guzda, überfallen und Brandbomben gelegt. Es gab sieben Tote und sechs junge Frauen und Männer wurden entführt. Das löste einen erneuten Flüchtlingsstrom aus. Wer dazu in der Lage war, schnallte seinen Hirsevorrat, die Schlafmatten und den sonstigen Hausrat auf ein Moped, auf dem außerdem noch die Frau und zwei bis drei Kinder Platz finden musste. Der Weg der Flüchtlinge führte unmittelbar an meinem Haus vorbei über die Berge in ein Flüchtlingslager in der Nähe von Mokolo. Ich sah, wie sie sich abmühten und die Mofas immer wieder geschoben werden mussten.

Vorzeitige Rückfahrt aus Sicherheitsgründen

Da der o.g. Parlamentsabgeordnete zu einer Plenarsitzung nach Yaoundé gerufen wurde, musste ich gemeinsam mit ihm am 1.3.2018 das Dorf verlassen. Wir fanden in der Provinzhauptstadt Maroua  in einem kleinen Hotel ein Zimmer, in dem uns niemand vermuten konnte, da dort nicht der Komfort besteht, den Europäer sonst in einem afrikanischen Hotel suchen. Mir war nahe gelegt worden, kein öffentliches Taxi zu nehmen, sondern nur mit dem Chauffeur und dem Auto des Abgeordneten zu fahren, um das Risiko einer Geiselnahme zu vermeiden. In der ganzen Stadt waren – mit Ausnahme eines von einem Deutschen geführten Hotels, in dem ich zwei Asiaten und zwei europäische Frauen gesehen hatte – keine Weißen zu finden. Ich musste also auffallen. Deshalb buchteich auch einen früheren Rückflug in den Süden.

Treffen mit Universitätsdekanin in Maroua

Am 2.3.2018 hatte ich Gelegenheit, ein Gespräch mit der Dekanin der Fremdsprachenabteilung und Gleichstellungsbeauftragten der Universität Maroua, Massouo Bale Jacqueline, zu führen. Sie hatte gehört, dass ich mich für die Mädchenbildung im Norden Kameruns einsetze und wollte mir dafür danken, dass nunmehr eine Studentin aus den Mandara-Bergen in ihrem Fachbereich (Sprachwissenschaften) studiert. Sie äußerte den Wunsch nach weiterer Zusammenarbeit.

Fazit

Geförderte Schülerinnen. Foto: © Jürgen KunzeGeförderte Schülerinnen. Foto: © Jürgen KunzeEs bleibt nur noch zu betonen, dass diese längst überfällige Projektreise ein riesiger Erfolg war. Ich konnte die Projektorte (die verschiedenen Schulen, das Büro) besuchen und das Engagement unserer Partnerorganisation erleben. Auch hatte ich Gelegenheit, über die Arbeit von TDF zu berichten und zu erläutern, wie für das Projekt Mittel eingeworben werden. Meine langjährige Freundschaft mit der Bevölkerung der Dörfer, aus denen die vom Projekt geförderten Schülerinnen kommen, hat sich insofern als großes Plus für die Projektarbeit erwiesen, als große Anstrengungen ihrerseits unternommen worden waren, diese Projektreise zu ermöglichen. In den Versammlungen und in einzelnen Gesprächen wurde immer wieder hervorgehoben, dass durch dieses Projekt die (Aus)bildung der Mädchen bei der gesamten Bevölkerung (auch bei den Männern) einen hohen Stellenwert erhalten hat. Insgesamt werden mittlerweile viel mehr Mädchen in die Schule geschickt. In der Grundschule machen sie schon fast die Hälfte der Lernenden aus, während es vor fünf Jahren gerade mal 30 Prozent waren. Immer wieder wird betont, dass es gut ist für die Mädchen, in die Schule zu gehen, weil sie dann nicht gezwungen sind zu heiraten. Denn in der Mafa-Gesellschaft ist es immer noch üblich, dass Töchter im Alter von 13 bis 15 Jahren für einen Brautpreis verheiratet werden. Dies ändert sich nun langsam.

Am 26.3.18 schrieb mir der Projektkoordinator Daniel Paoulai:

„Ich darf nicht vergessen, zu erwähnen, dass viele Frauen aus M’lay, Huva und Ldama zu mir gekommen sind, um Euch für Euren Einsatz für die Mädchen zu danken. Sie haben mir versprochen, uns bei der Erziehung der Mädchen zu unterstützen und noch mehr Mädchen in die Schule zu schicken. Dadurch sollen die Mädchen genau so selbstbestimmt werden wie die Jungen.“

 

Stand: 04/2018