Trauriger Jahrestag - Vergewaltigung in Delhi

AGedenkveranstaltung in Delhi. Foto: © Rohit GoyalGedenkveranstaltung in Delhi. Foto: © Rohit Goyalm 16. Dezember 2012 entwenden sechs Männer in Indien’s Hauptstadt Delhi einen leeren Bus und nehmen die Physiotherapiestudentin Jyoti Singh und ihren Freund an Bord. Das junge Paar will nach einem abendlichen Kinobesuch nach Hause fahren. Die Männer fallen während der Fahrt über das Paar her und schlagen den Freund von Jyoti Singh zusammen, bevor sie die junge Frau abwechselnd brutal vergewaltigen und mit einer Eisenstange penetrieren. Nach der Tat lassen die Männer die schwer verletzten Opfer am Straßenrand liegen. Der Freund von Jyoti Singh überlebt knapp, die Studentin stirbt am 29. Dezember 2012 an ihren schweren Verletzungen.

Nach Bekanntwerden der Tat geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung – vor Regierungsgebäuden in ganz Indien kommt es zu öffentlichen Protesten. In Kalkutta nehmen Tausende an einem Schweigemarsch teil. Entsetzte Bürgerinnen und Bürger fordern einen schnellen Prozess gegen die Vergewaltiger. Die Polizei verhaftet daraufhin sechs mutmaßliche Täter, einer von ihnen ist noch minderjährig. Vor einem Schnellgericht in Delhi beginnt Anfang Februar 2013 der Prozess. Die Angeklagten plädieren auf nicht schuldig. Der mutmaßliche Haupttäter erhängt sich noch vor Urteilsverkündung in seiner Gefängniszelle.

Der minderjährige Täter erhält die Höchststrafe von drei Jahren Jugendarrest. Er kommt Ende 2015 frei, steht unter Personenschutz und hat eine neue Identität angenommen. Die vier erwachsenen Täter im Alter zwischen 19 und 26 Jahren werden zum Tod durch Erhängen verurteilt. Alle Täter legen Berufung ein. Der oberste Gerichtshof hat noch keine Entscheidung gefällt, die Vollstreckung der Strafe wird ausgesetzt.

Der britische Dokumentarfilm „India’s Daughter“ von Leslie Udween rekonstruiert die Ereignisse der Tatnacht und lässt u.a. die Täter zu Wort kommen. Erschreckend ist die Reuelosigkeit, mit der die Täter die Vergewaltigung rechtfertigen. In ihren Augen trägt das Opfer selbst die Schuld. Die indische Regierung erwirkt gegen die Ausstrahlung des Films ein gerichtliches Verbot – er verstärke den Hass gegen Frauen, da den Tätern ein öffentliches Forum geboten werde. Der britische Fernsehsender BBC wird unter Druck gesetzt und zeigt den Film doch: Udween bilde die Realität ab, ohne sie zu bewerten.

Lesen Sie wie sicher sich Frauen in Indien heute fühlen können. Unsere Partnerorganisation erzählt im Interview, was sich seit 2012 am Sexualstrafrecht geändert hat, wie Frauen in Hyderabad vor Gewalt geschützt werden und warum gesellschaftliches Umdenken zu Hause beginnt.

TERRE DES FEMMES unterstützt seit 2006 Frauenorganisationen in Indien in Kooperation mit der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. (ASW). Unsere Partnerorganisation BHUMIKA ist im südindischen Hyderabad tätig. Bereits 1993 gegründet gab sie zunächst ein Magazin über Frauenrechte heraus. Später kamen Hilfsaktionen gegen häusliche und sexualisierte Gewalt hinzu. 2006 startete BHUMIKA eine Beratungshotline für Mädchen und Frauen in Not – damals die erste und einzige in der Großstadt Hyderabad. Die Organisation veranstaltet auch Seminare für PolizistInnen, RichterInnen und AnwältInnen, um sie für das Thema Frauenrechte zu sensibilisieren. Außerdem betreibt BHUMIKA Lobbyarbeit auf politischer Ebene, um den Gewaltschutz von Mädchen und Frauen zu verbessern. Der Bundesstaat Telangana, in dem Hyderabad liegt, greift für Beratung und Ausbildung oft auf die Expertise von BHUMIKA zurück.