„TAKING THE LEAD“ - Mädchen weltweit auf dem Weg in die Führungsetagen

Potentielle zukünftige Führungsfrauen aus Sierra Leone. Foto: © TERRE DES FEMMESPotentielle zukünftige Führungsfrauen aus Sierra Leone. Foto: © TERRE DES FEMMESStudie von PLAN International macht Hoffnung. Trotzdem bleibt Handlungsbedarf!

Eine neue Studie des Kinderhilfswerks Plan International hat untersucht, wie Mädchen und junge Frauen zu Führungsverantwortung im Beruf stehen und was eine gute Führungskraft braucht. Über 10 000 Befragte aus 19 Herkunftsländern gaben einen Einblick in Lebensalltag, Visionen und Einstellungen weiblicher Heranwachsender. Das Ergebnis: Mädchen kennen ihre Stärken und wollen an die Spitze. Sie wissen aber auch, was sie zurückhält.

 

 

Mädchen wollen in die Führungsetagen

Die Studie „Taking the Lead“ ergab: 59 Prozent der Befragten sehen sich in ihrer idealen beruflichen Zukunft in einer Leitungsposition. Insbesondere Mädchen aus bildungsstarken Familien streben eine Karriere, d.h. beruflichen Aufstieg, an. 67 Prozent der Befragten, die zur Führungskraft werden wollen, haben einen Hochschulabschluss oder sind auf dem Weg dorthin.

Auch an Selbstvertrauen mangelt es den Teilnehmerinnen nicht: 62 Prozent sind zuversichtlich eine Führungsrolle gut oder sehr gut ausüben zu können. Doch wie definieren Mädchen und junge Frauen Leitung?

 

Charakteristika einer guten Führungsfrau

Starke junge Frauen aus Bulgarien, die am Projekt FLORIKA teilgenommen haben und jetzt ihren eigenen Weg gehen. Foto: © TERRE DES FEMMESStarke junge Frauen aus Bulgarien, die am Projekt FLORIKA teilgenommen haben und jetzt ihren eigenen Weg gehen. Foto: © TERRE DES FEMMESIn qualitativen Gruppeninterviews diskutierten Mädchen aus der Dominikanischen Republik, aus Indien, Japan, Senegal und aus dem Süd-Sudan Eigenschaften und Charakteristika, die Führungspersonen mitbringen sollten. Eine gute Führungsfrau sei wortgewandt, freundlich, einfühlsam und teilnahmsvoll. Sie mache sich für die Rechte von Frauen stark. Sie denke an die Gemeinschaft und fördere progressiven Wandel. Die Visionen der Mädchen sind nicht frei von gesellschaftlichen Normvorstellungen. So wurde es im Sudan, in Indien und in der Dominikanischen Republik als besonders wichtig angesehen, dass Frauen in Führungspositionen sich angemessen kleideten, um die Aufmerksamkeit von ihrem Äußeren abzulenken.

 

 

Diskriminierung bremst Frauen aus

Mafa-Mädchen aus Kamerun mit ihren Schulzeugnissen. Foto: © Jürgen KunzeMafa-Mädchen aus Kamerun mit ihren Schulzeugnissen. Foto: © Jürgen KunzeDie Motivation von Frauen, Führungspositionen zu übernehmen, ist vor allem in jungen Jahren hoch. Dass diese Ambitionen mit zunehmendem Alter nachlassen, begründet die Studie mit alltäglichen Diskriminierungserfahrungen, die Frauen ausbremsen.

Tatsächlich sind 60 Prozent aller Befragten der Meinung, Frauen in Führungspositionen müssten sich Respekt härter erkämpfen als Männer. Studienteilnehmerinnen aller Altersgruppen bestätigen zu 94 Prozent, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts schlechter behandelt würden. 93 Prozent rechneten damit, dass Frauen in ihrer Karriere Erfahrungen mit Belästigungen am Arbeitsplatz machen müssten.

85 Prozent der Befragten haben in ihrem Leben bereits Leitungserfahrungen gesammelt. Mädchen aus sozial besser gestellten Familien greifen dabei auf einen größeren Erfahrungsschatz zurück als solche aus sozial benachteiligten Milieus. Ein Viertel der Befragten gab an, bereits mehrmals in einer Führungsposition tätig gewesen zu sein. Mit zunehmender Erfahrung häuften sich allerdings auch die Berichte über erlebte Diskriminierung.

 

Förderbedarf

Schul-Stipendiatinnen des TDF-Kooperationsprojekts aus Kamerun. Foto: © Jürgen KunzeSchul-Stipendiatinnen des TDF-Kooperationsprojekts aus Kamerun. Foto: © Jürgen KunzeNeben Erfolgshindernissen widmete sich die Studie aber auch der Förderung, die sich junge Frauen optimalerweise wünschen. Ein zentrales Element stellt die Unterstützung der eigenen Familie dar, am besten schon von klein auf. Weibliche Vorbilder in der Familie oder Gemeinschaft inspirierten junge Mädchen und steigerten ihren Ehrgeiz.

Zusammenfassend bringt Plan International vier Vorschläge zur Förderung junger Frauen wie folgt auf den Punkt:

  1. Junge Frauen brauchen ein Netzwerk, das ihren Ehrgeiz fördert und geschlechtsspezifischen Vorurteile offen entgegentritt.
  2. Das Verständnis von guter Führung muss sich wandeln.
  3. Sexismus und Diskriminierung müssen konsequent bekämpft werden.
  4. Frauen müssen gezielt in Führungskompetenzen geschult werden.

 

Internationale TDF-Projekte für Mädchen

Bildung als Wegbereiter für Empowerment und Entwicklung. Foto: © Juliane v. KrauseBildung als Wegbereiter für Empowerment und Entwicklung. Foto: © Juliane v. KrauseTERRE DES FEMMES (TDF) setzt sich als international solidarische Hilfsorganisation z.B. in Kamerun für die Bildung junger Mafa-Mädchen ein, vergibt Schul- und Ausbildungsstipendien nach den Kriterien der Bedürftigkeit und guten schulischen Leistungen, und unterstützt Schulen, die v.a. von Mädchen besucht werden. In Sierra Leone kämpft TDF gemeinsam mit ihrer lokalen Partnerorganisation für ein Ende der weiblichen Genitalverstümmelung und betreibt ein Schutzhaus für von geschlechtsspezifischer Gewalt bedrohte Mädchen. Der Schwerpunkt der Kooperationsarbeit in Bulgarien liegt auf der Prävention von Prostitution und Mädchenhandel. Roma-Mädchen aus der Stadt Burgas können an Freizeitangeboten und Ausbildungskursen teilnehmen, die sie von der Straße und zweifelhaften Offerten wegbringen und in ihrem Selbstbewusstsein stärken.

Ziel der Arbeit von TDF ist in allen Fällen, Mädchen ein unversehrtes, selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen, damit sie unbeschwert die Führungsetagen in ihren Ländern erobern können. Unterstützen Sie jetzt die wichtige Arbeit von TDF zum Schutz und zur Stärkung von Mädchen weltweit!

 

Stand: 12/2019