Studie beweist: Strukturelle Benachteiligung betrifft Frauen weltweit

Ein Armutszeugnis für die Welt im 21. Jahrhundert – so könnte das Fazit aus der jüngsten Studie von Equal Measures 2030 lauten.

EM 2030 beschäftigt sich als unabhängiger Zusammenschluss aus Zivilgesellschaft und Privatsektor, dem u. a. African Women’s Development and Communication Network (FEMNET), die Bill & Melinda Gates Stiftung, KPMG International und andere führende regionale wie globale Organisationen angehören, mit der Gleichstellung der Geschlechter weltweit. Um diese messbar zu machen, hat EM 2030 in ihrer Studie den Fortschritt von 129 Ländern bei der Umsetzung der 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDGs) untersucht.

Mit SDG 5 wurde zwar die „Geschlechtergleichstellung und Selbstbestimmung von Frauen und Mädchen“ als eigenes Ziel festgesetzt, die Studie zeigt aber, dass Geschlecht auch in anderen Bereichen eine Rolle spielt, da Frauen z.B. häufiger von Gewalt oder extremer Armut betroffen sind. Für die Vergleichbarkeit der Ergebnisse entwickelte EM 2030 einen Index von 0 bis 100, wobei 100 für die vollständige Gleichstellung der Geschlechter steht. Errechnet wurden die Länderwerte anhand von Kriterien wie Armut, Hunger, Wasserversorgung, Bildung, bezahlte Arbeit, politische Teilhabe usw. Das Ergebnis? Kein einziges Land schloss mit der Note „Exzellent“ ab, die ab einem Wert von 90 vergeben werden sollte: strukturelle Benachteiligung betrifft Frauen weltweit. In gravierendem Ausmaß: 80 Prozent aller Frauen und Mädchen leben in Ländern, die laut Studie schlecht oder sehr schlecht abschneiden.

Größte Geschlechterungleichheit in Subsahara-Afrika

Besonders verheerend stellt sich die Situation für Frauen und Mädchen in Subsahara-Afrika dar. Schlusslicht bildet der Tschad mit einem Score von lediglich 33,4. Aber auch die TDF-Partnerländer Sierra Leone, Kamerun und Mali stehen mit den Plätzen 118, 120 und 123 ganz weit unten im Ranking. Gerade in Krisen- und Konfliktgebieten fehle es Frauen und Mädchen an Rechten und sozialer Sicherheit, vorhandene Gewalt- und Ausbeutungsmuster würden noch verschärft.

Auch Deutschland muss aufholen

Mit Ausnahme der USA stehen wirtschaftsstarke Länder bei der Gleichstellung der Geschlechter besser da, allen voran Dänemark mit dem höchsten Score von 89,3. Doch auch in Ländern, die – wie Deutschland auf Rang sieben - mit „gut“ bewertet wurden, bleibt noch viel zu tun. Hierzulande fällt v.a. der Gender Pay Gap ins Gewicht. Zwar liegt der Lohn von Frauen in Deutschland im Vergleich zu dem der Männer mit 79 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt von 63 Prozent, trotzdem klafft noch eine Lücke von 21 Prozent. Auch bei der politischen Teilhabe kommt Deutschland nicht gut weg. So sind von 709 Abgeordneten im Deutschen Bundestag nur 221 weiblich.

Erschreckend ist, dass Frauen mit 31,2 Prozent (Stand Juli 2019) im Parlament nicht nur deutlich unterrepräsentiert sind, sondern, dass sich sogar eine rückläufige Tendenz beobachten lässt: 2013 waren es noch 37,3 Prozent.

Die Bilanz ist traurig und doch wenig überraschend: Nirgendwo leben Frauen und Mädchen bis heute ganz gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei. Was nach Utopie aussehen mag, ist für TDF Vision. Wir kämpfen weiter – damit die Vision Realität wird. Helfen Sie uns dabei!

Nach ihrem Indexwert wurden die Länder in Gruppen klassifiziert: Exzellent:  ≥ 90; Gut: 80–89; Befriedigend: 70–79; Schlecht: 60–69; Sehr schlecht: ≤ 59. Die Zahlen zeigen: 80 Prozent der Frauen und Mädchen leben in Ländern, die schlecht oder sehr schlecht abschneiden. © Equal Measures 2030Nach ihrem Indexwert wurden die Länder in Gruppen klassifiziert: Exzellent: ≥ 90; Gut: 80–89; Befriedigend: 70–79; Schlecht: 60–69; Sehr schlecht: ≤ 59. Die Zahlen zeigen: 80 Prozent der Frauen und Mädchen leben in Ländern, die schlecht oder sehr schlecht abschneiden. © Equal Measures 2030

 

 

 Subsahara-Afrika schneidet mit 29 von 33 Ländern, in denen Frauen unter sehr schlechten Umständen leben, mit Abstand am schlechtesten ab. © Equal Measures 2030Subsahara-Afrika schneidet mit 29 von 33 Ländern, in denen Frauen unter sehr schlechten Umständen leben, mit Abstand am schlechtesten ab. © Equal Measures 2030

 

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