Update zur Arbeit der BHUMIKA-Beratungsstelle in Indien

Hausbesuch nach einer Paarberatung wegen häuslicher Gewalt. Foto: © BhumikaHausbesuch nach einer Paarberatung wegen häuslicher Gewalt. Foto: © BHUMIKA Women’s CollectiveSich nie ganz sicher fühlen – eine Erfahrung, die in Deutschland die wenigsten kennen. Für Mädchen und Frauen in Indien ist dies oft trauriger Alltag. Die mit über 1,3 Milliarden EinwohnerInnen zweitbevölkerungsreichste Nation der Welt wird laut einer Umfrage der Thomson Reuters Foundation als weltweit gefährlichstes Land für Frauen eingestuft - noch vor Kriegsgebieten wie Afghanistan und Syrien. Wenn die offizielle Statistik bereits fast 40 Straftaten gegen Frauen pro Stunde zählt, wie viele Vorfälle müssen es dann tatsächlich sein?

Neu sind diese Erkenntnisse allerdings nicht - seit der brutalen Gruppenvergewaltigung und Ermordung einer Studentin in Neu-Delhi im Jahr 2012 hat das Thema Gewalt gegen Frauen nicht nur national, sondern auch international für einen Aufschrei und massive Proteste gesorgt. Geändert hat sich bislang aber nur wenig: Trotz der Bemühungen von Staat und Zivilgesellschaft, Frauen und Mädchen vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen, ist Gewalt gegen Frauen allgegenwärtig - die Fallzahlen steigen sogar, wie TERRE DES FEMMES berichtete.

Umso wichtiger ist es, Frauen eine sichere und kompetente Anlaufstelle zu bieten, wenn sie von Gewalt betroffen sind. Genau dieser Aufgabe hat sich unsere Partnerorganisation BHUMIKA Women’s Collective verschrieben und betreibt seit 2015 eine Beratungsstelle in Karimnagar im Bundesstaat Telangana, die seit Juli 2017 von TERRE DES FEMMES unterstützt wird.

Von Januar bis Juni 2019 kamen 193 gewaltbetroffene Frauen in die Beratungsstelle, 150 von ihnen erstmalig. Dort werden sie juristisch, psychologisch und zu den praktischen Schritten auf dem Weg aus der Gewalt beraten. Bei Bedarf werden die Frauen auch an relevante Stellen, z.B. zur Schutzunterbringung, weitergeleitet. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2019 252 Sitzungen mit Betroffenen, 93 Sitzungen mit dem Ehepartner, 214 gemeinsame Sitzungen mit den Eheleuten und 382 Gruppensitzungen mit weiteren Verwandten durchgeführt.

In 68 Fällen konnte eine Schlichtung erreicht werden. Die Überprüfung, ob die Schlichtung wirksam war, erfolgte meist telefonisch, in zehn Fällen wurden zudem Hausbesuche durchgeführt. In Fällen, in denen gewalttätig gewordene Partner ihr Verhalten gegenüber Frau und Familie nicht verändern, unterstützt BHUMIKA die Frauen beim weiteren Vorgehen : Im ersten Halbjahr 2019 wurden 41 betroffene Frauen unterstützt, staatliche Leistungen auf Basis des Gewaltschutzgesetzes zu beantragen, zwei Frauen wurden in Frauenschutzhäuser begleitet, 82 Fälle der Polizei übergeben und 10 Frauen erhielten weiterführende juristische Beratung.

Eine der Frauen, die BHUMIKA auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben begleitete, war Ms Jyothi: aufgrund zunehmender Alkoholprobleme und verbaler Angriffe ihres Ehemanns hatte sie sich an die Beratungsstelle gewandt. In Einzel- und Paarsitzungen klärte BHUMIKA den Ehemann über die negativen Auswirkungen seines gewalttätigen Verhaltens auf seine Frau und Familie auf. Nach drei Sitzungen einigten sich die Eheleute auf konkrete Bedingungen für ein weiteres Zusammenleben, die schriftlich festgehalten wurden. Bei der telefonischen Überprüfung wenige Wochen nach der Beratung berichtete Ms Jyothi, dass ihr Mann sein Verhalten spürbar verändert habe, sie sich nun die Aufgaben im Haushalt teilten und sie glücklich ihr erstes gemeinsames Kind erwarteten.

Mit Ihrer Unterstützung kann noch mehr Frauen wie Ms Jyothi ein gewaltfreies Leben ermöglicht werden! Unterstützen Sie die wichtige Arbeit von BHUMIKA, um Mädchen und Frauen in Not aus der Gewalt zu helfen!

Stand: 08/2019

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