Krisenherd Nordkamerun - Einsatz für Mädchenbildung wichtiger denn je

Die Stipendiatinnen freuen sich zur Schule gehen zu dürfen. Foto: © Jürgen KunzeDie Stipendiatinnen freuen sich zur Schule gehen zu dürfen. Foto: © Jürgen KunzeÜber Kamerun liest man in hiesigen Zeitungen wenig. Dabei wird das Land immer wieder von Krisen und Konflikten erschüttert. So werden Zivilisten, häufig Frauen und Kinder, auch in Kamerun von der Terrorgruppe Boko Haram entführt und getötet. Seit sieben Jahren operiert die aus Nigeria stammende Gruppe in Westafrika. Viele ihrer Mitglieder haben sich nahe der Grenze zu Nordkamerun niedergelassen. In der Region sind seitdem 20.000 Menschen gestorben, 2,6 Millionen befinden sich auf der Flucht.

Doch damit nicht genug: Seit mehreren Jahren ist das Verhältnis der englischsprachigen Minderheit Kameruns zur frankophonen Mehrheitsbevölkerung und Regierung angespannt. Dieser Konflikt ist auf die Kolonialzeit zurückzuführen, als Kamerun zwischen England und Frankreich aufgeteilt war.

2016 spitzte er sich derart zu, dass das Justiz- und Bildungssystem auch in den englischsprachigen Teilen Kameruns weitgehend frankophonisiert wurde. Die Bevölkerung wehrte sich massiv dagegen: Studierende, Anwälte und LehrerInnen gingen auf die Straße, um ihre Rechte einzufordern.

Schließlich schlossen sich Separatistengruppen zusammen, die auch zu den Waffen griffen. Die kamerunische Armee antwortete mit noch mehr Gewalt. Das Resultat: Verletzte, Tote und niedergebrannte Dörfer. Auch viele Unschuldige gerieten zwischen die Fronten.

Angst ist ein ständiger Begleiter der Menschen in Kamerun. Besonders in den Regionen, die nur selten von staatlichen Infrastruktur- und Entwicklungsprogrammen profitieren und so zur idealen Basis für Gruppen wie Boko Haram werden. Wie das Projektgebiet der TERRE DES FEMMES-Partnerorganisation AAFMHL (Verein zur Unterstützung von Mädchen aus M’lay, Huva und Ldama). Vor allem Mädchen und Frauen leben dort in großer Unsicherheit.

Zu dieser Gefahrenlage kommen Herausforderungen des alltäglichen Lebens: Die Ethnie der Mafa, die im Mandara-Gebirge zu Hause ist, folgt einer strengen patriarchalen Ordnung. Alles, was aus der Erde hervorgeht, gehört den Männern. So auch die Kinder. Junge Mädchen werden meist früh verheiratet, nicht selten ist der Ehemann im gleichen Alter wie der eigene Vater.

Wie lebt es sich als Frau in Nordkamerun unter all diesen Bedingungen? Nguizie Jaqueline, eine Mitarbeiterin unserer Partnerorganisation, berichtet:

Nguzie Jaqueline berichtet über die Lage der Mädchen in Nordkamerun. Foto: © AAFMHLNguzie Jaqueline berichtet über die Lage der Mädchen in Nordkamerun. Foto: © AAFMHL„Bei uns ist eine Frau eine Person, deren primäre Aufgabe es ist, zu gebären, sich, bis die Kinder alt genug sind, um diese zu kümmern, und alle Arbeiten zu verrichten, die im Haus anfallen. Das bedeutet es, als eine Frau in meinem Land zu leben.“ Nguizie spricht offen darüber, dass Frauen in Kamerun Benachteiligung erfahren. „Im Elternhaus müssen die Töchter zugunsten des Schulbesuchs der Söhne zurückstecken und werden gegen ihren Willen verheiratet. Ich kann das sagen, weil es auch mich betrifft. Ich wurde gegen meinen Willen verheiratet. Meine Eltern haben Druck auf mich ausgeübt und trotzdem wollte ich an die Universität gehen. Am Ende der Geschichte sah ich diesen Traum aber ins Wasser fallen.“ Jetzt setzt sich Nguizie zusammen mit AAFMHL dafür ein, dass Mädchen in Nordkamerun die gleichen Chancen auf Bildung haben wie Jungen, genauso zur Schule gehen, eine Ausbildung machen oder studieren können. 

Doch es ist noch ein weiter Weg. Zur Schule gehen kostet Geld. Daher unterstützt TERRE DES FEMMES seit März 2012 die Organisation AAFMHL, der LehrerInnen, Eltern und engagierte BewohnerInnen der drei Bergdörfer M’lay, Huva und Ldama angehören. Jährlich kostet die Grundschule für ein Mädchen 70 Euro, das Gymnasium 120 Euro und die Technische Fachschule 300 Euro.

Mit Ihrer Hilfe könnten bald noch mehr Mafa-Mädchen zur Schule gehen und sind so fast immer vor einer frühen Zwangsheirat geschützt. Der Schulbesuch stärkt zudem ihr Selbstbewusstsein und lehrt sie, sich wirksam vor Gewalt zu schützen. Unverzichtbar angesichts der Krisen in ihrer Heimat.

Spenden Sie jetzt, damit Mädchen die Chance auf Bildung nicht verwehrt bleibt und sie selbstbestimmt leben können.

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