In der Jugend liegt die Kraft! Erster Bericht zum Peer Ambassador-Projekt in Sierra Leone

Aufklärungsposter zur Prävention von weiblicher Genitalverstümmelung. Grafik: © James MasayAufklärungsposter zur Prävention von FGM.
Grafik: © James Masay
Wichtige Erfolge bei der Aufklärungsarbeit in Lunsar! Seit Juli 2017 wurden dank der finanziellen Unterstützung durch die Benefizaktion des Bayrischen Rundfunks „Sternstunden e.V.“ entscheidende Fortschritte im Kampf gegen Weibliche Genitalverstümmelung (engl.: FGM) in Sierra Leone erzielt.

Ziel des Projekts ist die Ausbildung von so genannten Peer Ambassadors, jungen Frauen und Männern, die als Botschafter für die Menschenrechte von Mädchen und Frauen in ihren Freundeskreisen, Familien und Gemeinden mobil machen. Sie klären nicht nur über FGM auf, sondern achten auch darauf, dass kein Mädchen aus ihrem Umkreis beschnitten wird. Drohende Verstöße melden sie.

Beim ihrem ersten Treffen führten sich die 18 am Projekt beteiligten Schulen, Ausbildungseinrichtungen und Jugendclubs in Rollenspielen die Gefahren von FGM vor Augen. Dazu gehören z.B. Gesundheitsrisiken und schlimmstenfalls der Tod, Verlust von Bildung und Frühverheiratung. Der erste Schritt zur Überwindung der Praktik liegt darin, sie sich bewusst zu machen. Teil nahmen Frauen und Männer gleichermaßen, denn AIM weiß: nur durch geteiltes Wissen kann Mädchen tatsächlich der Druck genommen werden, FGM erleiden zu müssen, um eine vollwertige Frau zu werden. Viele Männer gaben am Schluss verblüfft zu, dass die Inhalte mehrheitlich neu für sie gewesen seien, da sie sich vorher nie näher mit FGM auseinander gesetzt hätten.

Szene aus einem Rollenspiel. Foto: © Uman Deen KamaraSzene aus einem Rollenspiel. Foto: © Uman Deen KamaraBeim ersten Treffen willigten außerdem alle Einrichtungen ein, aktiv gegen FGM vorzugehen und das Projekt mit voller Kraft zu unterstützen!

Für die Ausbildung der Peer Ambassadors und ihren eigenen Einsatz wurden 500 Broschüren und Poster zur Aufklärung über die Menschenrechte von Mädchen und Frauen und die Gefahren von FGM sowie T-Shirts zum Projekt gestaltet. Einige davon wurden  bereits in den beteiligten Einrichtungen ausgehängt. Ein wichtiger Schritt, um auf die Arbeit der Peer Ambassadors aufmerksam zu machen!

Noch wichtiger war aber natürlich die Auswahl von 82 Peer Ambassadors und 18 erwachsenen Begleitpersonen. Das Interesse war unerwartet groß und die Bewerbungen oft originell. Die erfolgreichen KandidatInnen begannen unmittelbar, ihr privates Umfeld, allen voran die eigenen Eltern, zu FGM zu sensibilisieren. Zudem gründeten sie erste Foren zum regelmäßigen Austausch an ihren Schulen, Ausbildungseinrichtungen und Jugendclubs.

Ausgewählte Peer Ambassadors. Foto: © James MasayAusgewählte Peer Ambassadors. Foto: © James MasayAnfang 2018 fand dann das erste professionelle Training zu Menschenrechten und Peer-to-Peer Wissensvermittlung mit insgesamt 100 TeilnehmerInnen statt. Vier Experten aus dem religiösen, medizinischen und menschrechtlich aktivistischen Bereich und vier MitarbeiterInnen von AIM gaben einen eindrücklichen Rundumschlag zu den Menschenrechten von Mädchen und Frauen und FGM. Auch einheimische Medien wurden auf das Training aufmerksam: zwei Radio-Stationen und eine Zeitung berichteten davon..

Die zu Ende des Trainings neu gegründete Steuerungsgruppe zur Aufklärung und Sensibilisierung gegen FGM fand direkt im Anschluss das erste Mal zusammen. Sie ist dafür zuständig die Projektaktivitäten für die jeweils nächste Phase zu organisieren, die Methoden und Resultate regelmäßig auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und notwendige Änderungen zu beantragen. Mit ihrer Arbeit trägt sie entscheidend zur Nachhaltigkeit des Projekts bei.

Ein erstes Fazit? Bereits nach wenigen Monaten Projektlaufzeit steht fest: In der Jugend liegt die Kraft!

Unterstützen auch Sie die Peer Ambassadors im Kampf gegen FGM in Sierra Leone!

Hintergrund:

AIM-Team mit Projektkoordinatorin Veronika Kirschner. Foto: © Uman Deen KamaraAIM-Team mit Projektkoordinatorin Veronika Kirschner. Foto: © Uman Deen KamaraIn Sierra Leone sind neun von zehn Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren von FGM betroffen. Um diese stark tabuisierte Praktik mit ihren oft lebensgefährlichen Folgen für Mädchen und Frauen endlich zu beenden, unterstützt TDF seit 2009 die Organisation Amazonian Initiative Movement (AIM) in Lunsar. Die Mitarbeit bei AIM erfordert Mut, denn die GegnerInnen von FGM sind nach wie vor Anfeindungen ausgesetzt. Seit Juli 2017 führt AIM das oben beschriebene Projekt mit finanzieller Unterstützung von Sternstunden e.V. und TDF durch.

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