Austauschschülerinnen für Kenia informieren sich bei TERRE DES FEMMES

Herr Dr. Aulke (Mitte) mit den Teilnehmerinnen des Austauschprogrammes und den TDF-Mitarbeiterinnen (v.l: Idah Nabateregga, Renate Staudenmeyer und Christa Stolle). Foto: © Laura BrandtHerr Dr. Aulke (Mitte) mit den Teilnehmerinnen des Austauschprogrammes und den TDF-Mitarbeiterinnen (v.l: Idah Nabateregga, Renate Staudenmeyer und Christa Stolle). Foto: © Laura BrandtDie weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation - FGM) ist ein Thema, welches TERRE DES FEMMES bereits zur Zeit der Gründung sehr beschäftigte. 1981 waren bei uns in Deutschland dazu kaum Informationen zu finden. Während andere Menschenrechtsverletzungen von der EU aufgegriffen und öffentlich geächtet wurden, ließ die Politik die Opfer mit diesem Schicksal allein. Wir können mit Stolz heute feststellen, dass TERRE DES FEMMES über die Jahre einiges dazu beigetragen hat, dass FGM heute einer breiten Öffentlichkeit ein Begriff ist, mittlerweile in vielen Ländern ausdrücklich gesetzlich verboten wurde und sich viele Menschen für die Abschaffung dieser grausamen Tradition weltweit einsetzen.

So auch Dr. Reinhard Aulke, Lehrer und Didaktischer Leiter an der Alexander-von Humboldt Schule in Wittmund. Dort unterrichtet er unter anderem das Seminarfach „Globales Lernen“, welches Bildungsangebote im Lernbereich Globale Entwicklung macht. Einige Schülerinnen schreiben ihre Facharbeit zur Frage der weltweiten Achtung von Frauenrechten, wobei sie auch auf das Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung in Ländern des afrikanischen Kontinents eingehen. Für diese Schülerinnen hat die Schule ein Austauschprogramm mit einem Mädcheninternat in Chogoria/Kenia organisiert. Im Rahmen dieses Projektes werden nun im Mai 2017 sieben deutsche Schülerinnen aus dem Seminarfach für zehn Tage nach Kenia reisen und dort gemeinsam mit kenianischen Mädchen im Internat der Chogoria Girl’s High School wohnen. Gemeinsam mit den dort lebenden Schülerinnen wollen sie sich in einem sozialen Bildungsprojekt engagieren, welches Grundschülerinnen darin unterstützt, selbstbewusst mit ihrer familiären und sozialen Situation umzugehen. Das Projekt wurde von dem Internat selbst ins Leben gerufen und soll Mädchen darin bestärken, sich gegen FGM zu wehren und andere Mädchen zu unterstützen, die direkt gefährdet sind.

Um sich auf diesen anspruchsvollen Austausch vorzubereiten, besuchten die Schülerinnen gemeinsam mit Herrn Aulke und einer Kollegin am 26. April 2017 die Bundesgeschäftsstelle von TERRE DES FEMMES und tauschten sich hier vor Ort mit unseren Mitarbeiterinnen über die Lage in Kenia aus. Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, stellte dabei die Arbeit des Vereins vor und stand Rede und Antwort für Fragen über die bei TDF angesiedelte Beratungsstelle für Betroffene bis hin zu Fragen über das „wie“ von politischer Interessenvertretung auf Bundesebene. Im Anschluss nahm sich Referentin für Internationale Zusammenarbeit, Renate Staudenmeyer, die Zeit, um den Schülerinnen unsere Projekte in Afrika vorzustellen. Im Fokus stand dabei ein Frauenhaus in Mali, welches von Fatoumata Siré Diakité und der Organisation APDF gegründet wurde und das Mädchen und Frauen einen Zufluchtsort vor FGM und häuslicher und sexualisierter Gewalt bietet. Dr. Idah Nabeteregga, Referentin zu FGM, stellte das EU - Projekt CHANGE PLUS vor, bei dem Frauen und Männer aus den Communities in Berlin und anderen Städten Europas als CHANGE AGENTS ausgebildet werden. Dabei lernen sie alles über die Hintergründe von FGM und die fatalen gesundheitlichen Folgen für die betroffenen Frauen, um dieses Wissen daraufhin in ihre Communities zu tragen.

Es freut uns sehr, dass sich junge Frauen in Deutschland über weibliche Genitalverstümmelung informieren möchten und den Mut besitzen nach Kenia zu reisen und sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Wir wünschen der Gruppe eine gute Reise und viel Erfolg in ihrem Projekt!

 

Stand: 05/2017

Text: Laura Brandt