NEIN zu Genitalverstümmelung! Beerdigung der Beschneidungswerkzeuge in der Region Toukin – ein großer Erfolg für die Kooperation TERRE DES FEMMES mit der Association Bangr Nooma in Burkina Faso

Mehr als 1.000 Menschen haben der Zeremonie beigewohnt. Foto: © ABN Mehr als 1.000 Menschen haben der Zeremonie beigewohnt. Foto: © ABN In der Lokalsprache der Mossi bedeutet Bangr Nooma – Es gibt Nichts Besseres als Wissen. Es ist das Leitmotiv unserer Partnerorganisation, die durch Vermittlung von Wissen die Bevölkerung davon überzeugt, dass sie die Praktik der Weiblichen Genitalverstümmelung aufgeben. In der Region Toukin hat am 12. November 2016 eine feierliche Zeremonie dazu stattgefunden: es wurden die Beschneidungswerkzeuge begraben und die Nicht-Beschneidung öffentlich als neue soziale Norm für gültig erklärt. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Verbesserung der Frauenrechte in Burkina Faso!

Mehr als 1.000 Menschen haben dieser Zeremonie in Toukin beigewohnt und damit ein öffentliches Zeichen des NEIN zu Genitalverstümmelung gesetzt. Die Dorfkönige und - ältesten, die Führer aller Religionsgruppen, lokale Frauengruppen sowie die ehemaligen Beschneiderinnen selbst, haben im Rahmen der feierlichen Zeremonie öffentlich bekundet, dass die Praktik der Weiblichen Genitalverstümmelung nun endgültig aus ihrer Dorfregion verbannt ist. Mit Musik und Tanz wurde der Festakt untermalt. Unter den zahlreichen Anwesenden befanden sich auch Gäste von TERRE DES FEMMES (TDF): Irma Bergknecht, die ehrenamtliche TDF-Projektkoordinatorin und Susanne Meister von der Städtegruppe Nürnberg haben diesem besonderen Moment beigewohnt. Die burkinische Frauenministerin sowie der König von Toukin haben nach ihrer öffentlichen Bekundung des NEIN zu Genitalverstümmelung gemeinsam mit unsere Projektleiterin Rakieta Poyga die Beerdigungsinstrumente begraben. Die Feierlichkeit fand auf einem Schulgelände statt, wo auch zukünftig mit einem Stein, daran erinnert wird, dass die Region Toukin nun frei von Genitalverstümmelung ist.

Öffentliche Erklärung des NEIN zu FGM vom Dorfkönig Toukin. Foto: © ABN Öffentliche Erklärung des NEIN zu FGM vom Dorfkönig Toukin.
Foto: © ABN
Für die Association Bangr Nooma (ABN) - ist dies der absolute Höhepunkt nach den Anstrengungen einer mehr als dreijährigen Aufklärungskampagne. Die Aufklärungsarbeit von ABN wird strategisch nach drei aufeinander folgenden Phasen ausgerichtet. Zuerst werden die Dorfkönige und Dorfchefs für das Anliegen gewonnen. Stehen sie der Sache „NEIN zu Genitalverstümmelung“ offen gegenüber, werden ein Mann und eine Frau aus der Dorfregion von ABN zu sogenannten Animateuren für die weiteren Aufklärungsaktionen ausgebildet. In einer zweiten Phase werden alle wichtigen MultiplikatorInnen sensibilisiert (Religionsführer, LehrerInnen, Polizisten, VertreterInnen von Frauenorganisationen, traditionelle Hebammen, Beschneiderinnen u.a.). In der dritten Phase wird die Aufklärungsarbeit auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt: die inzwischen geschulten sogenannten Animateure führen Gespräche in den Familien, sie organisieren größere Dorfversammlungen mit Kino-Filmen oder Theater-Sketchen und moderieren anschließende Diskussionsrunden. Die Aufklärungsaktionen werden so lange durchgeführt, bis wirklich die gesamte Bevölkerung hinter dem „NEIN zu Genitalverstümmelung“ steht.

In der Region Toukin waren dazu größere Anstrengungen notwendig, denn nicht nur die politische Krisensituation in Burkina Faso 2014-2015 hat ein besonderes Hindernis dargestellt. Auch gab es in der Region Toukin  wiederholt Überschwemmungskatastrophen in 2015-2016. Die Bevölkerung war mit anderen Themen beschäftigt. Durch verstärkte und/oder zusätzliche Aufklärungsarbeit musste das Thema der Weiblichen Genitalverstümmelung in Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung für die Dorfregion gebracht werden. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation ABN ist TERRE DES FEMMES nun wirklich erfreut über den letztendlichen Erfolg, dass wir es durch die Mobilisierung aller Kräfte geschafft haben und am 12. November 2016 die große öffentliche Zeremonie zur Beendigung der Weiblichen Genitalverstümmelung in Toukin feiern konnten.

Öffentliche Erklärung des NEIN zu FGM von der Frauenministerin. Foto: © ABN Öffentliche Erklärung des NEIN zu FGM von der Frauenministerin.
Foto: © ABN 
Weibliche Genitalverstümmelung (FGM - Female Genital Mutilation) ist in Burkina Faso noch sehr verbreitet. Daran hat das 1996 eingeführte gesetzliche Verbot gegen FGM nach fast zwanzig Jahren nur wenig geändert. Aktuelle Zahlen von UNICEF belegen, dass im Jahr 2013 noch 76 Prozent der Mädchen und Frauen von dieser traditionellen Praxis betroffen waren. FGM wird meist unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt. Oft leiden die Frauen unter der Traumatisierung durch den Eingriff, aber auch unter medizinischen Folgeproblemen wie Wucherungen, Verwachsungen oder Fistelbildungen. „Ich selbst habe bei der unglaublich schmerzhaften Geburt meiner Tochter zu spüren bekommen, welche furchtbaren Folgen die Beschneidung für uns Frauen hat“, so Rakieta Poyga, Präsidentin von ABN. „Für mich war dies der absolute Anstoß, den Verein Bangr Nooma zu gründen. Die Frauen aus meiner Generation sind fast alle beschnitten.“

Bei den jüngeren Frauen wird FGM nicht mehr durchgängig angewandt. Die Ergebnisse der Studie EDS/MICS von 2010 (veröffentlicht 2012) zeigen, dass sich die Praxis bei den jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren von knapp 60 Prozent auf 57,7 Prozent verringert hat.

Die gesellschaftliche Ächtung von FGM muss sich erst noch weiter durchsetzen.

Die Beschneidungswerkzeuge werden endgültig begraben. Foto: © ABN Die Beschneidungswerkzeuge werden endgültig begraben. Foto: © ABN Für viele Frauenrechtlerinnen in Burkina Faso bleiben traditionelle Praktiken der Grundstein für extreme Formen der Diskriminierung und Gewalt gegen Mädchen und Frauen. „Dadurch, dass Gewaltpraktiken gegen Frauen tief im Bewusstsein der Gesellschaft verwurzelt sind, braucht es einen langen Atem, bis Veränderungen Eingang finden. Soziale Normen sind in jeder Kultur nur über langwierige Veränderungsprozesse zu knacken. Wichtig ist, dass wir nicht aufgeben“, so Rakieta Poyga. Dass diese Veränderungen möglich sind, beweist die erfolgreiche Arbeit von ABN. TERRE DES FEMMES ist stolz darauf, sie auf diesem Weg auch weiterhin unterstützen zu können.

 

Stand: 11/2016

 

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