Indische Studierendengruppe zu Besuch bei TERRE DES FEMMES

Am 5. Juni 2015 besuchte eine indische Studierendengruppe die Geschäftsstelle von TERRE DES FEMMES. Die Studierenden vom Fach Jura, die für eine Woche zu Gast an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin sind, waren sehr interessiert mehr über das Sexualstrafrecht in Deutschland zu erfahren und sich über die Arbeit von TERRE DES FEMMES zu informieren. Begleitet wurde sie von Clemens Arzt, Direktor des Forschungsinstituts für Öffentliche und Private Sicherheit der HWR Berlin, und Initiator dieses Austausches. Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES und Ruth Meding, ehrenamtliche Projektkoordinatorin des Partnerprojekts REDS in Indien, leiteten die Präsentation und die anschließende Diskussion mit den Studierenden.

Christa Stolle betonte die Wichtigkeit internationaler Kooperationen, um den Austausch zwischen TERRE DES FEMMES und weiteren Frauenrechtsorganisationen zu vergrößern. Daraufhin stellte sie den Studierenden die Gesetzeslage zu häuslicher und sexualisierter Gewalt in Deutschland vor. TERRE DES FEMMES macht seit langem auf gravierende Schutzlücken und Wertungswidersprüche im Sexualstrafrecht aufmerksam und setzt sich für eine Reform des Sexualstrafrechts ein.

Ruth Meding informierte anschließend generell über die internationalen Kooperationen von TERRE DES FEMMES und ging näher auf das TDF Kooperationsprojekt in Indien, die Frauengruppe REDS in Andhra Pradesh im Südwesten des Landes, ein. Die Arbeit, die aus Rechtsberatung, psychologischer Hilfe und Öffentlichkeitsarbeit besteht, werde von Spezialistinnen vor Ort geleistet. Ruth Meding berichtete über ihre Erfahrung, dass in Indien vermehrt Frauenorganisationen gegründet würden, die sich für die rechtliche und soziale Stellung der Frau einsetzen.

Austausch: Frauenrechte in Indien

Daraufhin gab es Zeit für einen Austausch zwischen TERRE DES FEMMES und der indischen Studierendengruppe. Beide Seiten diskutierten über die Gesetzeslage und die gesellschaftliche Situation von Frauen in Indien. TERRE DES FEMMES interessierte sich insbesondere für die gesellschaftlichen Veränderungen in Indien seit der Gruppenvergewaltigung von Jyoti Singh Pandey in Delhi 2012, die anschließend an ihren Verletzungen starb und deren Fall weltweit Entsetzen auslöste. Die indischen Studierenden waren generell der Meinung, dass es eine Verbesserung bei der Umsetzung von Gesetzen durch Justiz und Polizei gebe. Unter den Straftatbestand Vergewaltigung falle jegliche sexuelle Beziehung, die gegen den Willen der Frau stattfindet (Eine Definition, die TERRE DES FEMMES auch für Deutschland fordert). Haftstrafen für Vergewaltigung lägen in Indien zwischen 7 Jahren bis zu lebenslang. Doch das löst nicht allein das Problem: Vor allem in ärmeren Regionen seien Frauen struktureller Gewalt im Alltag ausgesetzt. Generell scheint es erhebliche regionale Unterschiede zur Gewalt gegen Frauen in Indien zu geben. Eine Schwierigkeit besteht auch darin, dass viele Gewaltverbrechen nicht zur Anzeige gebracht würden. Anschließend wurde auf die Situation von Früh- und Zwangsehen in Indien eingegangen. Ein Student erläuterte, dass arrangierte und erzwungene Ehen nicht gleichzusetzen seien. Arrangierte Ehen ließen eine Mitentscheidung von Frauen bei der Auswahl ihres Ehepartners zu. Kommt es allerdings zur Trennung würden insbesondere Frauen gesellschaftlich geächtet. Auch werde der Abtreibung weiblicher Föten entgegen gewirkt, so dürfe der Arzt nicht das Geschlecht des Fötus bestimmen. Leider sieht es in der Realität jedoch anders aus: Oft werden Ärzte bestochen, um das Geschlecht des Fötus festzustellen.

Fazit: Nachrichten über Vergewaltigungen zwangen die indische Regierung, Fälle zu häuslicher und sexualisierter Gewalt ernst zu nehmen und die Rechtssituation von Frauen zu verbessern. Ebenfalls scheint die Aufklärungsarbeit zu Frauenrechten in Indien voranzuschreiten. Insbesondere in ländlichen Gebieten herrscht in Indien jedoch weiterhin ein männerbestimmtes Gesellschaftsbild. Ein Student fasst zusammen: „Gesetzlich ist Indien weit, jetzt fehlt es an einem gesellschaftlichen Umdenken“.

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