Frauenrechtlerinnen aus Kurdistan – Irak bei TERRE DES FEMMES

TERRE DES FEMMES hat am 8. Juni 2015 vierzehn Frauen aus dem irakischen Kurdistan bei sich in der Bundesgeschäftsstelle begrüßt. Organisiert wurde das Treffen in Zusammenarbeit mit dem Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin und deren irakischer Partnerorganisation Jiyan Foundation for Human Rights. Die Frauen sind im Rahmen eines einwöchigen Trainings zu den Themen Frauenrechte, Frauenschutz und Empowerment nach Berlin gekommen. In ihrem Heimatland arbeiten sie als Psychologinnen, Sozialarbeiterinnen und Therapeutinnen. TERRE DES FEMMES gab den Frauen am ersten Tag ihres einwöchigen Trainings einen Einblick in die Entwicklung der Frauenbewegung in Deutschland.

Die Anfänge der Frauenbewegung reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, betont die wichtige Rolle von Olympe de Gouges, die als Vorkämpferin der Frauenrechte mit ihrem Leben bezahlte.

In Deutschland führte die bürgerliche und proletarische Frauenbewegung Mitte des 19. Jahrhunderts zu ersten kleinen Erfolgen. Jedoch wurde während des 2. Weltkriegs wieder das typische Frauenbild als Mutter und Hausfrau propagiert, so dass die Emanzipationsbewegung der Frauen viele Rückschläge einstecken musste. Erst nach dem 2. Weltkrieg kam wieder Bewegung in die Frauen und vor allem die Zeit ab 1968 war für die Frauenbewegung entscheidend. Hier kommt Christa Stolle auf die veränderte Einstellung zur Sexualität bis hin zur Homosexualität zu sprechen. Die Frauen wollten ihre Sexualität selbstbestimmt ausleben und sich diesbezüglich keine Vorschriften mehr machen lassen. Dazu gehörte auch die Freiheit mehrere Sexualpartner zu haben. Bei dieser Äußerung macht sich eine Unruhe in der Besuchergruppe breit. Einige Teilnehmerinnen widersprechen dieser Ansicht: Die Frau sollte nur einen Sexualpartner haben, im Idealfall ihren Ehemann. Es gehöre sich nicht, dass die Frau mit mehr als einem Mann schlafe. Der Einwand, dass Männer auch mehrere Sexualpartnerinnen haben, wird als natürlicher Anspruch des Mannes akzeptiert. Das sei die Natur des Mannes, wird argumentiert. Hier spielen kulturelle Unterschiede offensichtlich eine Rolle.

Dies macht sich auch beim Thema Homosexualität bemerkbar. Christa Stolle führt aus, dass sich im Rahmen der Frauenbewegung immer mehr Frauen zu ihrer Homosexualität bekannten und diese frei auslebten. Einzelne Teilnehmerinnen reagieren daraufhin sehr abwehrend und zweifeln an, dass es der richtige Weg ihrer Gesellschaft sei Homosexualität anzuerkennen. In der anschließenden hitzigen Diskussion zeigt sich, dass noch einige Arbeit in Bezug auf Menschenrechte, Frauenrechte und Gleichberechtigung getan werden muss.

Bei einem solchen Austausch werden jedoch nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten sichtbar. So berichten uns die irakischen Frauen von weit verbreiteter häuslicher Gewalt und anderen gewalttätigen Übergriffen gegen Frauen in ihrem Land. Zwar gibt es im Irak einige Gesetze zum Schutz der Frauen, doch der patriacharlisch - geprägten Gesellschaft fällt es schwer, diese umzusetzen.

Eines kann man nach diesem Besuch auf jeden Fall festhalten: Ein solcher Austausch ist für alle Beteiligten ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und kann dazu führen, ein neues tolerantes Denken zu entwickeln.

Teilnehmerinnen aus Kurdistan zu Besuch bei TERRE DES FEMMES. Foto: © TERRE DES FEMMESTeilnehmerinnen aus Kurdistan zu Besuch bei TERRE DES FEMMES. Foto: © TERRE DES FEMMES

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