Frauenrechtsaktivistinnen aus Lateinamerika bei TERRE DES FEMMES

Am 14. April 2015 bekam TERRE DE FEMMES Besuch von zwei lateinamerikanischen Frauenrechtlerinnen aus Mexiko und Peru, die zu der Zeit Gäste bei der Heinrich-Böll-Stiftung waren. Dank der Vermittlung der Heinrich-Böll-Stiftung konnten wir ein Treffen arrangieren. Die peruanische Líz López ist die Leitern der Frauenrechtsorganisation Flora Tristán, die 1979 gegründet wurde, und kämpft aktuell in ihrem Land insbesondere für die Sensibilisierung anderer Organisationen über die Auswirkungen des Klimawandels aus einer feministischen Perspektive. Generell setzt Flora Tristán ähnliche Schwerpunkte wie TERRE DES FEMMES und setzt sich für die Gleichberechtigung der Frauen ein.

Unsere zweite Besucherin ist Lucía Huerta, die Leiterin der feministischen Presseagentur Comunicación e Información de la Mujer. Die Agentur wurde 1988 mit dem Ziel gegründet, Frauenthemen in die Medien zu bringen, da diese zuvor vernachlässigt wurden.

(v.l.n.r.) Lucía Huerta, Christa Stolle, Renate Staudenmeyer, Líz López und Katharina Fröhlich. Foto: © Melissa Li (v.l.n.r.) Lucía Huerta, Christa Stolle, Renate Staudenmeyer, Líz López und Katharina Fröhlich. Foto: © Melissa Li

Austausch über die Frauenrechtsarbeit

Als Einstieg hielten Christa Stolle, Geschäftsführerin von TERRE DES FEMMES, und Renate Staudenmeyer, Referentin für Internationale Entwicklungszusammenarbeit, einen Vortrag über die Entstehungsgeschichte, Arbeitsweise und Forderungen von TDF. Neben den allgemeinen Informationen über die TDF-Arbeit wurde unter anderem unsere Projektorganisation MIRIAM in Nicaragua vorgestellt. Somit konnten Líz López und Lucía Huerta einen Einblick in unsere Frauenrechtsarbeit erhalten und nutzten diesen Input, um mit uns zu diskutieren.

Gleich zu Beginn fragte Lucía Huerta spezifisch nach der Position von TERRE DES FEMMES gegenüber Zwangsprostitution. Während des Gesprächs hat man das besonders große Interesse an der aktuellen Prostitutions-Debatte um ein Sexkaufverbot bei unseren Gästen festgestellt. Letztes Jahr hat TDF bezüglich der Thematik in einem Positionspapier Stellung genommen: Wir setzen uns für ein Sexkaufverbot ein, da Prostitution für uns frauenfeindlich ist und zudem als eine Menschenrechtsverletzung zu bewerten ist. Durch das Sexkaufverbot in Schweden und Frankreich und die EU-Osterweiterung wurde Deutschland zu einem „Bordell“ von Europa. Vor allem Frauen aus Osteuropa kommen nach Deutschland, was häufig als Armutsprostitution bezeichnet wird. Lucía Huerta interessierte sich vor allem für die Ursachen dieser Entwicklung. Durch die liberale deutsche Gesetzgebung im Bereich Prostitution seit 2002 werden auf der einen Seite die Doppelmoral aufgehoben und die Prostituierten entkriminalisiert. Das begrüßten wir und unterstützten zunächst die Gesetzesänderung der damals rot-grünen Regierung. Auf der anderen Seite jedoch führte dies zu einem eklatanten Anstieg der Anzahl der Prostituierten und zum Entstehen von so genannten Flatrate-Bordellen. Deshalb ist es für TDF der falsche Weg. TDF fordert nun einen Perspektivenwechsel. Nicht die Regulierung der Prostitution sondern die Bekämpfung ihrer Ursachen muss im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte und politischen Entscheidungsfindung stehen. Nicht die Prostituierten sondern die Sexkäufer, die Zuhälter und BordellbetreiberInnen müssen ins Visier genommen werden.

Líz López berichtete von der Situation in Peru. In ihrem Heimatland gibt es ebenfalls eine kontroverse Diskussion rund um das Thema. Flora Tristán benutzt das Wort ‚Prositutierte’ nicht, jedoch benutzen selbst jene Frauen, die in dem Bereich arbeiten, die Bezeichnung. Líz stellt die Gemeinsamkeiten zwischen Flora Tristán und TERRE DES FEMMES fest, da sie die gleichen Schwerpunkte in ihrer Arbeit setzen. Auch sieht sie allgemein viele Parallelen zwischen TERRE DES FEMMES und Flora Tristán. Im Gegensatz zu TDF leistet Flora Tristán über die reine Beratungsarbeit noch Begleitungen bei juristischen Verfahren für Frauen. Auch TDF hat in der Vergangenheit Fälle im Bereich der Gewalt im Namen der Ehre begleitet, jedoch waren das aufgrund der Kapazitätsmöglichkeiten, Ausnahmefälle. TDF verfügt diesbezüglich über Kontakte von Anwältinnen, die sich spezialisiert haben, und vermittelt betroffene Frauen an sie weiter.

Nach einer lebhaften Diskussion im Bereich Gewalt gegen Frauen waren sich alle Beteiligten einig: Frauenrechtsorganisationen müssen zusammenarbeiten und sich global vernetzen, um die Rechte der Frauen durchzusetzen und die Gleichstellung erreichen zu können. Genau deshalb sind solche Treffen wichtig.

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