Rakieta Poyga diskutiert mit engagierten Schülerinnen und der senegalesischen Aktivistin und Rapperin Sister Fa im Rathaus Neukölln

Am 19. Juni 2014 fand im Anschluss an die Infobörse „Neukölln für Frauen – Frauen für Neukölln“ eine Fachveranstaltung zum Thema weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation: FGM) im Rathaus Neukölln statt. Das Thema des Abends war: „Damit der Schmerz ein Ende hat – Bildung ist der beste Schutz: Aufklärung gegen weibliche Genitalverstümmelung“. Es gab eine Podiumsdiskussion, an der auch Rakieta Poyga, die Leiterin und Gründerin unseres Partnerprojekts Bangr Nooma in Burkina Faso, teilnahm. Rakieta Poyga ist derzeit zu Besuch in Deutschland und nimmt an Veranstaltungen in verschiedenen Städten teil.

Die Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion über FGM im schönen BVV-Saal des Rathauses Neukölln: oben: Sylvia Edler, unten v.l.n.r.: Mitarbeiterin des MaDonna Mädchentreff, die drei Gymnasiastinnen, Katharina Kunze, Rakieta Poyga, Fatou Mandiang Diatta. Foto: © TERRE DES FEMMESDie Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion über FGM im schönen BVV-Saal des Rathauses Neukölln: oben: Sylvia Edler, unten v.l.n.r.: Mitarbeiterin des MaDonna Mädchentreff, die drei Gymnasiastinnen, Katharina Kunze, Rakieta Poyga, Fatou Mandiang Diatta.
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Nach einer Begrüßung der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes Neukölln, Sylvia Edler, begann die Veranstaltung mit einer Präsentation von drei Gymnasiastinnen. Jasmin Türkan, Iman und Mariam Mustapha vom MaDonna Mädchentreff konzentrierten sich vor allem auf die Frage, ob das Desert Flower Medical Centre in Berlin einen Beitrag zur Bekämpfung von FGM geleistet hat und in der Zukunft leisten kann. Das Medical Centre bietet beschnittenen Frauen rekonstruktive Operationen an. Die Mädchen bejahten diese Frage. Während sie ihre Präsentation erarbeiteten, nahmen sie Kontakt auf zu Waris Dirie (Autorin u.a. Wüstenblume, Menschenrechtsaktivistin gegen FGM und Model). Auch die anwesende Fatou Mandiang Diatta (Rapperin Sister Fa und Aktivistin gegen FGM) interviewten die Mädchen persönlich und per E-Mail. Sie erklärten zuerst Fakten rund um FGM und sprachen im Anschluss über ihre persönlichen Eindrücke, die sie während ihrer Forschungen gewonnen haben. Als besonders schlimm empfinden sie, dass Religion oft als Vorwand für die Praktik von FGM benutzt wird.

Im Anschluss an die Präsentation erläuterten Rakieta Poyga und Fatou Mandiang Diatta unter der Moderation von Katharina Kunze (TERRE DES FEMMES, Referentin FGM) ihre jeweiligen Aktivismus-Strategien. Wie sind sie zum Thema FGM gekommen? Welche persönlichen Erfahrungen verbinden sie damit? Wie sieht ihr Kampf gegen FGM konkret aus?

„Schädliche Traditionen dürfen nicht aufrechterhalten werden!“ – Aktivistin Rakieta Poyga spricht über ihren harten Kampf gegen FGM. Foto: © TERRE DES FEMMES„Schädliche Traditionen dürfen nicht aufrechterhalten werden!“ – Aktivistin Rakieta Poyga spricht über ihren Kampf gegen FGM.
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Die Arbeit von Rakietas Organisation Bangr Nooma konzentriert sich stark auf die direkte Aufklärungs- und Bildungsarbeit mit der Bevölkerung. AufklärerInnen werden ausgebildet. Sie werden trainiert im Vortragen und erhalten Informationsmaterialien, damit sie in Schulen und Dorfgemeinschaften Vorträge halten können. Mehr als 800.000 Menschen konnten mittlerweile von der Aufklärungsarbeit profitieren. Über 33.000 Mädchen konnten durch die Sensibilisierungsarbeit vor der weiblichen Genitalverstümmelung bewahrt werden. Die Rapperin Fatou Mandiang Diatta versucht eher, die Menschen über Musik und andere Formen von Kunst zu erreichen. Sie will mit ihrem Projekt in Zukunft auch außerhalb von Senegal in weiteren afrikanischen Ländern aktiv werden.

Auch in Deutschland leben ca. 25.000 beschnittene Frauen und geschätzte 2.500, die gefährdet sind. Zum Desert Flower Centre in Berlin sagte Fatou Mandiang Diatta, dass sie die Arbeit sehr schätze, dass sie es aber vor allem für enorm wichtig erachte, mehr präventive Arbeit zu leisten, um gefährdete Mädchen zu identifizieren und sie überhaupt erst vor FGM zu bewahren. Wichtig ist zum Beispiel die Aufklärung deutscher Kinderärzte, die bei Mädchen mit Migrationshintergrund aus bestimmten Ländern verstärkt ein Auge offen halten sollten.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion gab es einen Dialog mit dem Publikum zu verschiedenen Themen. FGM als Grundlage für ein Recht auf Asyl, die Wirkung vom Begriff der ‚Verstümmelung’, weitere Methoden der Bekämpfung von FGM u.a. wurden angesprochen. Zuletzt sahen alle TeilnehmerInnen einen Film von Rakieta Poyga über ihre Aufklärungsarbeit mit Bangr Nooma in Burkina Faso. Es war ein sehr gelungener und lehrreicher Abend und TERRE DES FEMMES bedankt sich ganz herzlich für das große Engagement aller Beteiligten, allen voran der Gleichstellungsbeauftragten Sylvia Edler.