„Frauenrechte in Afrika“ – Informationsveranstaltung mit 13 Aktivistinnen aus Afrika am 21.10.2013

TERRE DES FEMMES e.V. und INPOLIS UCE GmbH hatten am Donnerstag, den 24.10.2013 zu einem Informationsabend in den Tagungsräumen der Weiberwirtschaft in Berlin eingeladen. Über 100 Gäste folgten der Einladung. Unter dem Thema „Demokratie und die Rolle der Frau in Afrika“ und auf Einladung des Auswärtigen Amtes waren 13 (Frauenrechts-)Aktivistinnen aus acht verschiedenen afrikanischen Ländern zu Besuch in Deutschland. Die Frauen aus dem Tschad, Guinea, dem Senegal, Niger, Ruanda, der Elfenbeinküste, Benin und Kamerun berichteten über die aktuelle Lage der Frauen vor Ort und stellten ihre Arbeit in Frauenverbänden, NGOs und der Politik vor. In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde über Lösungsansätze, Strategien und Projekte zur Überwindung der Gewalt gegen Mädchen und Frauen diskutiert.

Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES eröffnete die Veranstaltung. Nach einer kurzen Begrüßung und Präsentation der Arbeitsschwerpunkte von TERRE DES FEMMES, übernahm Frau Dr. Nadine Sieveking die Moderation. Frau Sieveking ist Dozentin für Regionalstudien und Afrikawissenschaften an der Universität Leipzig und hat bereits zahlreiche Forschungen zum Thema Gender, Kultur und Migration in Afrika durchgeführt.

Sieben ausgewählte Rednerinnen hatten in einer ersten Runde, die Möglichkeit sich und ihre Arbeitsbereiche vorzustellen. Das Publikum erhielt dabei einen ersten Überblick über die spezifischen Problemlagen und deren Komplexität in den einzelnen Ländern.

Begrüßung durch Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. Foto: © Susanne HaukBegrüßung durch Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES.
Foto: © Susanne Hauk

Die afrikanischen Frauenrechtlerinnen erläuterten ihr Engagement, präsentierten verschiedene Hürden aber auch erste Erfolge im Kampf für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern.  Es kam zu einem regen Austausch und einer interessanten Diskussion mit dem Publikum. Wie können die Frauen in einem Land mit einem verhältnismäßig niedrigen formalen Bildungsstand für die zum Demokratisierungsprozess wichtigen „Frauenthemen“ erreicht werden und über ihre Rechte aufgeklärt werden?

Alle Rednerinnen verdeutlichten, dass vor allem die Unwissenheit darüber, welche Rechte die Frauen überhaupt haben, ein großes Problem darstellt. Aufgrund der hohen Analphabetisierungsrate und die Unkenntnis über den Inhalt der Gesetze gibt es nur wenige Frauen, die ihre Rechte kennen. Frauen sollten daher an Verhandlungen und Entscheidungsfragen, die sie betreffen, beteiligt sein. Dies können sie aber nur, wenn sie die Gesetze und ihre Rechte kennen. „Frauen müssen sich darüber bewusst werden, dass sie Rechte haben. Sie müssen gestärkt werden, um für ihre Rechte eintreten zu können. Frauen sollen nicht immer nur als Opfer gesehen werden, sondern vielmehr als starke Frauen, die Einfluss auf die Politik ihrer Länder nehmen können“. Aufklärungs- und Bildungsarbeit sind daher wichtige Maßnahmen um Frauenrechte zu stärken. So bieten viele Organisationen, in denen die anwesenden afrikanischen Frauen tätig sind, juristische Beratung an. Vor allem das Radio spielt eine wichtige Rolle in den afrikanischen Ländern, um Missstände und Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufzudecken und Rechtsinhalte in der nationalen Sprache zu verbreiten.

Inhaltlicher Austausch zu Frauenrechte in Afrika. Foto: © Bärbel MaessenInhaltlicher Austausch zu Frauenrechte in Afrika.
Foto: © Bärbel Maessen

Eine weitere Frage, die für viel Diskussion sorgte war, ob Frauen die besseren Verfechterinnen für Frauen und Frauenrechte sind? Bei der Beantwortung der Frage wurden unterschiedliche Meinungen der Referentinnen deutlich. So waren sich einige Frauen sicher, dass „niemand besser die Rechte der Frauen vertreten kann, als Frauen selbst“. Die Mehrheit der Frauen aber war davon überzeugt, dass sowohl Frauen als auch Männer gute Vorbilder und VerfechterInnen sein können. Auch „die Männer sind wichtige Zielgruppen und Schaltstellen für die Emanzipation und Gleichberechtigung von Frauen. Frauen und Männer müssen zusammenarbeiten, miteinander kommunizieren und einen gemeinsamen Konsens finden. Nur so können Frauenrechte wirksam umgesetzt werden. “

Spannende Diskussion über die Rolle der Frauen in Afrika. Foto: © Bärbel MaessenSpannende Diskussion über die Rolle der Frauen in Afrika.
Foto: © Bärbel Maessen

Ein ganz besonders wichtiger Aspekt wurde von Frau Ngo Mbe, Generalsekretärin der regionalen NGO REDHAC (Reseau des Defenseurs de Droits Humains en Afrique Centrale) aus Kamerun, angesprochen. Sie setzt sich in ihrer Organisation vor allem dafür ein, dass Menschenrechte für alle gleichermaßen gelten, ohne einzelne Individuen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Ihrer Meinung nach sind nicht nur heterosexuelle Frauen und Männer wichtige VerteidigerInnen für Frauen und Frauenrechte, sondern auch homosexuelle Frauen und Männer müssen in dem Prozess mit einbezogen werden. Dies ist hinsichtlich des kulturellen Kontextes ein sehr mutiger Schritt von Frau Ngo Mbe. Aufgrund ihres Engagement für die Rechte der LGBT- Gemeinschaften (Lesbian, Gay, Bisexual und Trans) ist Frau Ngo Mbe und auch ihre Familie häufig Opfer von Drohungen geworden.

Wirkliche Demokratie und Gleichberechtigung schließt folglich alles mit ein: Die Stärkung der Frauen, die Zusammenarbeit mit den Männern und die Anerkennung der homosexuellen BürgerInnen. Es ist wichtig, dass Frauen ihre Rechte kennen und diese auch umgesetzt werden, sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Bereich. Mit diesem Schlussplädoyer endete ein lebhafter Meinungs- und Erfahrungsaustausch mit engagierten, mutigen Frauen aus Afrika, die sich alle für die Gleichberechtigung von Frauen, die Stärkung von Frauenrechten sowie die nachhaltige Friedenssicherung in ihrem Land einsetzen.

Beim anschließenden Empfang gab es noch Gelegenheit sich gegenseitig zu vernetzen und voneinander zu lernen. Es war eine rund um gelungene Begegnung, wie uns die TeilnehmerInnen bestätigten.

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