Ägyptische Frauenrechtlerin zu Besuch bei TERRE DES FEMMES

Am 20.08. 2013 erhielt TERRE DES FEMMES Besuch von der Ägypterin und Aktivistin für Frauenrechte Hadeer Hemdan. Ihr Einsatz gilt der Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Unabhängigkeit für ägyptische Frauen. In ihrem Heimatland arbeitet die junge Frau seit 2009 im El-Arish Youth Center als Trainerin für die Bereiche Menschen- und Frauenrechte, sowie als Lehrerin für Alphabetisierungskurse für Frauen. Frau Hemdan ist ehrenamtliche Trainerin für die Women´s Rights Association und unterstützt das Frauennetzwerk „Inclusive Security“. 

(v.l.n.r.) Lydia Guba, Katharina Kunze, Renate Staudenmeyer, Hadeer Hemdan, Lydia Amenyaglo © TERRE DES FEMMES(v.l.n.r.) Lydia Guba, Katharina Kunze, Renate Staudenmeyer, Hadeer Hemdan, Lydia Amenyaglo © TERRE DES FEMMES

Austausch über die Arbeit für Mädchen- und Frauenrechte

Zunächst gab Renate Staudenmeyer, Referentin Internationale Entwicklungszusammenarbeit, eine Zusammenfassung über die Schwerpunkte der Arbeit von TERRE DES FEMMES im In- und Ausland. Als Beispiel für die Kampagnenarbeit von TERRE DES FEMMES beschrieb sie die Fahnenaktion, die jedes Jahr von TERRE DES FEMMES am 25. November durchgeführt wird. Als Gastgeschenk bekam Hadeer Hemdan eine Fahne in arabischer Sprache überreicht. Begeistert erklärte sie sich bereit in ihrem Land ebenfalls die Flagge zu hissen, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

Hadeer Hemdan berichtete anschließend über die verschiedenen Abteilungen der Women´s Rigths Association: so gibt es Aktivitäten im Gesundheitsbereich für Frauen mit Krankheiten wie Brustkrebs und HIV/AIDS. Eine weitere Abteilung widmet sich Jugendlichen mit psychischen oder physischen Problemen. Hadeer Hemdan selbst ist verantwortlich für die Betreuung und Unterstützung von Frauen, die Opfer von Häuslicher Gewalt sind. Viele dieser Frauen möchten sich scheiden lassen, wobei ihnen die Women´s Rights Association hilft, indem sie den Frauen kostenlos Anwälte zur Verfügung stellt und sie bei rechtlichen Verfahren ins Gericht begleitet.

Hadeer Hemdan zur Lage in Ägypten

Als Hadeer Hemdan voller Emotionen über die Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland sprach, kam die Frage auf, wie sie sich fühlt, wenn sie die aktuellen Nachrichten über die politisch schwierige Lage in Ägypten sieht. Als sie erst vor einigen Tagen in den CNN Nachrichten hörte, dass sich Soldaten in der Nähe ihrer Heimatstadt El-Arish aufhalten würden, nahm sie sofort Kontakt mit ihrer Familie auf. Sie ist sehr verzweifelt und traurig über die derzeitige Situation in Ägypten. „Ich hoffe bloß, es wird nicht so schlimm wie in Syrien!“ Natürlich wünscht sich Hadeer Hemdan, dass es in ihrem eigenen Land nicht zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen kommen wird. Allerdings gesteht sie ein, dass die Situation in Ägypten zunehmend ernster wird: „Wir halten das alles nicht mehr aus, es wird immer schlimmer in unserem Land. Das Wasser wird knapp, wir haben selten Elektrizität, die ganze Infrastruktur ist instabil.“

Frauenbewegung in Ägypten

Begeistert erzählte sie uns von der bekannten Frauenbewegung „Free Egyptian Women“. Diese wurde während des arabischen Frühlings von der Frauenrechtsaktivistin Nihad Abu el Komsan angeführt und setzte sich für die Gleichberechtigung von Frauen in Ägypten ein. Zu jener Zeit gab sich die 39-jährige Juristin und prominente Leiterin des ägyptischen Zentrums für Frauenrechte (ECWR) optimistisch: „Stärker als je zuvor sind ägyptische Frauen politisiert, engagieren sich und erheben ihre Stimme.“ Doch wofür viele Frauen gekämpft und ihr Leben riskiert hatten, endete in einer herben Enttäuschung. Denn das Gegenteil ist eingetreten: Unterdrückung, Sexualisierung und Gewalt gegenüber Frauen sind heute in Ägypten traurige Realität. Dennoch lässt sich Hadeer Hemdan im Kampf für die Freiheit nicht entmutigen. Sie ist dankbar für die Möglichkeit ihr Leben selbst bestimmen zu können. Sie weiß ihre Unabhängigkeit zu schätzen und setzt sich deshalb so engagiert und beispielhaft für andere Frauen ein, um sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. 

Wie kommt es, dass sich Hadeer Hemdan, eine selbstbewusste junge moderne Frau, in ihrem Land für Frauenrechte einsetzt? Ihre Laufbahn begann damit, dass sie den Wunsch äußerte, zusammen mit ihrer Cousine in Kairo zu studieren. Ihr Vater, ein sehr offener, modern eingestellter Mann, gab sein Einverständnis und erlaubte ihr die Familie und ihre Heimatstadt zu verlassen, um in Kairo eine Ausbildung zu erhalten. Ihrer Cousine blieb der Wunsch allerdings verwehrt. Hadeer Hemdan fragte sich, wieso es ihrer Cousine nicht gestattet sei und kam zu der Erkenntnis, dass dies kein Einzelfall ist, sondern viele Frauen dasselbe Schicksal teilen. Dies war der Anstoß, dass sich die junge Ägypterin für Menschenrechte, vor allem aber für Frauenrechte einsetzt. Seitdem kämpft sie für mehr Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ägyptischer Frauen.

 

Hadeer Hemdan ist Stipendiatin des Programms „CrossCulture Praktika“ vom Institut für Auslandsbeziehungen. Das spezielle Austauschprogramm bietet jungen Berufstätigen und freiwillig Engagierten aus Deutschland und Ländern der islamisch geprägten Welt die Möglichkeit, ihre professionelle und politische Kompetenz zu erweitern und durch einen Aufenthalt im jeweils anderen Kulturkreis internationale Erfahrungen zu sammeln. Die StipendiatInnen erhalten damit die Möglichkeit einen Einblick in unterschiedliche zivilgesellschaftliche Arbeitsfelder zu erhalten, wie beispielsweise Menschenrechte, politische Bildung, Medien und Entwicklungszusammenarbeit. Hadeer Hemdan konnte ihr Praktikum im „CSSP - Berlin Center for Integrative Mediation” absolvieren.

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