Neue Frauenbilder für geflüchtete Mädchen schaffen

Teilnehmende Mädchen. Foto: © TERRE DES FEMMESTeilnehmende Mädchen. Foto: © TERRE DES FEMMES„Ich will nicht so früh heiraten wie das Mädchen unserer Nachbarn, die im Alter von 12 Jahren während der Geburt gestorben ist. Sie war zu jung und konnte die Schmerzen der Geburt nicht ertragen.“
„Ich habe Angst vor dem Erwachsenwerden, weil ich dann heiraten muss und von meinem Mann geschlagen werde, wie meine Freundinnen in Afghanistan.“
„Wenn ich in Pakistan geblieben wäre, würde ich definitiv in diesem Alter von meinen Eltern verheiratet werden, da sie Angst vor den Taliban haben.“

Diese und andere Sachen haben mir die Mädchen bei meinem letzten Treffen, das in Kooperation mit dem Verein Lieber Lesen e.V stattfindet, berichtet, als ich sie gefragt habe, warum Eltern ihre Töchter zu Frühehen überreden/ zwingen. TERRE DES FEMMES arbeitet mit dem Verein zusammen. Jede Woche erhalten etwa 15 Mädchen im Alter zwischen neun und 15 Jahre in ihrer Flüchtlingsunterkunft in der Ruschestraße in Berlin Lichtenberg ergänzend zur Schulausbildung Sprach- und Lesekurse. Durch ein Kultur- und Sportprogramm wird den Mädchen außerdem ermöglicht, an Ausflügen und verschiedenen Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Langfristig sollen sie dabei unterstützt werden, ein starkes Selbstbewusstsein zu entwickeln und ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland führen zu können.

Sie haben mir auch gesagt, dass sie glauben, dass Eltern ihre Mädchen nicht mehr lieben und deshalb verheiraten. Sie mögen Jungen einfach lieber und wollen keine Verantwortung für ihr Töchter übernehmen, so die Vermutung der Mädchen. Solche Erfahrungen in diesem Alter zu machen, ist für Mädchen schmerzhaft. Leider geht es vielen heranwachsenden jungen Frauen auf der Welt so. Hier in Deutschland haben die Mädchen eine Chance auf die Verwirklichung ihrer Ziele und Träume und entwickeln ein Verständnis für ihre Rechte:

„Ich will lernen. Ich will arbeiten. Ich will in Zukunft Lehrerin werden.“
„Ich möchte Richterin werden.“
„Ich will Auto fahren.“
„Ich will meine Rechte verteidigen!“
„Niemand darf mich schlagen oder diskriminieren.“
„Niemand darf mich in Deutschland als Sklavin behandeln.“

Ein jesidisches Mädchen, das vor Gewalt und Terror aus ihrem Heimatland, dem Irak geflüchtet ist, sagte zu mir: „Hier schützt mich das Gesetz. Ich habe vor niemandem Angst. Ich kann laut reden, ich verteidige meine Rechte und die Rechte von meiner kleinen Schwester.“

Zusammen mit TERRE DES FEMMES unterstütze ich die Mädchen in der Formulierung ihrer Wünsche und der Schaffung von neuen Lebensperspektiven. Hier leben die Mädchen mit Unterstützung, Bildungsmöglichkeiten, Sicherheit und ohne Diskriminierung. Wir wünschen uns, dass alle Mädchen auf der Welt ihre Rechte verwirklichen und selbstbestimmt in Freiheit und Zufriedenheit leben können.

Dr. Abir Alhaj Mawas
TERRE DES FEMMES-Referentin zum Thema Flucht und Frauenrechte

 

Stand: 05/2017

 

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