„Was? Wir haben doch keine Vorurteile…“– Gender ABC an der Nord-Grundschule

Foto: © TERRE DES FEMMESSchülerInnen der Nord-Grundschule. Foto: © TERRE DES FEMMESSchon nach den ersten theaterpädagogischen Übungen wird den SchülerInnen der sechsten Klasse klar, dass es so einfach dann doch nicht ist. Zwar ist bereits den meisten bewusst, dass ein Denken in schön sortierten Schubladen der Vielfalt unserer Gesellschaft nicht gerecht wird – Das ist schon eine beachtliche Reflexionsleistung. Dennoch bemerken die Jugendlichen in den sich anschließenden Diskussionen selbst, wie stark bestimmte Geschlechtervorstellungen auch in ihnen verwurzelt sind.

So werden sie beispielsweise in einer Übung gebeten „Zu gehen, wie Jungs gehen“ und prompt haben alle Teilnehmenden breite Schultern, die Hände lässig in der Hosentasche und eine Gel-Frisur, die immer wieder aufgefrischt werden muss. Im Nachhinein merkt eine Schülerin an: „Naja, ich glaube, wir sind gerade gar nicht so gegangen, wie die Jungs aus unserer Klasse, sondern eher so, wie wir das aus Filmen und von Jugendlichen auf der Straße kennen.“

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESEin weiteres Beispiel: Bei einem Positionierungsspiel geht es um fünf verschiedene Erfindungen und das Erraten des Geschlechtes der ErfinderInnen. Nur bei der Sicherheitsnadel entscheidet sich die Mehrheit der Klasse dafür, dass hier eine Frau die Idee geliefert hat. Heiß diskutiert wird außerdem die Erfindung des Kindergartens – Stimmt es nun, dass Frauen Kinder einfach besser verstehen können oder, dass Männer früher mehr gearbeitet haben – auch in Kindergärten?

Zu Diskussionen kommt es im Anschluss an ein szenisches Spiel, in dem Mädchen über Nacht zu Jungen werden und umgekehrt: Es kommt das Thema „Privilegien“ auf. Ein Schüler denkt laut nach: „Ich wollte jetzt kein Mädchen sein, weil ich dann ja bestimmte Sachen nicht mehr machen dürfte.“ Bei genauerem Nachfragen fällt es ihm allerdings schwer, konkreter zu werden. Ihm fällt nichts ein, was Mädchen nicht machen dürfen, Jungs aber schon. Aber Dinge, die scheinbar „typisch“ Junge oder „typisch“ Mädchen sind, kennen die SchülerInnen viele und sie kommen zu dem Schluss, dass diese Einteilung ganz schön nerve. Schließlich gäbe es auch Jungs, die sich gern schminken oder Mädchen, die gerne kämpfen oder Fußball spielen wollen.

Zum Abschluss der ereignisreichen Projekttage vom 21. und 22.08.2019 findet eine Präsentation im Klassenraum statt, bei der die elf- bis zwölfjährigen Teilnehmenden in Standbildern verschiedene Stereotype darstellen und dann mithilfe von selbst gebastelten Schildern dazu Stellung nehmen. Die SchülerInnen der Parallelklasse schauen nicht nur gebannt zu, sondern äußern lautstark ihre Meinung zu den einzelnen Thesen. Und nicht nur sie – auch die anwesenden Eltern, LehrerInnen und Mitarbeiterinnen von TERRE DES FEMMES sind schwer beeindruckt, was die SchülerInnen in den beiden Tagen alles besprochen und auf die Beine gestellt haben. Und der/die eine oder andere kommt vielleicht auch ins Grübeln.

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Stand: 08/2019

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