Neue Studie zeigt: Bildungsprojekt Gender ABC dringend notwendig

Foto: © Aaron BurdenFoto: © Aaron BurdenDie neue Studie „Children Worlds+“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Bertelsmann-Stiftung gibt Aufschluss über die aktuellen Lebenssituationen von SchülerInnen zwischen 8 und 14 Jahren in Deutschland. In einem standardisierten Fragebogen wurden fast 3.500 SchülerInnen unter anderem zu Kinderrechten, dem eigenen Sicherheitsempfinden und Möglichkeiten der Partizipation, sowie Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen befragt.

Die Studie führt vor Augen, wie groß das Unwissen über die eigenen Rechte unter Kindern und Jugendlichen auch heute noch ist. Anhand der Ergebnisse zu erlebten Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen an Schulen wird zugleich ersichtlich, wie bedeutend es ist, Kindern die Auseinandersetzung mit ihren eigenen Rechten und deren Einforderung zu ermöglichen, sowie alle Beteiligten im Umgang mit gewaltvollen Situationen zu schulen. Das EU- Projekt „Gender ABC“ hat sich, unter anderem, eben diese Ziele zur Aufgabe gemacht und trifft damit ein nach wie vor aktuelles und dringliches Thema.

Denn 71,7% aller 8-Jährigen Kinder geben an, dass sie noch nie von der UN-Kinderrechtskonvention gehört haben. Im Schnitt sind es Schularten übergreifend 40% aller SchülerInnen, die sich nicht sicher sind, welche Rechte für sie gelten. Nur ungefähr ein Viertel der befragten 14-Jährigen hat bereits etwas von der UN- Kinderrechtskonvention gehört.

Außerdem gibt die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen an, im letzten Monat von Ausgrenzung und Gewalt betroffen gewesen zu sein. Insbesondere an Grundschulen ist die Anzahl/der Anteil der Kinder, die sowohl ausgegrenzt, geschlagen und gehänselt wurden, sehr hoch (ca. 30%).

Zudem scheinen insbesondere ältere SchülerInnen sich bei Problemen nicht gern an ihre LehrerInnen zu wenden und fühlen sich von ihnen zudem nicht ernst genommen.

Im Rahmen des Projektes „Gender ABC“ werden mit ca. 400 SchülerInnen an Berliner Schulen Projekttage durchgeführt, an denen verschiedene Formen der geschlechtsspezifischen Gewalt, wie Zwangsverheiratung, Female Genital Mutilation und Frühehen im Kontext der UN-Kinderrechtskonvention thematisiert werden.

Zudem sollen die Projekttage dazu dienen, in Schulen einen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen, der es ermöglicht über Ausgrenzungs- und Gewalterfahrungen zu sprechen und den Umgang mit Selbigen zu erproben. In erster Linie soll dabei die geschlechtsspezifische Dimension von Gewalt hervorgehoben und der Zusammenhang zwischen gewaltvoller Interaktion und traditionellen Rollenbildern aufgearbeitet werden. Im Vordergrund steht hierbei die positive Bestärkung der SchülerInnen, ihre eigenen Grenzen zu artikulieren und ihr Mitspracherecht einzufordern – insbesondere in den Dingen, die ihre körperliche Selbstbestimmung und Unversehrtheit betreffen. Jedoch werden nicht nur SchülerInnen, sondern auch deren LehrerInnen durch Schulungen und Sensibilisierungstrainings in das Projekt miteinbezogen, sodass sie als Vertrauenspersonen auch bei sensiblen und gender-bezogenen Problemlagen handlungsfähig sind.

Damit geht das von TERRE DES FEMMES durchgeführte EU-Projekt Gender ABC auf die Lebenssituation und Bedarfe von SchülerInnen in Berlin ein.

 

Stand: 07/2019

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