Aktuelles zum Thema Gewalt im Namen der Ehre und Zwangsverheiratung

Hinweis: „Nur eine Frau“ – TERRE DES FEMMES-Kooperationsfilm in der ARD-Mediathek

Der TERRE DES FEMMES-Kooperationsfilm „Nur eine Frau“ wurde am 29.01.2020 auf ARD ausgestrahlt und ist weiterhin in der Mediathek abrufbar.Filmplakat "Nur eine Frau"

Er beruht auf der wahren Geschichte von Hatun Sürücü, die vor 15 Jahren von ihrem jüngsten Bruder auf offener Straße erschossen wurde. Der Grund: Sie hatte sich aus den patriarchalen Strukturen ihrer Familie befreit und ein selbstbestimmtes und freies Leben für sich und ihren Sohn aufgebaut. „Nur eine Frau“ zeigt die traurige Realität von Gewalttaten gegen Frauen, die im Namen der Ehre verübt werden. Hatuns Ermordung kam ans Tageslicht, viele andere Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen (u.a. Zwangsverheiratungen) finden weiterhin im Verborgenen statt. TERRE DES FEMMES Engagement in diesem Bereich bleibt relevant und hochaktuell. Denn es gibt leider noch viel zu tun. Allein im letzten Jahr gab es 12 versuchte Fälle von "Ehren"-Mord.

TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass Ehrverbrechen vorgebeugt und bestraft werden. In den vergangenen Jahren konnten wir durch unsere Arbeit unter anderem dazu beitragen, dass Zwangsheiraten zum eigenen Straftatbestand erklärt (2011) und dass Eheschließungen unter 18 Jahren in Deutschland verboten werden (2017).

Erinnerung an Hatun Aynur Sürücü: Auch 2019 gab es 12 „Ehren“- Mordfälle in Deutschland

Gedenkstein für Hatun SürücüGedenkstein für Hatun Sürücü. Foto: © TERRE DES FEMMESAm Freitag, den 07.02.2020 jährt sich der Todestag von Hatun Sürücü zum 15. Mal. Ihr Streben nach einem selbstbestimmten, freien Leben abseits der patriarchalen Strukturen ihrer Familie endete für sie am 07. Februar 2005 mit dem Tod. Die Deutsch-Türkin wurde mit nur 23 Jahren von ihrem jüngeren Bruder erschossen, der die vermeintliche Familienehre wiederherstellen wollte.

Gemeinsam mit dem Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung gedenkt TERRE DES FEMMES der jungen Frau und aller weiteren Opfer eines „Ehren“-Mordes an diesem Tag mit einer Kranzniederlegung an ihrem Gedenkstein in der Oberlandstraße in Berlin um 14 Uhr und einer Gedenkveranstaltung im Rathaus Schöneberg um 18 Uhr.

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Neue Förderung für TERRE DES FEMMES- Schultheaterprojekt „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ in Baden-Württemberg

Merjem Basar, Tobias Gerstner und Canan Kir vor den SchülerInnen der Philipp-Matthäus-Hahn Schule in Balingen. Foto: © TERRE DES FEMMES Merjem Basar, Tobias Gerstner und Canan Kir vor den SchülerInnen der Philipp-Matthäus-Hahn Schule in Balingen. Foto: © TERRE DES FEMMESBis Ende 2020 können sich Schulen in Baden-Württemberg wieder für eine Aufführung des kostenfreien interaktiven Theaterprojekts bewerben!

„Ich habe gedacht, dass es niemanden interessiert wie Männer mit Frauen umgehen. Aber zu sehen, wie wichtig es anderen ist, ist voll toll.“ So reagierte eine 15-jährige Schülerin auf die Aufführung des Theaterstücks „Mein Leben. Meine Liebe. Meine Ehre?“ in ihrer Schule. TERRE DES FEMMES realisiert das Theaterprojekt zusammen mit der mobilen Theaterbühne „Mensch: Theater!“ und der Beratungsstelle YASEMIN aus Stuttgart. Durch eine Förderung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg können bis Ende 2020 erneut 20 kostenfreie Aufführungen in Schulen stattfinden. Bereits 2014 und 2015 wurde das Theaterstück an 30 Schulen in Baden-Württemberg mit großem Erfolg gezeigt. Ende November startete das Projektteam mit der ersten Aufführung in der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen.

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In Memoriam Arzu Özmen: TERRE DES FEMMES erinnert am achten Todestag der 2011 bei einem "Ehren"-Mord Getöteten

Mahnwache anlässlich des Gerichtsverfahrens 2012. © TERRE DES FEMMES Mahnwache anlässlich des Gerichtsverfahrens 2012. © TERRE DES FEMMES Emily Ostermann hätte in diesem Jahr ihren 26. Geburtstag gefeiert. Doch Arzu Özmen musste mit 18 Jahren sterben, weil sie einen Freund hatte, der nicht wie sie aus dem jesidischen Kulturkreis kam und damit ein "Nichtgläubiger" war.

Emily Ostermann, das war der Namen den sich Arzu für ihr neues Leben, frei von Angst vor und Unterdrückung durch ihre Familie, ausgesucht hatte. Doch dann kam alles anders. Bei ihrer Arbeit lernte sie einen 23-jährigen, russlanddeutschen Mann kennen und verliebte sich in ihn. Ihre Familie drängte sie dazu, die Verbindung zu beenden, was Arzu aber nicht tat. Fortan musste Arzu unter Misshandlungen und Bedrohungen ihrer Familie leiden. Schließlich floh sie ins Frauenhaus und beantragte eine neue Identität. 

Eines Abend verließ sie das Frauenhaus, um ihren Freund zu besuchen. An einer Tankstelle wurden sie von einem ihrer Brüder erkannt, der die beiden zur Wohnung des Freundes verfolgte. Er beriet sich mit der Familie, welche beschloss, dass die fünf Geschwister Arzu aus der Wohnung entführen sollten. Nach der gewaltsamen Verschleppung verständigte Arzus Freund sogleich die Polizei, doch die junge Frau war nicht mehr auffindbar.

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TERRE DES FEMMES warnt: Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen wird bundesweit unzureichend umgesetzt

Zwei Jahre nach Inkrafttreten ist das Gesetz nicht in der Praxis angekommen: 813 gemeldete Fälle und erst 10 Aufhebungen

Das „Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen“, welches am 22. Juli 2017 in Kraft getreten ist, ist nach einer aktuellen bundesweiten Umfrage von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e. V. nicht in allen Bundesländern in der Praxis angekommen.Frühehen: Es ist von 813 Fällen auszugehen. © TERRE DES FEMMESFrühehen: TERRE DES FEMMES geht von einer bedeutend höheren Dunkelziffer als die in der Umfrage genannten 813 gemeldeten Fälle aus. © gabipott/photocase

Demnach sind bundesweit 813 Fälle von Ehen mit Minderjährigen seit Inkrafttreten des Gesetzes gemeldet worden, in nur 10 Fällen sind die Ehen tatsächlich aufgehoben worden. „Was ein großer Schritt für den Kinder- und vor allem den Mädchenschutz war, kommt durch mangelnde Umsetzung des Gesetzes bei den Betroffenen nicht an“, warnt Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Zudem spiegelt die offiziell gemeldete Anzahl der minderjährig Verheirateten in Deutschland sehr wahrscheinlich die tatsächlich existierende nicht wider.“, so Stolle weiter. „Denn viele der Mädchen trauen sich nicht, Hilfe zu suchen oder sind über ihre Rechte nicht informiert. Und Behörden scheinen hier auch nicht adäquat helfen zu können.“

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