STOP-Schulung geht in die letzte Runde

Teilnehmerinnen der Schulung im Dezember zusammen mit der Referentin Myria Böhmecke. Foto: © TERRE DES FEMMESTeilnehmerinnen der Schulung im Dezember zusammen mit der Referentin Myria Böhmecke. Foto: © TERRE DES FEMMESEnde Februar 2019 fand die letzte Fortbildung des von Aktion Mensch geförderten Projekts „STOP harmful traditional practices – patriarchale Gewalt verhindern“ statt. Teilnehmerinnen aus der Straßensozialarbeit, der Pädagogik und der Wissenschaft wurden in diesem Rahmen eingehend über sog. traditional harmful practices (z. dt.: traditionelle schädigende Praktiken) aufgeklärt und anhand eines 10-Punkte-Plans dazu geschult, wie im Einzelfall am sensibelsten und effektivsten gehandelt werden kann.  Unter den Begriff der traditional harmful practices fallen Praktiken, die hauptsächlich auf kulturell und sozial verwurzelte patriarchale Normen zurückzuführen sind und vor allem junge Frauen und Mädchen unterdrücken. Das sind z.B. Zwangsverheiratung, Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmlung oder Jungfräulichkeitstests.

Fachkräfte entsprechender Institutionen zu diesen Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt zu schulen, ist von enormer Wichtigkeit. Denn die Gruppe der ohnehin in Deutschland wohnenden Betroffenen hat sich in den letzten Jahren um die nach Deutschland geflüchteten Frauen vergrößert, welche in ihrem Herkunftsland bzw. auf der Flucht patriarchaler Gewalt ausgesetzt waren oder nun hier davon bedroht sind. Das bedeutet, dass hierzulande Handlungsbedarf besteht, bedrohte oder betroffene junge Frauen und Mädchen zu informieren und empowern, um ihnen präventiv und kultursensibel zur Seite stehen zu können.

Auch die letzte STOP-Schulung hat gezeigt, dass großes Interesse und eine Relevanz an der Aufklärung über Vorkommen, Gründe und Gesetzeslage rund um Frühehen und Weibliche Genitalverstümmlung existiert. Als besonders schwierig wurde von den Teilnehmerinnen die Tatsache herausgehoben, überhaupt ein derartiges Vertrauensverhältnis zu jungen Frauen und Mädchen aufzubauen, in welchem diese Themen angesprochen werden können. Zusätzlich sehen sich besonders jene, die direkt mit Betroffenen zu tun haben im Zwiespalt zwischen eingreifendem Handeln und einem damit potenziell einhergehenden Vertrauensverlust. Insbesondere Frühehen waren den Teilnehmerinnen als Phänomen bekannt: Oftmals würden in Deutschland rein religiöse Verheiratungen stattfinden, zeige die Praxis. Standesamtliche Hochzeiten würden ab dem 18. Lebensjahr nachgeholt und seien häufig nur dann relevant, wenn es um Aufenthaltsrechte ginge.

Neben einem Handlungsleitfaden für die Teilnehmerinnen wurde in der Schulung auch Sekundärtraumatisierung in der Arbeit mit von schädlichen traditionellen Praktiken betroffenen Menschen ausführlich thematisiert. Dies wurde durchwegs sehr positiv aufgenommen.

Im Rahmen des STOP-Projekts wurden über den Zeitraum von drei Jahren 245 Menschen aus den Bereichen Sozialer Arbeit, Geflüchteten-Arbeit, Universitäten, Beratungsstellen, Jugendämter sowie medizinisches Fachpersonal, Integrationslotsinnen und Stadtteilmütter über Frühehen, Zwangsverheiratung und Weibliche Genitalverstümmlung aufgeklärt. Die Ausarbeitung einer Informations- und Präventionsbroschüre war neben der Beratungsarbeit ein weiterer Teil des Projekts.

 

 

Stand 03/2019