14. Todestag von Hatun Sürücü – „Ehren“-Morde und Zwangsverheiratungen weiterhin keine Einzelfälle

Vertreterinnen von TERRE DES FEMMES und Vorstandsfrau Dr. Necla Kelek (3.v.l.) gedachten mit Erinnerungstafeln "Ehren"-Mordopfern der letzten Jahre. Foto: © TERRE DES FEMMESVertreterinnen von TERRE DES FEMMES und Vorstandsfrau Dr. Necla Kelek (3.v.l.) gedachten mit Erinnerungstafeln "Ehren"-Mordopfern der letzten Jahre. Foto: © TERRE DES FEMMESAm 7. Februar 2019 jährte sich der Todestag von Hatun Sürücü, die am 7. Februar 2005 von ihrem eigenen Bruder erschossen worden war, zum 14. Mal. Zu diesem Anlass lud die Bürgermeisterin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), zu einer Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung am Tatort in der Oberlandstraße ein.

Über 50 TeilnehmerInnen aus Politik, Projekten, Presse und der interessierten Öffentlichkeit erinnerten an die mutige junge Frau. Sie wurde zu einer Symbolfigur für alle Mädchen und Frauen, die an patriarchaler Gewalt im Namen der Ehre und Unterdrückung aufgrund überholter Geschlechterrollen leiden. Vertreterinnen von TERRE DES FEMMES, darunter Vorstandsfrau Dr. Necla Kelek, machten auf die Verbreitung von „Ehren“-Morden anhand von Gedenkschildern aufmerksam. Diese verdeutlichten neben der symbolischen Anteilnahme, dass sowohl Frauen als auch Männer und genauso junge wie erwachsene Menschen von Gewalt im Namen der Ehre betroffen sind. Ebenfalls anwesend waren AktivistInnen des Projekts HEROES – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. HEROES setzt sich dafür ein, bei jungen Männern mit ehrkulturellem Hintergrund ein Hinterfragen ihrer tradierten patriarchalen Werte anzustoßen.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler. Foto: © TERRE DES FEMMESBezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler. Foto: © TERRE DES FEMMESAngelika Schöttler zeichnete in einer kurzen Ansprache die Geschichte von Hatun Sürücü nach und betonte mit Verweis auf den aktuellen Fall der 18-jährigen Rahad Al-Kanun aus Saudi-Arabien, die vor ihrer Familie nach Kanada floh, dass Fälle von Zwangsverheiratung und Gewalt im Namen der Ehre keine Seltenheit seien.

Auch in Deutschland stellen Zwangsverheiratung und „Ehren“-Morden noch immer keine Einzelfälle dar. Recherchen von TERRE DES FEMMES (PDF) ergaben, dass es 2018 deutschlandweit 8 Mord(-versuchs)fälle mit explizitem Ehrmotiv gab. Aufgrund geringer gesicherter Hinweise und der Tatsache, dass viele solcher Übergriffe auch im Ausland stattfinden, ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt. Dass auch Zwangsverheiratungen keine Ausnahmen sind, belegen Zahlen einer Erhebung des Berliner Arbeitskreises gegen Zwangsverheiratung: 2017 gab es allein in Berlin 570 verzeichnete Fälle von versuchter oder erfolgter Zwangsverheiratung. Auch hierbei ist die tatsächliche Zahl vermutlich sehr viel höher, da sich viele Betroffene oftmals gar nicht trauen, Unterstützung zu suchen.

Diese Ergebnisse zeigen wie wichtig es ist, Gewalt im Namen der Ehre nicht als Randphänomen wahrzunehmen und im Kampf gegen schädliche traditionelle Praktiken nicht nachzulassen. TERRE DES FEMMES wird daher auch in Zukunft die Erinnerungen an „Ehren“-Mordopfer wie Hatun Sürücü und Morsal Obeidi wachhalten.

 

Stand: 02/19

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