Update Gender ABC: Endlich zurück in den Berliner Schulen

Foto: © TERRE DES FEMMES

Am 28. und 29.09.2020 kam das Gender ABC-Projekt nach langer Pause zurück in die Berliner Schulen: Die Projekttage mit der Klasse 8c des Friedrich-Engels-Gymnasiums waren ursprünglich für Ende April vorgesehen. Doch wie alles andere wurde auch das Gender ABC-Projekt dieses Jahr von Corona überrascht und von den damit einhergehenden Kontaktbeschränkungen ins Mark getroffen.

Ein kurzer Blick in die vergangenen Monate…

Als Mitte März die Berliner Schulen schließen mussten und sich das TERRE DES FEMMES Büro schrittweise ins Home-Office begab, befasste sich das Gender-ABC Projektteam mit der Frage, wie es nun weitergehen könne: Auf EU-Ebene kamen alle ProjektpartnerInnen aus Berlin, Brüssel, Lissabon, Madrid und Rom virtuell zusammen und diskutierten über diese Frage. Eine der vielen Herausforderungen dabei: Eine gemeinsame Strategie für fünf europäische Länder zu finden, die sehr unterschiedlich von der Pandemie betroffen sind. Alle Projektkoordinatorinnen waren sich darin einig, dass die Arbeit des Projekts unbedingt fortgeführt werden müsse.

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESIn Anbetracht der geschlechtsspezifischen Folgen von Corona, wie die Rückkehr zu geschlechts-stereotypen Rollenverteilungen und die Zunahme von häuslicher Gewalt, wird die generelle Bedeutung von Gender ABC deutlich: Gerade im Jugend- und Kindesalter verfestigen sich stereotype Zuschreibungen, Vorstellungen von Gleichberechtigung und häufig ein binäres, heteronormes Geschlechterverständnis. Schließlich verständigten sich die PartnerInnen darauf, über kleine Kampagnen und Online-Aktionen, beispielsweise über Videos zu sozialen Normen, Gewalt gegen Frauen und Gleichberechtigung, SchülerInnen zu erreichen. Außerdem wurde eine Verlängerung des Projekts bis Ende Dezember 2020 beantragt und erfolgreich bewilligt.

Gender ABC lässt sich nicht unterkriegen!

Foto: © TERRE DES FEMMESFoto: © TERRE DES FEMMESWährend der Zeit des Lockdowns, entwickelte das TERRE DES FEMMES Projektteam in Berlin unter anderem ein Konzept zur Durchführung der Projekttage übers Internet und führte eine Awareness-Woche auf Instagram durch, um für die Themen des Projekts zu sensibilisieren. Nach den Berliner Sommerferien war es dann soweit: Die Schulen setzten ihren Präsenzunterricht fort und Gender ABC konnte vor Ort weitergehen.

Die Schülerinnen und Schüler des Friedrich-Engels-Gymnasium waren Ende September die erste Schulklasse nach der erzwungenen Unterbrechung. Die 8c war sehr interessiert und schon gut informiert über die Themen Gender, Geschlechtsidentität und Frauenrechte. In den zwei Projekttagen arbeiteten die beiden Pädagoginnen zu toxischer Männlichkeit, Catcalling und sprachen auch über Femizide. „Für mich ist es so schockierend, dass in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex-) Partner umgebracht wird.“, sagte eine Schülerin. Ein Mitschüler bemerkte wiederum: „Mich erschreckt, wie Stereotype unser Leben und Denken beeinflussen.“ Obwohl die Schulklasse mit nahezu dreißig SchülerInnen sehr groß war, kam es zu spannenden Diskussionen in kleineren Gruppen und später auch im Plenum.

Das Gender ABC-Team bedankt sich bei der Klassenlehrerin, der 8c und dem Friedrich-Engels-Gymnasium für die rege Teilnahme, Motivation und das große Interesse während der Projekttage.

 

Stand 09/2020