Gehören Frauen in die Küche? - Gender ABC das erste Mal an einer Berufsschule

Foto: © TERRE DES FEMMES

Am 13. und 14. Februar 2020 war das Gender ABC Projekt für zwei Tage an der August-Sander-Schule in Berlin Friedrichshain zu Gast.

Dabei befassten sich die 16- bis 22-jährigen SchülerInnen mit „Stereotypen und Geschlechterrollen“. Die beiden Schwerpunktthemen wurden von den Projektpädagoginnen mittels verschiedener theater- und kunstpädagogischer Übungen umgesetzt.

„Schwäche zeigen ist menschlich“

Um sich dem Thema anzunähern, wurden die Begriffe Gender und Stereotype in der Klasse diskutiert. Nach verschiedenen Interpretationen und Meinungen zu Gender erklärte die Theaterpädagogin, dass sich Geschlecht biologisch und sozial unterteilen lässt. Fokus legte sie auf das sozial konstruierte Geschlecht, welches nicht anhand biologischer Merkmale festgemacht wird, sondern sich auf Dinge bezieht, die in einer Kultur als typisch Frau/Mann angesehen wird. Daraufhin wurde über typische Stereotype gesprochen. Dabei kamen Kommentare wie „Putzen ist Frauensache“ und „Frauen gehören in die Küche“ oder „Männer weinen nicht“.

Anschließend ging eine Debatte darüber los, ob Männer nun Schwäche zeigen dürfen oder nicht. Eine Schülerin merkt an „Schwäche zeigen ist menschlich“, eine andere „Männer mit Schwäche sind liebenswürdiger“. Die jungen Männer aus der Klasse waren da jedoch ganz anderer Meinung.

An diesen Beispielen zeigt sich, wie wichtig es ist den Raum für eben solche Themen zu schaffen, um Vorurteilen und starren Annahmen von Geschlechterrollen entgegenzuwirken sowie sozial konstruiertes zu hinterfragen und zu überdenken.

Eine der Aufgaben beinhaltete das Suchen eines Videoclips, der einen typischen Stereotyp verdeutlicht oder mit einem bricht. Ein ausgewähltes Video zeigte die Werbung einer Sportmarke, in der Mädchen typischen „Männersport“ ausüben. Die SchülerInnen wählten dieses Video, weil es zeigt, dass Frauen auch vermeintlichen „Männersport“ machen können. Ein weiteres gezeigtes Musikvideo hatte Akzeptanz und Toleranz zum Thema. Dieses, wie eine Schülerin kommentiert, wurde ausgesucht, weil es einen Geschlechtsbezug hat und einerseits die Menschen dazu auffordert, so zu sein wie sie wollen und andererseits dazu appelliert, gegenüber anderen tolerant zu sein. „Du musst so sein wie du bist, nicht dich verändern, weil andere das wollen“.

Eine weitere Aufgabe war das Einüben einer kleinen Szene, die Menschen zeigt, welche aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden. Eine Szene zeigte eine weibliche Bodybuilderin, die von einem Mann ausgelacht wird. Er beschimpft sie als hässlich und nicht normal, weil sie so viele Muskeln hat. In einer zweiten Szene bewundert der Mann die Bodybuilderin und macht ihr Komplimente. Die SchülerInnen dieser Szene wollten dadurch auf das Toleranzthema eingehen und mit dem Vorurteil brechen, dass nur Männer viele Muskeln haben dürfen und Bodybuilder sein können.

Am zweiten Projekttag wurde das erarbeitete einer Parallelklasse vorgeführt. Die eingeladenen SchülerInnen gaben ein äußert positives Feedback. Die Präsentation wurde sehr gut bewertet und sowohl der Mut der SchülerInnen, das Stück vorzuführen gelobt, als auch „ihr habt echt Respekt dafür verdient“ geäußert. Eine Schülerin formulierte, dass es die Aufgabe der jetzigen Generation ist, Veränderungen anzuregen und umzusetzen. Nur so kann ein Wandel innerhalb der Gesellschaft erreicht werden.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die beiden Projekttage sehr erfolgreich umgesetzt wurden. Es waren spannende und inspirierende Tage, für die sich das Gender ABC bei den SchülerInnen, Lehrkräften und Pädagoginnen bedankt.

 

 

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