„Man soll nicht mehr das typische Frauen- und Männerbild haben!“ - Gender ABC an der Emanuel-Lasker-Schule

Foto: © TERRE DES FEMMES

Am 28.01. und 29.01.2020 war das Gender ABC an der Emanuel-Lasker-Schule in Berlin, Friedrichshain. Die 8. Klasse befasste sich während der zwei Projekttage mit dem Thema „Stereotype und Geschlechterrollen“. Durch verschiedene theater- und kunstpädagogische Übungen und Aufgaben sollten sich die dreizehn-, bis vierzehnjährigen SchülerInnen intensiver mit den Schwerpunktthemen befassen. Das Ziel der Projekteinheit war einerseits, die eigenen vorgefassten Denkweisen in Bezug auf Geschlechterrollen zu reflektieren. Andererseits wurden alltägliche immer wieder (re-)produzierte Stereotype hinterfragt und überlegt, ob und inwiefern diese problematisch sein könnten.

Um sich mit dem Thema vertraut zu machen, klärten die Projektpädagoginnen eingangs die Begriffe Gender und Stereotype. Die Antworten und auch die rege und aktive Teilnahme der SchülerInnen zeigten, dass sowohl Vorwissen als auch Interesse besteht.

„Warum verdienen männliche Fußballer so viel Geld und weibliche Fußballerinnen nicht?“

Bei einem anschließenden Positionierungsspiel ging es um die Frage, ob es nur ein Gerücht sei, dass Frauen weniger Geld verdienen als Männer. Die Mehrheit der Klasse stimmte dem nicht zu. Eine Schülerin bemerkte leicht wütend „Warum verdienen männliche Fußballer so viel Geld und weibliche Fußballerinnen nicht?“

„Ich wünschte, dass alle LGBTQ+ Mitglieder auf der ganzen Welt akzeptiert werden“

Das Projekt wurde mit verschiedenen Aufgaben in Kleingruppenarbeit umgesetzt. Ziel war es, mit dem erarbeiteten Material eine Werkstattpräsentation einzustudieren.

Eine weitere Aufgabe war die Formulierung von Forderungen, Wünschen oder Gesetzesentwürfe. Hier wurde als sehr häufiger Wunsch und als Forderung die gleichberechtigte Behandlung von allen Menschen gefordert. „Homosexuelle und Heterosexuelle sollen gleichberechtigt sein.“ oder „Jeder Mensch sollte die gleichen Rechte haben.“

„Warum müssen sich Frauen die Beine rasieren?“ 

Die letzte Übungsaufgabe war: ‚Einigt euch auf ein/e Musikvideo/Werbung, in der Geschlechterstereotype deutlich oder gebrochen werden. Formuliert Statements dazu.‘

Ein Video zeigte Frauen, die sich vermeintlich „typisch männlich“ benehmen, weil sie sich die Beine nicht rasieren. Für die SchülerInnen war klar, Frauen wird der Auftrag erteilt, sich zu rasieren, um als weiblich zu gelten. Das Video führte zu heißen Diskussionen innerhalb der Klasse. Dabei merkte eine Schülerin an: „Warum müssen sich Frauen die Beine rasieren?“, eine andere „Männer benehmen sich doch gar nicht so und Frauen spucken zum Beispiel auch mal auf den Boden“.

Ein weiteres Video zeigt eine Rapperin, die Männer in einem Kleiderschrank „aufbewahrt“. Die SchülerInnen begründeten die Auswahl damit, dass in diesem Video „mal“ Männer als Objekte dargestellt werden, da es sonst normalerweise genau andersherum ist. Eine Schülerin sagte: „Wir finden, dass das gleichberechtig ist, da mit Frauen das gleiche in den Videos gemacht wird“. Ein Mitschüler kommentierte jedoch, dass weder Männer noch Frauen als Objekte dargestellt werden sollen, da beides Sexismus sei.

Am letzten Tag führte die Klasse die einstudierten Gruppenübungen und die Videoausschnitte der Parallelklasse vor. Am Ende wurden viele Fragen gestellt und die MitschülerInnen bestärkten ihre Parallelklasse durch Komplimente zu ihrer Präsentation. Sowohl die Klasse 8a, als auch die Parallelklasse zeigten sich sehr interessiert und dachten reflektiert über das Thema Stereotype und Geschlechterrollen nach. Das vorhandene Vorwissen sowie die Neugierde der SchülerInnen zu den Themen, machten die zwei Tage zu einem erlebnis- und erfolgreichen Projekt.

Das Gender ABC Team bedankt sich bei der Emanuel-Lasker-Schule.

 

Fotos: © TERRE DES FEMMES