Und weiter geht´s im neuen Jahr: Gender ABC an der Sekundarschule Berlin Wilmersdorf

Foto: © TERRE DES FEMMES

Am 09. und 10. Januar 2020 war das Gender ABC-Projekt an der Sekundarschule Wilmersdorf in der 10. Klasse für zwei Tage zu Gast. Das Schwerpunktthema umfasste „Stereotype und Geschlechterrollen“. Das Ziel der Projekteinheit war es, mit den fünfzehn-, bis sechzehnjährigen SchülerInnen ein Verständnis für die Dimensionen und Folgen von (Geschlechter-)Stereotypen zu entwickeln. Außerdem sollten vorherrschende Denkweisen in bestimmten Geschlechterrollen mithilfe von theaterpädagogischen Methoden reflektiert werden.

Was bedeutet eigentlich Gender und was sind Stereotype?

Zur Einführung wurden die Begrifflichkeiten Gender und Stereotype geklärt. Dazu sammelten die 22 SchülerInnen ihre Ideen und Vorstellungen. Auf die Eingangsfrage, was denn Gender bedeute, kam prompt die erste Antwort „schwul“ und „transgender“, bis ein Schüler bemerkte, „das heißt doch einfach nur Geschlecht auf Englisch“. Der Begriff Stereotyp drücke eine Form der „Beschränkung“ aus, so eine Schülerin der Klasse 10b, insbesondere im Hinblick darauf, was Jungen und Mädchen dürfen oder eben nicht dürfen. Im Folgenden trug die Klasse alles zusammen, was ihrer Meinung nach, zu diesen Beschränkungen gehört: Nur Mädchen tragen Röcke; nur Jungs spielen Fußball; nur Mädchen dürfen lange Haare tragen. Mädchen mögen Rosa und Jungen Blau. Nach einer kurzen Diskussion über die gesammelten Stereotype, entschieden sich einige dafür, dass es ja in der Realität „doch gar nicht so strikt“ sei. So tragen beispielsweise Jungen durchaus Rosa und das ist auch gut so.

Bei einem anschließendem Positionierungsspiel sollten die SchülerInnen erraten, ob ein Mann oder eine Frau, der/die ErfinderIn der ersten Programmiersprache war. Fast alle SchülerInnen waren der Meinung, dass dies ein Mann gewesen sein müsse. Falsch. Es war eine Frau. Dafür waren sich alle einig, dass es eine Frau war, die auf die Idee kam, einen Fallschirm so zu rollen, dass er ein kleines Paket ergibt. „Weil Frauen so gut falten können und Männer dafür zu dumm sind“, wie ein Schüler anmerkte.

© TERRE DES FEMMES© TERRE DES FEMMESUm sich intensiver mit dem Thema Stereotype und Geschlechterrollen zu befassen, führten die beiden Projektpädagoginnen theater-, und kunstpädagogische Übungen in kleineren Gruppen durch. So gestaltete eine Gruppe eine Collage anhand der in „Männer und Frauen“ -Zeitschriften vorkommenden Rollenbilder und Vorurteile. Die SchülerInnen konnten sich hier kreativ ausleben und debattieren, wie die Magazine und Zeitschriften eigene Vorstellungen prägen.

Eine weitere Aufgabe in der Kleingruppe war es, ein Stereotyp zu finden und im Anschluss zu diskutieren, ob und warum dieses problematisch sei.

Eine andere Gruppe konzipierte Standbilder zum Thema: Ein Mädchen beim Fußballspielen, die sofort als „Mannsweib“ beschimpft wurde. Ein zweites Standbild sollte nun verdeutlichen, wie die Situation ohne Vorurteile aussehen könnte: Es zeigte dasselbe Mädchen beim Fußball spielen, nur diesmal spielte ein Junge gemeinsam mit ihr.

Die Übungen hatten alle das Ziel, die SchülerInnen zu sensibilisieren, aufzuklären und zu einem Umdenken anzuregen. Bei den Gruppenübungen zeigte sich schnell, dass das Thema aufgrund von sehr unterschiedlichen Meinungen und Einstellungen zu regen Diskussionen führte. Hier wurde besonders deutlich, wie wichtig die Aufklärungsarbeit bezüglich geschlechtsspezifischer Vorurteile und stereotyper Rollenbilder ist.

Die gemeinsamen Gruppenübungen wurden am zweiten Projekttag als Präsentation zusammengefasst und einstudiert. Zum Abschluss wurde diese den SchülerInnen der siebten Klasse vorgeführt. Neben einem sehr positiven Feedback der MitschülerInnen, hat die 10b in den zwei Projekttagen eine beeindruckende Vorführung auf die Beine gestellt, auf die sie stolz sein kann. Das Gender ABC-Team bedankt sich bei der Sekundarschule Wilmersdorf.

 

Stand: 01/2020