Foto: © Tiko Aramyam / fotolia.comFoto: © Tiko Aramyam / fotolia.comViele Menschen stellen sich Sexkäufer als sexuell frustrierte, isolierte Männer vor, die in keiner Beziehung sind und keinen Kontakt zu anderen Frauen haben. Oder aber es herrscht das Bild des „netten Sexkäufers“, der den Frauen etwas Gutes tut, sie aus der Armut befreit und potentielle Opfer von Menschenhandel aufdecken kann. Die Realität sieht anders aus.

8% der Männer in Deutschland kaufen Sex von Prostituierten.[1] Viel ist zu Sexkäufern in Deutschland nicht bekannt. Internationale Studien zeigen, dass ca. die Hälfte der Sexkäufer in einer festen Beziehung ist, alle Altersklassen zwischen ca. 18 und 80 Jahren vertreten sind, mit einem Altersdurchschnitt von ca. 38 Jahren. Die Sexkäufer gehören allen sozialen Klassen und politischen Richtungen an.[2] Zudem scheint die Tendenz zu immer jüngeren Sexkäufern zu gehen. Eine spanische Studie stellte fest, dass immer mehr junge Männer Prostitution als Freizeitunterhaltung ansehen und Frauen und Mädchen als Sexspielzeuge betrachten.[3]

78% der Frauen in der Prostitution geben an, Angst vor der Gewalt von Sexkäufern zu haben, 95% erfuhren sexuelle Belästigung, 80-90% verbalen Missbrauch und soziale Geringschätzung, 60-75% wurden in der Prostitution vergewaltigt.[4] Die Hälfte der Sexkäufer geben zu, dass viele Frauen sehr wahrscheinlich zur Prostitution gezwungen werden, was sie aber nicht davon abhält, sondern teilweise sogar darin bestärkte, Sex zu kaufen.[5] Hinweise auf Betroffene von Frauenhandel kommen nur in wenigen Fällen von Sexkäufern.

Es passiert, dass Unternehmen besondere Vertragsabschlüsse in Bordellen feiern oder Bewerber für höhere Managementposten beweisen müssen, dass Bordellbesuche im Arbeitskontext für sie in Ordnung sind.[6] Dieses Beispiel zeigt wie die Normalisierung von Sexkauf in unserer Gesellschaft nicht nur ein sexistisches Frauenbild fördert, sondern auch de facto geschlechterdiskriminierend wirkt.[7] Prostitution hat nicht nur mit den Frauen in der Prostitution und den Sexkäufern zu tun, sondern mit Geschlechterverhältnissen in der Gesellschaft ganz allgemein. Das geht uns alle etwas an.

 

 

 

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[1] Haversath et al.: Sexualverhalten in Deutschland, 2017, S. 548.
[2] Farley: Men who buy sex, 2009, S. 9., Gerheim: Die Produktion des Freiers, 2012; Comisión para la Investigación de Tratos a Mujeres (CIMTM): El cliente de prostitución (ES), 2008.
[3] CIMTM: El cliente de prostitución (ES), 2008, S. 13/ 17.
[4] Farley: Bad for the Body, Bad for the Heart, 2004, S. 1095.
[5] Farley: Men who buy sex, 2009, S. 15f.; Cauduro: Prostitution and Human Trafficking, 2009, S. 230-233.
[6] Augsburger Allgemeine: Manager feiern: das Schienenkartell im Nobel-Bordell, 12.09.2012; Augsburger Allgemeine: Wüstenrot-Vertreter feiern im Bordell, 12.12.2011.
[7] Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen ProstG und Art. 3 II GG, 2010, S. 206.