Foto: © John Dow - photocase.deFoto: © John Dow - photocase.deTERRE DES FEMMES e.V. setzt sich ausdrücklich für die sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung von Frauen ein. Für sexuelle Selbstbestimmung zu kämpfen bedeutet jedoch nicht, dass das System der Prostitution als normal oder progressiv angesehen werden sollte. Bei Prostitution geht es nicht darum, mit wem Frauen Sex haben dürfen, sondern ob Männer sexuelle Handlungen mit Frauen kaufen dürfen.

Es geht bei der Prostitution nur um die sexuellen Wünsche der Sexkäufer, nicht um die Prostituierte und deren Sexualität. Die meisten Prostituierten empfinden ihre Tätigkeit nicht als Sex, sondern häufig als Missbrauch.[1] Sie versetzen sich währenddessen in einen mentalen Zustand, der ihre Empfindungen von dem Geschehen abkoppelt, um es überhaupt ertragen zu können  – in der Psychologie wird dieser Zustand Dissoziation genannt. Dieses mentale Abspalten wird zunächst bewusst von Prostituierten angewendet, um sich zu schützen, es kann jedoch zu langfristigen psychischen Problemen und einem gestörten Verhältnis zum Körper und der eigenen Sexualität führen.[2] Viele Frauen nehmen zudem Drogen, Alkohol oder Psychopharmaka, um ihre Tätigkeit als Prostituierte überhaupt ertragen zu können.[3]

Prostitution bedeutet keine sexuelle Freiheit. Es ist hingegen ein Menschenrecht, frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt über die eigene Sexualität zu bestimmen. Dieses Recht wird durch Prostitution nicht gefördert, sondern verhindert. TERRE DES FEMMES stellt sich klar gegen eine Kriminalisierung der Prostituierten. Wir fordern ein Sexkaufverbot welches sich an die Nachfrageseite wendet: die Sexkäufer.

 

 

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[1] Gugel: Das Spannungsverhältnis zwischen Prostitutionsgesetz und Art. 3 II GG, 2010, S. 9.

[2] Farley: Prostitution and the Invisibility of Harm, 2003, S. 19-23.

[3] Honeyball: Bericht über sexuelle Ausbeutung und Prostitution, 2014, S.10.; Kraus: Prostitution, 2016, S. 4.