Erfolg öffentlichen Engagements gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution

Betreiber von Flatratebordellen verurteilt

Im April 2012 verurteilte das Stuttgarter Landgericht zwei Betreiber eines Flatrate-Bordells wegen schweren Menschenhandels und Zuhälterei zu mehrjährigen Haftstrafen. TERRE DES FEMMES war Teil eines bürgerlichen Aktionsbündnisses, das im Juli 2009 öffentlich gegen das Betreiben von Flatrate-Bordellen aufrief, infolgedessen einzelne Bordelle untersucht wurden.  In diesen stellte die Polizei Menschenhandel, Zwangsprostitution und unwürdige Arbeitsbedingungen fest, woraufhin Anklage gegen die Betreiber erhoben wurde.

Menschenunwürdige Verhältnisse im Bordell

Die beiden Angeklagten betrieben mehrere Flatrate-Bordelle, unter anderem in Fellbach bei Stuttgart. In diesen Flatrate-Bordellen konnten Freier für einen Festpreis zwischen 70 und 100 Euro beliebig oft jeglichen Dienst aller Prostituierten in Anspruch nehmen. Die Prostituierten verdienten im Schnitt zwischen 3,75 und 5 Euro pro Akt. Am Tag mussten die Frauen bis zu 60 Freier bedienen. Gearbeitet wurde 14 Stunden täglich, an sechs Tagen die Woche, meist bis zur Erschöpfung ohne ausreichende Pausen. Die Frauen mussten wöchentlich mindestens 1000 Euro für ihre Zuhälter verdienen.

Zu dem Ermittlungsverfahren kam es erst nachdem sich die BürgerInnen Fellbachs, zusammen mit einem Aktionsbündnis, bei dem auch TERRE DES FEMMES Mitglied war, gegen diese Zustände in dem Bordell in einem offenem Brief an die Bundeskanzlerin, den Ministerpräsidenten Baden-Württembergs und die zuständigen Landes- und BundesministerInnen beschwerten.

Daraufhin erfolgte ein kritisches Medienecho zu dem Betreiben von Flatrate-Modellen und die Polizei wurde dazu angehalten, die Zustände in dem Bordell zu untersuchen. Dabei wurden Zwangsprostitution, Menschenhandel und unwürdige Arbeitsbedingungen in den Bordells aufgedeckt. Die beiden Angeklagten hatten seit 2004 junge Frauen in Rumänien in ärmlichen Verhältnissen aufgesucht, sie unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und sie zur Prostitution gezwungen. Zwei der Opfer waren erst 16 Jahre alt.

Jetzt wurden die beiden Angeklagten wegen der genannten Delikte und des Vorenthaltens von Sozialversicherungsbeiträgen zu acht Jahren und sechs Monaten und fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Erst das öffentliche Engagement der BürgerInnen und des Bündnisses veranlasste die polizeilichen Ermittlungen, bei denen die Straftaten aufgedeckt wurden. Dies zeigt wie wichtig BürgerInnenbeteiligung und öffentliche Aufklärung sind.

Des Weiteren bringt dieser Fall deutlich zu Tage, dass Prostituierte in Großbordellen in vielen Fällen unter menschenunwürdigen Bedingungen massiv ausgebeutet werden.