TERRE DES FEMMES begrüßt entscheidendes Urteil zu Entschädigungen für Opfer von Frauenhandel

Eine Million Euro Entschädigung für Opfer – wichtiges Urteil in Bayreuth

Im Dezember 2011 verkündete das Landgericht Bayreuth ein bemerkenswertes Urteil im Strafverfahren wegen Menschenhandels, Vergewaltigung, Körperverletzung und Betrugs. Der Angeklagte wurde auf Grund dieser Vergehen zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt. Die Nebenklägerin K., die bereits als Jugendliche von dem Angeklagten in die Prostitution geführt wurde, erhielt Anspruch auf eine Entschädigungssumme von einer Million Euro.

Der Angeklagte ließ die Nebenklägerin K. insgesamt elf Jahre als Prostituierte für sich arbeiten. Sie arbeitete meist sieben Tage die Woche ohne ausreichende Pausen und war sowohl sexueller als auch psychischer Gewalt ausgesetzt. Als Jugendliche machte sich der Angeklagte K. hörig, verführte sie und zwang sie in die Prostitution. Anfangs entschuldigte er sein Handeln noch mit der Begründung Geld für eine romantische, gemeinsame Zukunft sparen zu wollen.
Die Realität sah jedoch anders aus: eine gemeinsame Zukunft kam nicht, es folgten Prostitution, Vergewaltigungen, Alkoholabhängigkeit und eine psychische Abhängigkeit von K. gegenüber dem Angeklagten.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte K. unter dem Vorwand falscher Versprechungen als junges Mädchen ihrem sozialem Umfeld entfremdete, sie psychisch abhängig machte und sie in die Prostitution zwang. Ebenso war das Gericht überzeugt davon, dass es dem Angeklagten durch Gewalt und Vergewaltigung gelang die Macht über K. zu behalten und es ihr so erst nach einer Dauer von elf Jahren möglich wurde sich Hilfe zu suchen und sich aus den Fängen ihres Zuhälters zu befreien.

Das durch die Prostitution erwirtschaftete Geld musste K. an den Angeklagten weitergeben. Das Gericht bezifferte die Summe auf insgesamt eine Million Euro. Diese muss der Angeklagte an die Nebenklägerin K. nun zurückzahlen.
Bemerkenswert an dem Urteil ist die hohe Summe der Entschädigungszahlung, die jedoch noch kein Schmerzensgeld, sondern lediglich das von K. erwirtschaftete Vermögen beziffert, wobei ein Antrag auf Schmerzensgeld scheinbar auch nicht gestellt wurde.