Neue Zahlen zu Menschenhandel in Deutschland

Das Bundeskriminalamt hat den diesjährigen Bericht zu Menschenhandel in Deutschlandveröffentlicht. Dieser Bericht enthält einen kleinen Teil der tatsächlichen Fälle von Menschenhandel, da er nur erfolgreich abgeschlossene Ermittlungsverfahren zu Menschenhandel abdeckt. Dieses Jahr besteht das polizeiliche Hellfeld aus 430 Betroffenen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, dies ist ein leichter Rückgang zum Vorjahr (488 Betroffene).

Ein hoher Anteil der Verfahrung geht von polizeilichen Ermittlungen aus, Menschenhandel ist und bleibt ein Kontrolldelikt. Wenn die Polizei keine Ressourcen hat um zu ermitteln, werden auch keine Betroffenen identifiziert. Weiterhin generieren drei Bundesländer die Hälfte der Fälle: Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Dies ist keineswegs ein Zeichen dafür, dass es in diesen Bundesländern mehr Menschenhandel gibt, sondern ein Hinweis darauf wie wichtig eine Schwerpunktsetzung in Dezernaten und Staatsanwaltschaften ist. Sinkende Fallzahlen können daher auch ein Anzeichen dafür sein, dass Menschenhandel kaum entdeckt wird und weiterhin im Dunkelfeld in Deutschland existiert. Dennoch ist das BKA Bundeslagebild Menschenhandel die einzige gesicherte Information zu Menschenhandel in Deutschland, den Herkunftsländern der Betroffenen und TäterInnen und der Altersstruktur der Betroffenen.

96% der Betroffenen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung sind Mädchen und Frauen. Für TERRE DES FEMMES Fast die Hälfte der Betroffenen von Menschenhandel sind unter 21 Jahre alt (47,5%). Das Durchschnittsalter ist 23 Jahre. Deutsche sind mit 18,4% der Opfer das Hauptherkunftsland der im Bericht gezählten Betroffenen. Unter den minderjährigen Betroffenen von kommerzieller sexueller Ausbeutung sind es sogar 68% der Betroffenen! Weitere wichtige Herkunftsländer der Betroffenen sind Bulgarien (15,3%), Rumänien (14,7%), ähnlich wie in den Vorjahren, aber die Zahlen für Ungarn (13,5%) und Nigeria (14,%) sind deutlich gestiegen. So gab es einen starken Anstieg der Betroffenen aus Nigeria: 61 Betroffene im Vergleich zum Vorjahr (39 Betroffene).

Jedes sechste Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung wurde durch die sogenannte Loverboy-Methode in die Prostitution gebracht. Die Kontaktanbahnung über das Internet war von großer Bedeutung, insbesondere bei minderjährigen Betroffenen von kommerzieller sexueller Ausbeutung. Dies geschah über Soziale Netzwerke, Anzeigenportale und Messengerdienste.

Ein Fallbeispiel des BKA illustriert die typische Vorgehensweise eines Loverboys:

„In einem in Schleswig-Holstein geführten Ermittlungsverfahren wegen Zuhälterei und Zwangs-prostitution schilderte ein 19-jähriges weibliches Opfer in seiner Vernehmung die Umstände seiner Ausbeutung durch den Täter. Diesen hatte es in einer Diskothek kennengelernt. Mittels der Loverboy-Methode baute der Täter eine Beziehung zu der jungen Frau auf. Nur wenige Wochen nach dem Kennenlernen verlangte der Täter zum ersten Mal, dass diese sich für ihn prostituiere. Zunächst lehnte das Opfer dies ab, ließ sich später jedoch aus Interesse in einem Bordell anlernen. Im weiteren Verlauf zwang der Täter es dann mittels physischer Gewalt und Drohungen, der Prostitution für ihn nachzugehen. Das Opfer arbeitete im Bordell, auf dem Straßenstrich, in seiner eigenen Wohnung, auf Gang-Bang-Veranstaltungen und auf Privatpartys. Dabei gab der Täter die Preise für die zu erbringenden Leistungen mit den Kunden vor. Das Opfer musste sämtliche Ein-nahmen an den Täter abgeben, da er diese seinen Angaben zufolge für die Begleichung seiner Schulden benötigte. Im Weiteren musste das Opfer einen Kredit für den Täter aufnehmen. Er verabreichte der Frau Drogen und drohte damit, Bilder und Videos von ihr an Bekannte zu versenden. Der Täter wurde nach seiner Festnahme rechtskräftig zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 7 Jahren verurteilt.“ (BKA Bundeslagebild Menschenhandel 2018, S.13).

TERRE DES FEMMES möchte durch unseren Aufklärungsflyer „Die große LiebeFalle – Die Loverboy-Methode“ auf diese Gefährdung für Mädchen und junge Frauen aufmerksam machen.

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