20.02.2014: Position von TERRE DES FEMMES zur Debatte der Millenniumsentwicklungsziele und ihrer POST-2015 Agenda

Grundsätzlich unterstützt TERRE DES FEMMES das von den VENRO-Mitgliedsorganisationen im Juli 2013 erarbeitete Positionspapier "Die Weichen richtig stellen - Für eine zukunftsfähige Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsagenda nach 2015" (PDF-Datei).

Als Frauenrechtsorganisation möchten wir die Position von VENRO noch ergänzen.

Unser Ziel ist eine Welt ohne Armut, in der alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, Alter oder ethnischer Zugehörigkeit in Frieden, Würde und Sicherheit leben können. Dies erreichen wir, indem wir Frauen als Trägerinnen von Entwicklung in den Mittelpunkt unseres Engagements stellen und indem wir uns dafür einsetzen, die Ungleichbehandlung der Geschlechter und die damit verbundene Diskriminierung von Mädchen und Frauen abzuschaffen!

Als Menschenrechtsorganisation für Frauen stellen wir deshalb folgende Forderungen:

  • Geschlechtergerechtigkeit muss als "Stand-Alone-Millenniumsentwicklungsziel" in den Kanon der Post-2015-Agenda aufgenommen werden.
  • Mit Hilfe des Gender Mainstreamings muss Geschlechtergerechtigkeit zu einem klar sichtbaren Querschnittsanliegen gemacht werden. Klar definierte Indikatoren müssen den Stand der Geschlechtergerechtigkeit messen und Disparitäten in allen Bereichen der Agenda aufdecken.
  • Die aktuelle Stigmatisierung der Frau, etwa als "Opfer" oder "Mutter", wird in den aktuellen Millenniumsentwicklungszielen (Millennium Development Goals, MDG) reproduziert. Es muss durch ein vielschichtiges, in allen Fällen aber gleichberechtigtes Bild von Männern und Frauen ersetzt werden.
  • Frauen müssen als Rechtssubjekte, sowie als aktive Akteurinnen in allen Bereichen der Gesellschaft präsent sein.
  • Gewalt (auch sexualisierte Gewalt) gegen Frauen muss als eigenständiger Punkt aufgenommen und speziell geahndet werden.
  • Sexuelle sowie reproduktive Rechte von Frauen müssen besonders geschützt und sollen nicht nur auf "Müttersterblichkeitsraten" reduziert werden. Insbesondere die schwerwiegende und weit verbreitete Menschenrechtsverletzung durch FGM ( weibliche Genitalverstümmelung) muss einen deutlicheren Stellenwert einnehmen.
  • Frühehen und jegliche Arten der Zwangsverheiratung von Mädchen und Frauen müssen sanktioniert und geächtet werden.
  • Außerdem muss politische sowie sozio-ökonomische Teilhabe und Partizipation als weiterer Indikator des MDG III aufgenommen werden.
  • Bei sozialer Teilhabe und Partizipation ist besonders auf gleichberechtige Teilhabe im Familienverband zu achten. Frauen und Männer müssen in finanziellen und privatrechtlichen Fragen gleichgestellt sein.
  • Die Eigentums- und Landrechte von Frauen müssen gestärkt werden. Hierbei muss auf das Erbrecht in vielen Kulturen geachtet werden, in denen Frauen nicht zum Erben befugt sind und in dauerhafter Abhängigkeit leben.
  • Das Recht auf würdige Arbeit muss gegeben sein. Frauen muss, besonders im Niedriglohnsektor, geringfügiger Beschäftigung und der unbezahlten CARE-Arbeit mehr finanzielle und arbeitsrechtliche Sicherheit garantiert werden.
  • Es muss ein Gender-Budget eingerichtet werden, um den öffentlichen Haushalt geschlechtergerecht zu verteilen und Maßnahmen verstärkt zu unterstützen, die auf ein Empowerment der Frau hinzielen.

Grundsätzlich gilt:

  • Der Vorsatz der Universalität muss allen Zielsetzungen inhärent sein. Gewalt gegen Frauen muss unabhängig von Region, gesellschaftlicher Klassenzugehörigkeit, kulturellem Hintergrund, ethnischer Zugehörigkeit, sexueller Selbstbestimmung, sowie Religionszugehörigkeit geahndet werden.
  • Auch eine Überschneidungsform verschiedener diskriminierender Elemente (Intersektionalität) muss bedacht werden.
  • Die neuen Ziele müssen die Mehrdimensionalität von Armut erfassen und strukturelle Ursachen wie (geschlechter)ungleiche Verteilung von Ressourcen, politische und gesellschaftliche Marginalisierung, makro-ökonomische Prozesse sowie extreme Machtunterschiede auf der Mikro-, Meso- und Makroebene bekämpfen.

 

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