82 - Einfach mal Danke sagen

Wie habt ihr euch gefühlt? Was fällt bei anderen Geschlechterkombinationen auf? 

Sexuelle Belästigung ist einseitiges, unerwünschtes Verhalten mit sexuellem Bezug, welches die Betroffene in ihrer Würde verletzt. Es kann von Anstarren über unangemessene Bemerkungen bis zum sexuellen Übergriff reichen. Sexuelle Belästigung beinhaltet eine Würdeverletzung des Gegenübers, die belästigte Person wird durch das Verhalten der Tatperson also beschämt, beleidigt oder erniedrigt. Es zählt nicht die Absicht hinter der Handlung, sondern die Auswirkung auf die Betroffene. Ob eine bestimmte Aussage oder Verhaltensweise als sexuelle Belästigung einzustufen ist (oder z.B. als Flirt), hängt deshalb in erster Linie davon ab, ob dies mit dem Einverständnis des Gegenübers geschieht.

Am Arbeitsplatz wird sexuelle Belästigung nur selten ausgeübt, um dadurch mit einer Person ein sexuelles Verhältnis herbeizuführen. Vielmehr geht es darum, die eigene Macht zu demonstrieren und die Autorität der belästigten Person herabzusetzen. Oft werden Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt. So sind Frauen überdurchschnittlich häufig von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen, wenn sie noch keine berufliche Qualifikation aufweisen, sich noch in der Probezeit oder erst kurze Zeit im Betrieb befinden. Folgen können u.a. Angst, Depression, psychische Erkrankungen und der Verlust von Arbeitsmotivation, -platz oder -fähigkeit sein. Über die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland haben gesetzlich verbotene Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Studien belegen, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorrangig Frauen betrifft: Bei einer Auswertung von 700 Gerichtsurteilen zu sexuellen Übergriffen im Arbeitskontext zwischen 1980 und 2014 waren lediglich in 25 Fällen Männer betroffen.

Vielfach erleben betroffene Frauen auch negative Reaktionen, wenn sie sich hilfesuchend an die Arbeitgeberin wenden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet sexuelle Belästigung. Arbeitgeberinnen müssen laut Gesetz aktiv vor sexueller Belästigung schützen - etwa 80 % der von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes befragten Personen waren sich dessen aber nicht bewusst (2015). Über 40 % kannten keine Ansprechperson zu dem Thema in ihrem Betrieb (2019). Dabei sind Arbeitgeberinnen rechtlich dazu verpflichtet, eine betriebsinterne Beschwerdestelle einzurichten und Informationen über diese in der Belegschaft bekannt zu machen.

Ausdrücklich verboten sind laut AGG folgende Handlungen:

  • sexualisierte körperliche Berührungen wie beispielsweise (auch vermeintlich zufällige) Berührungen von Brust oder Po oder unerwünschte Nackenmassagen,
  • unerwünschte sexuelle Handlungen wie grenzüberschreitende körperliche Nähe, die Vorgesetzte, Kolleginnen oder Kundinnen suchen,
  • die Aufforderung zu unerwünschten sexuellen Handlungen wie Setz dich auf meinen Schoß!,
  • unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen, wie Nacktfotos an den Wänden oder pornographische Magazine auf dem Schreibtisch,
  • Bemerkungen sexuellen Inhalts, wie anzügliche Witze, zweideutige Kommentare über das Aussehen, die Kleidung oder das Privatleben einer Person sowie sexuelle Anspielungen,
  • non-verbale sexuelle Belästigung wie anzügliches Starren, Hinterherpfeiffen oder das Versenden von E-Mails, Fotos, SMS oder Videos mit sexuellem Inhalt.