81 - Das ist das Haus...

Häusliche Gewalt liegt laut dem Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland dann vor, wenn es zwischen Erwachsenen in einer häuslichen Gemeinschaft (z.B. Ehe, Lebenspartnerinnenschaft, Beziehung) zu Gewalt kommt. Häusliche Gewalt existiert außerdem, wenn die häusliche Gemeinschaft gerade aufgelöst wird oder kürzlich eine Trennung stattgefunden hat. Die Tat muss nicht innerhalb der gemeinsamen Wohnung stattfinden.

Häusliche Gewalt kann körperliche, psychische, sexualisierte, soziale und finanzielle Gewalt umfassen, die alle Kontrolle und Machtausübung zum Ziel haben:
Physische Gewalt kann z.B. Ohrfeigen, Faustschläge, Tritte, Stöße, Würgen, Fesseln, Folter, Angriffe mit Waffen aller Art oder mit Gegenständen bzw. Flüssigkeiten, Morddrohungen und Mord beinhalten.
Psychische Gewalt schließt u.a. Drohungen ein, sich selbst, der Partnerin, den Kindern, anderen Familienmitgliedern oder Haustieren etwas anzutun; Drohungen, die Kinder wegzunehmen; ebenso wie Manipulationen, Beleidigungen, Demütigungen und Bloßstellung in der Öffentlichkeit.
Sexualisierte Gewalt kann z.B. in Form von Nötigung, Vergewaltigung oder Zwangsprostitution ausgeübt werden.
Soziale Gewalt meint u.a. die Isolation der Betroffenen von Familie und Freundeskreis, das Verbot oder die Kontrolle von Außenkontakten und das Einsperren zu Hause.
Finanzielle Gewalt kann Arbeitsverbote oder Arbeitszwang, die alleinige Kontrolle der familiären Finanzen bzw. das Erzeugen von finanzieller Abhängigkeit in anderer Form und das Vorenthalten verpflichtender Unterhaltungsleistungen beinhalten.

Häusliche Gewalt ist die häufigste Form von Gewalt an Frauen. Weltweit ist jede Dritte davon betroffen und in Deutschland offiziell ca. 115.000 Frauen. Häusliche Gewalt ist nie ein einmaliges Ereignis. Sie wird oft systematisch über lange Zeit eingesetzt, um Macht und Kontrolle auszuüben. Betroffene leiden sehr häufig unter Selbstzweifeln, einem Verlust an Selbstvertrauen und fühlen sich für die erlebte Gewalt verantwortlich.

Auch volkswirtschaftlich betrachtet richtet häusliche Gewalt ausgesprochen großen Schaden an. Die Kosten von häuslicher Gewalt liegen in Deutschland jährlich bei 3,8 Milliarden Euro – z.B. für Polizeieinsätze, Gerichtsprozesse, Klinikbehandlungen und Arbeitsausfälle. So viel gab die Bundesregierung 2019 für Digitalisierung aus. Dazu kommen 18 Milliarden Euro für Lebenszeitkosten, wie Schmerz, Angst und den vorzeitigen Tod (BTU Cottbus -Senftenberg 2019). Auch in der Arbeitswelt hinterlässt häusliche Gewalt deutliche Spuren: nicht nur die Leistungsfähigkeit einer körperlich und/oder psychisch verletzten Frau lässt deutlich nach. Auch ein aggressiver Mann ist kein produktiver Mitarbeitender. Gewalttätige Männer bauen öfter Unfälle und nutzen ihre Arbeitszeit dazu, ihre Partnerinnen zu kontrollieren. Außerdem haben auch sie mehr Fehlzeiten. Weltweit lagen die Kosten von häuslicher Gewalt an Frauen im Jahr 2016 Schätzungen von UN Women zufolge bei 1,5 Billionen US-Dollar – rund 2 % des globalen Bruttosozialprodukts. In der EU machen die Kosten von häuslicher Gewalt gegen Frauen 289 Milliarden Euro aus (EIGE 2021). Die Gesellschaft trägt die Kosten für diese (Männer-)Gewalt mit. Häusliche Gewalt geht uns alle an!