80 - Kompromisslos

Die Weltgesundheitsorganisation verurteilt die Medikalisierung von FGM/C. Zwar kann sie Komplikationen und das Ausmaß des Eingriffs reduzieren. Sie verharmlost jedoch die Gefahr und oft lebenslangen Folgen von FGM/C. Auch ist sie unverändert eine Menschenrechtsverletzung und Gewalt an Mädchen und Frauen. Zuletzt wirkt sie nicht der hochgradig diskriminierenden Unterdrückung der weiblichen Sexualität entgegen und verzögert schlimmstenfalls sogar die vollständige Abschaffung von FGM/C.

Der Trend zur Medikalisierung von FGM/C wächst weltweit und ist nicht mehr nur städtischen Eliten vorbehalten.

UNFPA zufolge gibt es neun Länder, in denen über 10 % der Mädchen, die FGM/C erleiden, von Gesundheitspersonal beschnitten werden: Dschibuti, Ägypten, Guinea, Indonesien, Irak, Kenia, Nigeria, Sudan und Jemen. Mutter-Tochter-Vergleiche zeigen, dass die Medikalisierung in jedem dieser Länder außer Nigeria zunimmt. Am stärksten ist dieser Trend in Ägypten, wo sich die Raten mehr als verdoppelt haben. 93 % der Frauen, die von einer medikalisierten Form von FGM/C betroffen sind, leben in Ägypten, Nigeria und dem Sudan. Über die Hälfte lebt allein in Ägypten (UNFPA 2018). FGM/C ist dort seit 2017 gesetzlich verboten. Trotzdem liegt die Betroffenenrate bei 91 % (UNFPA 2020).