72 - Aufmerksam machen

FGM/C nimmt in Deutschland jährlich zu: 2020 waren ca. 75.000 Frauen betroffen und ca. 20.000 Mädchen bedroht. In Europa leben ca. 600.000 von FGM/C Betroffene, weltweit ca. 200 Millionen. Im Zuge der Corona-Pandemie wird ein weiterer Anstieg der Fallzahlen befürchtet, denn wenn Mädchen nicht regelmäßig zu Ärztinnen, in die Schule oder in den Sportkurs gehen können, steigt die Gefahr, dass sie keinen Schutz außerhalb des Elternhauses suchen geschweige denn finden können und der Eingriff in den eigenen vier Wänden unbemerkt durchgeführt wird.

Menschenrechtsorganisationen überwachen, dass Staaten für alle Bürgerinnen einen Rahmen zum Schutz der Menschenrechte schaffen. 2021 führte die Bundesregierung den lange von Aktivistinnen geforderten Schutzbrief zu FGM/C ein. Der Schutzbrief dient der Aufklärung und dem Schutz von Mädchen vor FGM/C. Er wird künftig bei Hilfsorganisationen, Beratungsstellen, Kliniken, Privatpraxen und ggf. auch an Flughäfen ausliegen und das dortige Personal bei der Aufklärungsarbeit unterstützen. In Druckform hat der Flyer die Größe eines Reisepasses und kann somit problemlos auf Reisen mitgenommen werden kann. Denn oft wird FGM/C während der Ferienzeiten in den Herkunftsländern durchgeführt. Der Schutzbrief soll Eltern davon abhalten, ihre Töchter bei einer solchen Reise FGM/C zu unterziehen.

Er informiert über die Strafbarkeit von FGM/C in Deutschland, auch wenn die Tat im Ausland erfolgt, sowie über den möglichen Verlust des Aufenthaltstitels. Damit liefert er den Familien auch starke Argumente gegen den gesellschaftlichen Druck in ihren Herkunftsländern. Der Schutzbrief ist inzwischen in zahlreichen Sprachen verfügbar: auf Deutsch, Englisch, Französisch, Portugiesisch, Arabisch, Amharisch, Dari, Farsi, Indonesisch, Kurdisch, Mandinka, Somali, Sorani, Swahili, Tigrinisch und Urdu.