69 - Freudenhaus – Aus!

Das Nordische Modell, das TERRE DES FEMMES auch für Deutschland fordert, will Prostituierte entkriminalisieren, Sexkaufende, Zuhälterinnen und Bordellbetreibende kriminalisieren und Ausstiegsprogramme für Prostituierte einrichten. Letztere müssen auch EU-Bürgerinnen und Frauen aus Drittstaaten offenstehen. In Deutschland werden hauptsächlich ausländische Frauen von deutschen Männern sexuell ausgebeutet, daher müssen wir als Gesellschaft auch Finanzierungsmittel bereitstellen, um diese Frauen dabei zu unterstützen, Alternativen zu finden, und mit den Folgeschäden der Prostitution umzugehen.

Seit Einführung des Sexkaufverbots in Schweden 1999 sind dort nur noch rund 2.000 Prostituierte in Wohnungen tätig. Straßenprostitution gibt es fast gar nicht mehr. Etwa 400 Sexkaufende werden jährlich mit Geldstrafen belegt. Die mehrfach vorgebrachte Anschuldigung, seit Inkrafttreten des Gesetzes habe die Gewalt gegen Prostituierte zugenommen, trifft nach Aussage des (ehemaligen) Sonderbotschafters gegen Menschenhandel beim schwedischen Außenministerium, Per-Anders Sunesson, nicht zu.

Das Gegenteil sei der Fall, denn laut der Polizei und den Frauen in der Prostitution habe das Gesetz zu einer Machtverschiebung von den Sexkaufenden hin zu den -Verkaufenden geführt. Die Kaufenden wüssten: wenn sie einer Person, von der sie sexuelle Dienste kaufen, etwas antun, kann die Betroffene sich an die Polizei wenden, ohne selbst Angst vor rechtlichen Konsequenzen haben zu müssen. Seit 1999 ist in Schweden keine Prostituierte mehr getötet worden (Chrismon 2020). Allein 2019 waren in Deutschland 10 Prostituierte von einem Mordversuch betroffen, 3 fielen ihm zum Opfer (Sex Industry Kills 2021).