67 - Wer wird bestraft?

TERRE DES FEMMES fordert ein Sexkaufverbot – denn Sexkaufende schaffen durch ihre Nachfrage den Markt für die Prostitution und Ausbeutung durch Menschenhandel. Auch Dritte dürften dann nicht mehr von der Prostitution anderer profitieren.

Viele Menschen stellen sich Sexkaufende als sexuell frustrierte, isolierte Männer vor, die in keiner Beziehung sind und keinen Kontakt zu anderen Frauen haben. Oder aber es kursiert das Bild des netten Sexkaufenden, der den Frauen etwas Gutes tut, sie aus der Armut oder den Fängen des Menschenhandels befreit. Die Realität sieht anders aus: 8 % der Männer in Deutschland kaufen Sex von Prostituierten (Haversath et al. 2017). Internationale Studien zeigen, dass ca. die Hälfte der Sexkaufenden in einer festen Beziehung und alle Altersklassen zwischen ca. 18 und 80 Jahren vertreten sind. Die Sexkaufenden gehören zudem allen sozialen Klassen und politischen Richtungen an.

Seit der Reform der Straftatbestände zu Menschenhandel im Oktober 2016 ist es in Deutschland endlich eine Straftat, Sex bei einer von Menschenhandel Betroffenen zu kaufen (§ 232a Absatz 6 StGB). TERRE DES FEMMES sieht diese Gesetzesänderung als positiv an, es bleibt jedoch zu beobachten, ob und wie Polizei und Staatsanwaltschaften diese Gesetzesvorgabe umsetzen. Bisher ist noch kein Fall zur Anzeige gekommen, was nicht erstaunt, da Betroffene von Menschenhandel sich selbst und z.T. ihre Familien in akute Gefahr bringen, wenn sie aus dem Kreislauf von Abhängigkeit und Ausbeutung auszusteigen versuchen. Es ist zudem unklar, wie Betroffene von Menschenhandel Sexkaufende wirksam belangen sollen, wenn Letztere in Deutschland regulär auf legaler Grundlage agieren. Das muss sich ändern.

Bezüglich vermeintlich freiwilliger Prostitution räumt die Bundesregierung zwar ein, dass sich viele Prostituierte in einer sozialen und psychischen Situation befänden, in der es fraglich sei, ob sie sich wirklich frei und autonom für oder gegen diese Tätigkeit entscheiden könnten. Trotzdem betrachtet das Prostitutionsgesetz Prostituierte, die aus solchen Gründen in die Prostitution geraten, als freiwillige Prostituierte. TERRE DES FEMMES sieht das anders. Armutsprostitution ist keinesfalls freiwillig. Auch der Ausstieg aus der Prostitution gestaltet sich meist sehr schwierig: (emotionale) Abhängigkeit von Zuhälterinnen bzw. Bordellbetreibenden, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, Traumatisierung, fehlende Perspektiven außerhalb der Prostitution oder ein mangelndes Selbstwertgefühl, sind einige der Gründe, die den Ausstieg erschweren. Dazu kommt die häufig prekäre Situation von Prostituierten in Deutschland: teilweise haben sie keine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis, sprechen kein oder kaum Deutsch, haben oft ein niedriges Bildungsniveau und kennen weder das Land noch ihre Rechte ausreichend.

Wie sollte Sexkauf eurer Meinung nach bestraft werden?