59 - Hindernisse

Habt ihr eigene Erfahrungen mit eurem Thema gemacht?

76 % der Männer, aber nur 58 % der Frauen in Deutschland sind der Ansicht, dass die Geschlechter im Privaten gleichgestellt sind. Deutlich mehr Frauen (76 %) als Männer (53 %) lehnen die Aussage ab, dass Gleichstellung im Beruf erreicht ist. 67 % der Frauen versus 42 % der Männer finden, dass Männer gesellschaftlich mehr Vorteile genießen (YouGov 2020). Ähnlich sieht es bei politischen Maßnahmen zur Verwirklichung der Gleichstellung aus: 56 % der Männer sind gegen die Einführung einer Frauenquote für Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft, Frauen lehnen diese nur zu 30 % ab. Die größte Kritik an fehlender Gleichstellung äußert das Milieu der Sozialökologischen. Sie fordern mehr soziale Gerechtigkeit und Diversität. Den geringsten Handlungsbedarf erkennt die Gruppe der Konservativ-Etablierten, die tendenziell eine traditionelle Rollenverteilung gutheißt.

Aus Sicht der Bundesregierung sind die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Gender Pay Gap, zu wenige Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, und die hohe Gewaltrate an Frauen die größten Gleichstellungshürden. Zusätzlich sind Frauen in den sogenannten MINT-Berufen, also in mathematischen, Informatik-, naturwissenschaftlichen und technischen Berufen, weiterhin unterrepräsentiert. Soziale, erzieherische und pflegerische Berufe werden dagegen seit langem vor allem von Frauen ausgeübt und benötigen eine Aufwertung – u.a. auch finanzieller Natur, wie zuletzt die Corona-Krise gezeigt hat.

Auch international ist trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren fraglos noch viel Luft nach oben: Der UN-Bericht für 2019 erklärt zwar, dass sich die Welt für Frauen zum Besseren verändert habe, da u.a. der Frauenanteil in Parlamenten und Führungspositionen zugenommen habe, bestätigt aber gleichzeitig, dass diskriminierende Gesetze und soziale Normen sowie schädliche Praktiken und andere Formen der Gewalt unverändert weit verbreitet sind. Laut dem Atlas der Zivilgesellschaft 2020 zahlen Frauen, die sich für Frauenrechte einsetzen, einen besonders hohen Preis für ihr politisches und gesellschaftliches Handeln. Gleichzeitig erschwert die in vielen Teilen der Welt zunehmend rückwärtsgewandte Geschlechterpolitik im Rahmen autoritär-nationalistischer, ultrakonservativer oder religiös-fundamentalistischer Regime (v.a. weiblichen) Aktivistinnen, sich gegen diese Angriffe zu wehren.

Im September 2015 wurde die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einstimmig verabschiedet. Mit der Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft 17 Ziele (sogenannte Sustainable Development Goals oder kurz SDGs) für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Entwicklung gesetzt. Die 17 Ziele gelten universal und für alle Länder gleichermaßen. Ziel 5 widmet sich der Geschlechtergerechtigkeit. Folgende Maßnahmen sind darin enthalten:
- Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft,
- Beseitigung aller Formen der Diskriminierung,
- Beendigung aller Formen und Prävention von Gewalt gegen Frauen und Mädchen,
- Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben,
- unbezahlte Pflege- und Hausarbeit anerkennen, wertschätzen und gerechter verteilen,
- einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsleistungen, auch zur Wahrung sexueller und reproduktiver Gesundheit,
- alle schädlichen Praktiken wie Kinderheirat, Zwangsheirat und Genitalverstümmelung beseitigen sowie
- gleicher Zugang für Frauen und Männer zu wirtschaftlichen Ressourcen, Technologie und Finanzen.

Die Geschlechtergerechtigkeit und die Selbstbestimmung aller Frauen und Mädchen weltweit ist zudem eine Querschnittsaufgabe für die nachhaltige Entwicklung. Sie findet sich - neben Ziel 5 - in 11 weiteren Zielen wieder, z.B. bei den Forderungen nach gleichen Bildungschancen in Ziel 4 (Hochwertige Bildung) und gleicher Bezahlung von Frauen und Männern in Ziel 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum).


Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist der deutsche Beitrag zur Umsetzung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Diese Strategie verfolgt unter anderem die folgenden drei Ziele:
(1) Den Unterschied in den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten bis 2030 auf max. 10 % zu reduzieren.
(2) Den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten der börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen bis 2030 auf 30 % zu erhöhen.
(3) Die Steigerung der durch deutsche Entwicklungshilfe beruflich qualifizierten Mädchen und Frauen auf 473.000 in 2030, ein Drittel mehr als im Jahr 2015.

Ist das eurer Meinung nach genug? Sollte die Bundesregierung noch mehr tun oder andere Schwerpunkte setzen? Wie würdet ihr selbst entscheiden?